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„Die Gründe sind ehrenhaft“

Amtsmüder Wirtschaftminister Glos darf nicht zurücktreten, obwohl „BILD am Sonntag“ die Demission längst genehmigt hatte.

8. Februar 2009. Michael Glos hat dazu gelernt. Zumindest, wenn es um den Umgang mit der BILD-Zeitung und ihren Ablegern geht. Am Samstag ließ der amtsmüde Wirtschaftminister über eine Vorabmeldung der „BILD am Sonntag“ verbreiten, dass er seinen Parteichef Horst Seehofer gebeten habe „mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden.“ Der CSU-Chef lehnte das Gesuch ab, obwohl „BamS“ keine Einwände gegen die Demission hatte.

Schlagzeile in Bild am Sonntag am 8. Februar 2009

Glos hatte offenbar keine Lust, erneut in der Verlierer-Rubrik des Springerblattes zu landen. So wie im April 2007, als er per Interview zunächst auf die damalige Steuersenkungskampagne von „BILD“ eingestiegen war, schließlich doch noch einen Rückzug machte. Zur Strafe landete der Wirtschaftsminister seinerzeit als „Verlierer“ auf der Titelseite des Boulevardblattes. Zur Begründung wurde damals eine sechs Wochen alte Äußerung über Glos‘ öffentlich eingestandene Schwächen im Umgang mit Handys hervor gekramt.

Diesmal lief es besser. Weil „BILD am Sonntag“ schon am Samstag der Brief von Michael Glos an seinen Parteichef Seehofer exklusiv vorlag, durfte er mit wohlwollender Berichterstattung durch das Massenblatt rechnen. Zurecht. Chefkolumnist Martin S. Lambeck „analysierte“, dass die Gründe für den angestrebten Rücktritt „ehrenhaft“ seien: „Glos, der in diesem Jahr 65 Jahre alt wird, will Platz machen für neue Politikergenerationen.“ Schade, dass der CSU-Mann gehen wolle, meint Lambeck sinngemäß in seiner „Analyse“ weiter, denn „mit Glos würde der vehementeste Kämpfer für Steuersenkungen die Regierung verlassen.“

Dank „BILD“ vom Saulus zum Paulus

So schnell wird bei „BILD“ aus einem lustlosen Minister ein „Kämpfer“. Wer mit den Springer-Leuten kooperiert, darf auf eine günstige Berichterstattung hoffen. Klaus Kleinfeld hat damit im Oktober 2006 beste Erfahrungen gemacht. Der bis dato von „BILD“ als „gieriger Raffke-Manager“ verschriene damalige Siemens-Chef, wurde innerhalb von zwei Wochen vom Saulus zum Paulus befördert. Zuvor hatte Kleinfeld über seinen Pressesprecher die „BILD“-Redaktion exklusiv darüber informieren lassen, dass er auf die seinerzeit in herber öffentlicher Kritik stehende 30-prozentige Gehaltserhöhung verzichten werde.

Nicht nur lustlose Minister und gestrauchelte Spitzenmanager sind gut beraten, sich rechtzeitig mit den „Bild“-Leuten ins Einvernehmen zu setzen, wenn sie nach privaten Eskapaden oder beruflichen Abstürzen nicht als „Verlierer“ auf der Titelseite des Blattes landen wollen. Schauspielerin Veronika „Vroni“ Ferres darf wieder „lachen“, weil sie „BILD“ rechtzeitig ihre „neue große Liebe“ anvertraute. Für Wirtschaftsminister Michael Glos hätte es indes wohl auch eine Alternative zur Kooperation mit den Springer-Leuten gegeben. „Wenn der Glos einfach gegangen wäre ohne was zu sagen, hätte das keiner gemerkt. Jetzt muss er erst mal sitzen bleiben“, meinte „Achim“ am Samstag süffisant in seinem Eintrag beim Mikro-Blogdienst „Twitter“.

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