Medien

Die Angst des Torwarts vor „Bild“

Wie das „Zentralorgan der Deutschen“ den 19jährigen Ersatzkeeper von Hertha BSC öffentlich „hinrichtete“.

5. Oktober 2009. Den 4. Oktober wird Sascha Burchert vermutlich nie vergessen. Im Bundesligaspiel gegen den Hamburger SV kassierte der zweite Ersatztorwart von Tabellenschlusslicht Hertha BSC innerhalb von nur 90 Sekunden zwei besonders kuriose Tore. Noch schlimmer kam es für den erst 19jährigen am Montagmorgen – da wurde er von „Bild“ auf der Titelseite öffentlich hingerichtet: „Herthas Torwart Trottel“.

Dabei war Sascha Burchert nur eingewechselt worden, weil Schlussmann Ochs wegen eines Muskelfaserrisses in der 33. Minute aus dem Spiel genommen werden musste. In den nächsten Minuten stürzte sich Burchert zwei mal dem HSV-Stürmer Marcus Berg entgegen und rettete zunächst außerhalb des „Sechzehners“ per Kopfball. Pech, weil Herthas Abwehrspieler offenbar pennten, landete der Ball beide Male vor den Füßen eines Hamburgers. Die beiden Routiniers Jarolim und Z Roberto machten aus den unfreiwilligen Vorlagen die Tore, die schließlich die 1:3-Niederlage der Berliner gegen den aktuellen Mit-Tabellenführer besiegelten.

Soweit – so schlecht. Ob Bucherts Rettungsversuche aus fußballerischer Sicht falsch, hilflos oder unglücklich waren, kann und will ich nicht beurteilen. Dass „Bild“ den jungen Mann am Montag auf der Titelseite als „Herthas Torwart Trottel“ verspottet und im (Un-) Sportteil in großen Lettern nachlegt: „Der Kopfball-Torwart-Trottel“, ist dermaßen erbärmlich, dass ich den beiden zuständigen „Bild“-Mitarbeitern Nahne Ingwersen und Kai-Uwe Hesse ihr Schmutzblatt am liebsten um die Ohren hauen würde. Das hat mit Journalismus überhaupt nichts zu tun – das ist die Verbreitung von Stammtischparolen auf unterstem Niveau zu Lasten eines 19jährigen, der sich selbst kaum wehren kann und dem möglicherweise auch niemand aus dem Verein beistehen wird.

Damit noch nicht genug. Um den jungen Mann im Tor der „alten Dame“ Hertha auch nachhaltig zu beschädigen, lassen Ingwersen und Hesse ihre „öffentliche Hinrichtung“ mit folgendem Hinweis enden: „Nach der Verletzung von Ochs muss der Kopfball-Torwart-Trottel wohl auch in den nächsten Spielen als Nr. 1 ran, weil auch Stammkeeper Drobny länger ausfällt.“ Die Angst des Torwarts vor „Bild“ wird wohl auch in den nächsten Wochen anhalten.

Top