Medien

Déjà-vu in Riga

Wie das ZDF in der aktuellen Berichterstattung über die Wirtschaftskrise in Lettland einen  Feuerwehrmann „recycelt“.

Girts Forands am 20. März 2009 in der 3sat-Börse und am 1. Juli 2009 im heute-Journal – Quelle: Screenshots zdf.de

2. Juli 2009 | Wenn die dramatische Wirtschaftskrise in Lettland noch einige Zeit andauert – und davon ist wohl auszugehen, könnte Girts Forands bald zu einem bekannten Mann im deutschen Fernsehen werden. Weil ZDF-Korrespondent Dietmar Barsig die Nöte der „einfachen Bevölkerung“ in dem baltischen Staat gern anhand von konkreten Einzelschicksalen schildert, „recycelte“ er einfach den Feuerwehrmann aus Riga für wiederholte Auftritte im ZDF sowie bei 3sat.

Am Mittwochabend war es wieder soweit. Barsig berichtete im „heute-Journal“ über die „Pleite“ des lettischen Staates und rückte dabei auch Girts Forands in seinem Einsatzwagen ins Bild: „Ich riskiere bei der Feuerwehr mein Leben und werde dafür schlechter bezahlt – das finde ich nicht angenehm.“ Für geübte Zuschauer muss das ein Déjà-vu gewesen sein. Genau dieselbe Szene mit derselben Aussage lief schon mehr als drei Monate zuvor, beispielsweise am 20. März in der „3sat-Börse“. Nur die Höhe der Lohnkürzung hat sich in diesem Zeitraum dramatisch verändert, zumindest nach Angaben des ZDF-Korrespondenten.

Im März berichtete Dietmar Barsig noch: „Um die Pleite abzuwenden, hat ihm die Regierung den Lohn gekürzt – um 15 Prozent.“ Im Beitrag am 1. Juli hieß es dann: „Dem Feuerwehrmann nehmen sie 35% vom Gehalt weg.“ Armer Feuerwehrmann. Wenn das so weitergeht, muss er wohl bald auf die Hälfte seines Gehaltes verzichten, so wie der Turnlehrer jetzt schon, den Barsig am Mittwochabend in seinem Zustandsbericht über Lettland ebenfalls zu Wort kommen ließ. Nur die Bilder und Originaltöne sollte der ZDF-Mann vor dem nächsten Auftritt von Girts Forands besser austauschen. Andernfalls wäre wohl die Kennzeichnung der Szenen mit „Archivaufnahme“ journalistisch korrekt.

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