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Die Deutsche Bahn fährt jetzt auf Schleichwerbung ab

Kaum ist die Aufregung um verdeckte PR-Aktivitäten etwas abgeklungen, startet der krisengeschüttelte Staatskonzern gemeinsam mit dem Radiovermarkter RMS eine neue dubiose Kampagne. Diesmal sollen Moderatoren und Hörer die „Vorteile der schnellen Verbindung Hamburg – Berlin erlebbar machen“.

Ausschnitt Homepage Radio Hamburg am 14.06.09, 17.30 Uhr

15. Juni 2009 | Die Werbebuchungen im Privatfunk laufen offenbar doch nicht so gut, wie führende Radiomanager zu Beginn des Jahres geglaubt hatten. Der größte Vermarkter Radio Marketing Service (RMS) verzeichnete nach eigenen Angaben im April einen Umsatzrückgang von 11,6% im Vergleich zum April des Vorjahres. Da passt es sich gut, dass die Deutsche Bahn auf die Wiedereröffnung ihrer „schnellen Verbindung“ zwischen Hamburg und Berlin aufmerksam machen will. Diesmal nicht durch „verdeckte PR“, sondern mit einer dreiwöchigen „Radiopromotion“ auf „Radio Hamburg“ und dem Berliner Sender „94,3 rs2“. Was unter „Radiopromotion“ in diesem Fall zu verstehen ist, hat RMS-Geschäftsführer Andreas Fuhlisch am Freitag in einer Pressemitteilung unter der Überschrift: „Deutsche Bahn fährt auf Radio ab“ verbreiten lassen:

So werden sämtliche Trailer im Senderdesign gestaltet. Darüber hinaus führen die bekannten Moderatoren während ihrer Shows durch das Gewinnspiel und sprechen mit den Gewinnanwärtern. Auch Werbebotschaften zu Angeboten der Deutschen Bahn werden mitkommuniziert. Weitere Informationen finden die Hörer auf den jeweiligen Sender-Websites, die über eine Verlinkung zur Website der Deutschen Bahn führen.

Radiomoderatoren sollen verkappte Werbebotschaften übermitteln Die Überschrift „Deutsche Bahn fährt auf Schleichwerbung ab“ wäre für die Ankündigung dieser Aktion sicherlich zutreffender gewesen, zumal RMS-Chef Fuhlisch in der Pressemitteilung sogar noch mit einem wörtlichen Zitat nachlegt: „Parallel stützt die Präsentation durch den bekannten Radiomoderator die Glaubwürdigkeit der Information enorm.“

Im Klartext: Moderatoren sollen ihre Namen für verkappte Werbebotschaften hergeben. Was sich die RMS-Leute da als „Promotion“ für die Deutsche Bahn ausgedacht haben, ist nicht nur eine Zumutung für gewissenhafte Radiomacher, sondern Anstiftung zur Schleichwerbung, zumindest gemessen an den Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrags. Dort ist unter Paragraf 2 „Begriffsbestimmungen“ nachzulesen:

Schleichwerbung die Erwähnung oder Darstellung von Waren, Dienstleistungen, Namen, Marken oder Tätigkeiten eines Herstellers von Waren oder eines Erbringers von Dienstleistungen in Programmen, wenn sie vom Veranstalter absichtlich zu Werbezwecken vorgesehen ist und die Allgemeinheit hinsichtlich des eigentlichen Zwecks dieser Erwähnung oder Darstellung irreführen kann. Eine Erwähnung oder Darstellung gilt insbesondere dann als zu Werbezwecken beabsichtigt, wenn sie gegen Entgelt oder eine ähnliche Gegenleistung erfolgt.

Kaum zu glauben, dass die beiden Radiosender kein Entgelt für ihren Einsatz ganz im Sinne der Deutschen Bahn erhalten. Skandalös ist indes, dass sich der krisengeschüttelte Staatskonzern nur wenige Wochen nach Enthüllung seiner „verdeckten PR-Kampagnen“ durch LobyControl und dem darauf folgenden breiten – verheerend negativen – Medienecho, erneut auf eine solch windige Aktion einlässt. Die Ära Mehdorn ist bei der Bahn Vergangenheit, die umstrittenen Praktiken in der Öffentlichkeitsarbeit wohl noch nicht.

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