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Ein Hoch auf die Panoramafreiheit

10. Juli 2015 | Das ist ja mal ein Zufall. In der Klausur “Content 1″ hatte der Kollege Professor Johannes Handschumacher erst kürzlich die Frage gestellt: Was versteht man unter dem Begriff „Panoramafreiheit“? Die korrekte Antwort gab am Donnerstag das Europäische Parlament “mit überwältigender Mehrheit” – wie unter anderem Spiegel Online berichtet.

“Panoramafreiheit” bedeutet, dass öffentliche Gebäude, Baudenkmäler oder Kunstwerke im so genannten “öffentlichen Raum” fotografiert oder gefilmt werden dürfen, ohne dass dafür Genehmigungen – z. B. von Architekten – erforderlich sind oder gar Gebühren fällig werden.

Vor gut einer Woche hatte sich der Rechtsausschuss des EU-Parlaments noch für erhebliche Verunsicherung gesorgt, weil sich die Abgeordneten des Gremiums mehrheitlich für eine Ausweitung der Urheberrechte aussprachen. Danach sollte in allen EU-Mitgliedstaaten die “Panoramafreiheit” bei kommerzieller Nutzung der Aufnahmen – zum Beispiel durch Berufsfotografen – beschnitten werden.

Das hätte durchaus auch Folgen für Hobbyfotografen und -filmer haben können, weil es im Zusammenhang mit der Verwendung solchen Bildmaterials im Internet keine eindeutigen Grenzen zwischen professioneller und privater Nutzung gibt. Aufgrund der großen Rechtsunsicherheit mag sich schon so mancher (Abmahn-) Anwalt die Hände gerieben haben. Zu früh gefreut.

Am Donnerstags kam nämlich Entwarnung für Fotografen, Filmemacher und Selfie-Künstler gleichermaßen: Mit großer Mehrheit wurde die Einschränkung der Panoramafreiheit im EU-Parlement abgelehnt. Damit dürfen das Brandenburger Tor in Berlin, der Big Ben in London oder der Stephansdom in Wien auch künftig bedenkenlos abgelichtet werden, zumindest wenn das von einem öffentlich zugänglichen Verkehrsweg aus geschieht – zum Beispiel von der Straße.

Für Julia Reda ist das Thema “Panoramafreiheit” mit dem Votum im EU-Parlament allerdings noch längst nicht erledigt. Die deutsche Europa-Abgeordnete der Piratenpartei beklagt zu Recht, dass in mehreren Mitgliedsstaaten der EU die Panoramafreiheit entweder stark beschnitten wird – oder gar nicht gilt, so wie in Frankreich, Italien und Griechenland. Mehr dazu ist auf Website der Piratin nachzulesen.

Und die Moral aus der Geschichte: Manchmal tun Europa-Abgeordnete doch etwas Gutes für uns – so wie Julia Reda zum Beispiel. Jetzt will sie es mit viel Überzeugungsarbeit auch noch schaffen, dass nach Novellierung des europäischen Urheberrechts die in einigen Ländern vorerst weiterhin bestehenden Beschränkungen demnächst beseitigt werden. Ein Hoch auf die Panoramafreiheit in ganz Europa.

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