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Der siegende Holländer

28. April 2010 | Louis van Gaal führte den FC Bayern gegen den erklärten Willen von „Bild“ ins Champions-League-Finale. Das Springer-Blatt hatte den Niederländer schon im vergangenen Oktober zum Abschuss freigegeben.

Nein, auf den Titel von „Bild“ schafft es Louis van Gaal wohl nicht mehr. Auch nach dem 3:0 Sieg des FC Bayern am Dienstagabend bei Olympique Lyon und dem damit verbundenen Einzug ins Finale der Champions League, muss sich der niederländische Trainer mit ein paar Nennungen im „Fließtext“ zufrieden geben – die Schlagzeile gehört diesmal dem dreifachen Bayern-Torschützen „Olic, wie ist das schön.“

Immerhin – für Louis van Gaal sprangen nach dem Sieg in Lyon zumindest einige anerkennende Sätze im Zentralorgan vieler Deutscher heraus:

  • Van Gaal schafft die Sensation, führt die Münchner in seinem ersten Jahr gleich ins Finale der Königsklasse, lässt den Klub weiter vom Triple (mit Meisterschaft und Pokalsieg) träumen. Das hat noch kein deutscher Verein geschafft.
  • Der Holländer ist ein echter Glücksfall für die Bayern! Schon 1995 holte van Gaal mit Ajax den Titel. Er hat Bayern das Mir-san-mir-Gef?hl zurück gegeben. Jetzt greift er mit ihnen wieder nach der Krone!

Allerdings – wäre es nach „Bild“ gegangen, hätten die Bayern das Champions-League-Finale vermutlich nicht erreicht und van Gaal könnte schon seit Monaten seinen vorgezogenen Ruhestand in Holland oder sonst wo genießen. Schließlich hatte das Springer-Blatt den Trainer spätestens am 23. Oktober des vergangenen Jahres mit der Schlagzeile „Fliegt van Gaal schneller als Klinsi?“ zum Abschuss freigegeben. Damals musste der FC Bayern eine 1:2 Schlappe in der Champions-League-Vorrunde gegen Girondins Bordeaux einstecken, wofür „Bild“ vor allem den „arroganten“ Holländer verantwortlich machte. „Van Gaal ist schlechter als Klinsi“, stellte „Bild“ seinerzeit fest.

Aus dem „fliegenden Holländer“ ist inzwischen längst ein „Glücksfall für die Bayern“? geworden, der allerdings vermeintlich exklusive Informationen wie seine Ambitionen auf das Amt des Deutschen Bundestrainers nicht zuerst dem Springer-Blatt, sondern bei anderen Gelegenheiten wie dem „Audi-Talk“ im „DSF“ offenbarte. Wer so wenig wie van Gaal mit den „Bild“-Leuten „kooperiert“, muss sich nicht darüber wundern, dass er wohl niemals als „siegender Holländer“ auf der Titelseite erscheinen wird.

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