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Das geht wohl doch nicht App

23. März 2010 | Zu große Erwartungen und zuviel Konkurrenz zum Nulltarif: Scheitert Springers „innovatives Experiment“ mit kostenpflichtigen Applikationen für das iPhone?

Mathias Döpfner erinnerte fast ein wenig an Apple-Chef Steve Jobs, so wie er am 8. Dezember des vergangenen Jahres im Berliner Springer-Hochhaus via Mini-Headset und mit sichtlichem Stolz die kostenpflichtigen iPhone-Applikationen für „Bild“ und „Die Welt“ vorstellte: „Ich glaube, dass es im Sinne der Nutzer ist, wenn wir zwei Refinanzierungsquellen haben. Zum einen Anzeigenerlöse und zum anderen auch das Geld, das die Lektüre unserer Nachrichten den Lesern wert ist.“ Das Branchenmagazin „Werben und Verkaufen“ war von diesem „Geschäftsmodell“ so angetan, dass die Redaktion Döpfner gleich im Januar zum „wichtigsten Medien-Manager 2010“ kürte, obwohl das Jahr noch gar nicht richtig angefangen hatte. „In Sachen Paid Content und Mobile Business ist er Vorreiter“, hieß es zur Begründung.

Immerhin waren in den ersten vier Wochen – nach Verlagsangaben – „mehr als 100.000“ iPhone-Besitzer bereit, 79 Cent für die „Bild-App“ bzw. 1,59 Euro für das neue mobile Angebot der „Welt“ zu zahlen. Die Applikation des Springer-Boulevard-Blatts war vorübergehend sogar Spitzenreiter unter den „meistgekauften“ Applikationen in „Apples App-Store“. „Das geht wirklich App!“, jubelte „Bild“ am 15. Januar und erkannte einen „Mega-Erfolg für die von Axel Springer initiierte Initiative mit kostenpflichtigen Angeboten für das iPhone und den iPod Touch.“

Die Euphorie schien grenzenlos und für den Vertriebspartner „Apple“ gab’s dazu auch noch reichlich redaktionelle Streicheleinheiten. Als Steve Jobs Ende Januar das „iPad“ vorstellte, schaffte es der „Tablet-Computer“ sogar auf die Titelseite von „Bild“. Es folgten gleich mehrere Huldigungen des „Apple“-Chefs und seiner Produkte: „Er hat die Welt süchtig gemacht. Seine ‚Droge‘? Der iPod, das iPhone. Und jetzt das iPad“, schwärmte das Blatt beispielsweise am 29. Januar.

„Innovative Experimente“ mit „Apples Wunderwaffen“

Inzwischen hat sich bei Springer die Euphorie im Hinblick auf die eigenen „innovativen Experimente“ (Mathias Döpfner im Konzern-Geschäftsbericht 2009) mit „Apples Wunderwaffen“ wieder gelegt. Bereits Mitte Januar hatte der Verlag mitgeteilt, dass die „Einstiegsangebote verlängert“ werden. Wie lange indes „Bild-“ und „Welt-App“ noch zu den günstigen Pauschalpreisen, die ursprünglich nur für einen Monat bei Neukunden angekündigt waren, von iPhone-Besitzern genutzt werden können, bleibt weiterhin offen.

Auf Nachfrage, ob es denn überhaupt schon Abonnenten der „Bild“-Applikation zum vollen Monatstarif in Höhe von 1,59 Euro bzw. 3,99 Euro (einschließlich PDF der nationalen Printausgabe) gäbe, konnte (oder wollte) die Springer-Pressestelle am Montag keine Auskunft geben. Wahrscheinlicher ist wohl, dass die gewonnenen „Probe-Abonnenten“ die „Bild-App“ bislang durchgehend zum Einstiegspreis von 79 Cent nutzen können. Zumindest zeigen das eigene Erfahrungen, die inzwischen von mehreren iPhone-Besitzern bestätigt wurden.

Das – längst nicht nur von Springer – erhoffte Geschäft mit Nachrichten auf mobilen Endgeräten gegen Entgeld scheint schon kurz nach dem Start ins Stocken geraten zu sein. Kein Wunder angesichts der schier unendlich großen Konkurrenz durch Gratisangebote, selbst aus dem eigenen Haus. Trotz anderslautender Ankündigungen zu Jahresbeginn, wird „Bild Mobil“ vorerst auch weiterhin auf dem iPhone kostenfrei abrufbar sein. Dabei handelt es sich um Auszüge der Internetplattform „Bild.de“, die speziell für die kleinen Displays der mobilen Endgeräte aufbereitet werden. Auch „Die Welt“ kann weiterhin als mobiles Angebot über den iPhone-Browser „Safari“ zum Nulltarif genutzt werden. Zwischenzeitliche Überlegungen, diese Angebote zu Gunsten der Applikationen für iPhones zu sperren, habe man „nach Hinweisen aus der Bloggerszene“ wieder fallen lassen, hieß es dazu in der Springer-Pressestelle.

„Attraktiver Mehrwert“ durch „exklusive Regionalnachrichten“

Dazu kommen zum Teil aufwendig gestaltete (noch) kostenlose Applikationen anderer Verlagshäuser und Medienkonzerne wie die der Wochenmagazine „Stern“ und „Focus“ oder die mobilen Variante von „Spiegel Online“. Und auch die kostenfreie „Tagesschau-App“ wird sich wohl nicht mehr verhindern lassen, trotz heftiger Verlegerproteste und obwohl „Bild“ die Pläne der ARD zum Jahreswechsel in großer Aufmachung wiederholt regelrecht skandalisierte: „Der Irrsinn mit unseren TV-Gebühren“ titelte das Blatt beispielsweise am 29. Dezember.

Derweil sucht Springer nach Alternativen zu Apple für den Vertrieb seiner mobilen Dienste. Anfang März kündigte Donata Hopfen, Geschäftsführerin von „Bild Digital“, „ab sofort“ weitere kostenpflichtige Angebote an: „Der neue Premium-Bereich auf BILDmobil bietet Abonnenten exklusive Nachrichten aus ihren Regionen und damit einen attraktiven Mehrwert.“ Die Abrechnung – so heißt es in einer Pressemitteilung weiter – „erfolgt einfach und sicher über den Mobilfunkanbieter“ – und nicht wie bei den Applikationen über Apples AppStore. Ob das wirklich ein Geschäftsmodell für die Zukunft ist, wird sich zeigen. Erfolgsmeldungen stehen bislang zumindest noch aus.

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