Medien

Ein Hoeneß für’s Radio

Erwin Linnenbach, Chef der Regiocast und einer der einflussreichsten Hörfunkmanager in Deutschland, fordert im turi2-Interview Staatsgelder für das Digital-Radio. Doch das hat er nicht wirklich ernst gemeint.

25. Mai 2009 | Im März dieses Jahres erhielt Uli Hoeneß für die Öffentlichmachung „eines? Traums“ reichlich Resonanz in den Medien: Für zwei Euro Aufschlag auf die Rundfunkgebühren könnten künftig alle Spiele der ersten und zweiten Fußballbundesliga frei empfangbar sein. Für diese absurde Idee erntete der Bayern-Manager sogar Zustimmung, zumindest bei hartgesottenen Fußballfans.

Erwin Linnenbach im Interview bei turi2.TV – Screenshot

Eine ähnlich verrückte Idee äußerte Erwin Linnenbach am Montag dieser Woche im turi2-Interview indem er forderte, „aus dem Konjunkturpaket II nicht nur Straßen oder Schienennetze zu finanzieren, sondern den Sendernetzaufbau im Band III für digitalen, terrestrischen Hörfunk aufzubauen.“ Im Gegensatz zum Fußballmanager Hoeneß kann Radiomanager Linnenbach allerdings nicht einmal auf hartgesottene Fans unter den Hörern setzen, sondern höchstens auf einige versprengte Digitalradio-Befürworter in Landesregierungen, Landesmedienanstalten und öffentlich-rechtlichen Funkhäusern. Erwin Linnenbach, Chef der Radio-Holding Regiocast und damit einer der einflussreichsten Hörfunkmanager in Deutschland, ist nicht bekannt dafür, dass er irrsinnige Dinge öffentlich von sich gibt. Er weiß genau, dass DAB und alle Nachfolgemodelle des Digitalradios schon tot sind, weil die „Radio-Musik längst im Internet spielt“, wie Kollege Hans-Dieter Hillmoth nicht müde wird, öffentlich zu bekunden. Der Geschäftsführer von „Hit Radio FFH“ und stellvertretende Vorsitzende des privaten Rundfunkverbands VPRT, „ist schon längst die dauernde Diskussion über ein mögliches terrestrisches Digitales Radio ja oder nein leid: Es würde mich wundern, wenn das klappen würde.“

Ähnlicher Überzeugung dürfte auch Linnenbach sein, sonst hätte er nicht mit seinem Unternehmen so ambitionierte Internet-Projekte wie das Fußballradio „90elf“ gestartet und wäre wohl auch keine Kooperation mit dem Endgerätehersteller „NOXON“ eingegangen. Nein, den „Hoeneß für’s Radio“ hat Erwin Linnenbach sicherlich nur gemacht, um zu provozieren. Warum sollten auch weitere Steuergelder für Digital-Plattformen vergeudet werden, für die trotz zahlreicher Experimente in den vergangenen beiden Jahrzehnten bei Hörern, Geräteherstellern und letztlich auch bei den Radiomachern selbst kein Bedarf geweckt werden konnte – und für die es in Zukunft auch keine Notwendigkeit geben wird.

Ständig wachsende Zugriffszahlen auf Livestreams und On-Demand-Angebote zeigen, dass die Ablösung der Ultrakurzwelle durch das Internet längst begonnen hat. Für die wenigen versprengten Digitalradio-Fetischisten in öffentlichen Amtsstuben wird es höchste Zeit, sich andere Betätigungsfelder zu suchen, wenn sie selbst nicht zu Auslaufmodellen werden wollen. Und Privat-Radiomacher sollten sich endlich um attraktive und zukunftsträchtige Inhalte für ihre Programme kümmern, denn im Internet wartet jede Menge Konkurrenz. Die Zeiten, in denen zugeteilte UKW-Frequenzen gleichzeitig Lizenzen zum Geld drucken waren, gehen langsam aber sicher zu Ende.

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