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Bruchlandung für die Tagesthemen

Wieder peinliche Panne bei den Tagesthemen: Als am Donnerstag in New York ein Passagierflugzeug auf dem Hudson River notlandete, waren Redaktion und Korrespondent offenbar völlig überfordert.

16. Januar 2009. „Zwischen Traumziel und Albtraum“ heißt es zu Beginn der Vorstellung des ARD-Studios New York bei „Tagesschau.de“. Für Thomas Roth war es am Donnerstagabend ganz bestimmt ein Albtraum. Seinen ersten Härtetest hat der neue Leiter der öffentlich-rechtlichen Außenstelle gründlich in den Sand – oder zutreffender formuliert – in den Hudson gesetzt.

Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow und Korrespondent Thomas Roth – Screenshot Tagesthemen, 15.01.09

Als Roth zu Beginn der ARD-Tagesthemen um 22.15 Uhr live über die Notlandung einer Passagiermaschine auf dem Hudson River berichten sollte, zeigte er sich weitgehend ahnungslos und stotterte unter anderem: „man kann im Moment noch nicht so recht unterscheiden, wer sozusagen die Helfer sind und ob das Flugzeug schon geöffnet worden ist.“ Das – so der vermeintliche Fachmann – sei „ein technisch nicht geringes Problem.“

Zumindest mutmaßte Roth wohl zu recht, dass das Wasser im Hudson „sehr kalt“ sei. Ziemlich sicher war sich Roth auch, dass es sich wohl nicht um einen „terroristischen Akt“ gehandelt habe. Die richtige Fluggesellschaft bekam einer der „angesehensten und bekanntesten Korrespondenten im deutschen Fernsehen“ allerdings nicht auf die Reihe: Statt „U.S. Airways“, erfand Roth kurzerhand die Linie „United Airways“ („United Airlines“ gibt es wirklich).

Statt die Spekulationen ihres New Yorker Korrespondenten ins Bild zu rücken, hätten die Redakteure in der Hamburger Tagesthemen-Zentrale wohl besser CNN verfolgen sollen. Dort war zu diesem Zeitpunkt längst Entwarnung gegeben worden: Die mehr als 150 Insassen des Airbus 320 seien unverletzt und in Sicherheit, lautete die „Breaking News“ des Nachrichtenkanals. Über Telefon berichtete ein Passagier aus einer Sammelstelle, wie er und seine Mitreisenden die Notlandung mit dem Airbus 320 auf dem Hudson erlebt – und überlebt hatten.

Notlandung auf dem Hudson – Twitpic von Janis Krums

Wohl eines der ersten Bilder von der notgelandeten Maschine wurde von dem aus Florida stammenden Janis Krums über den Twitter-Ableger „twitpic“ weit vor 22.00 Uhr mit folgendem Begleittext verbreitet: „There’s a plane in the Hudson. I’m on the ferry going to pick up the people. Crazy.“ Selbst Teile der deutschen Twitter-Szene waren den ARD-Nachrichtenleuten zeitlich weit voraus: „Passagiere verlassen sinkendes Flugzeug“ und „Passagiere über Notrutschen gerettet“, meldeten „HAZ.de“ bzw. „Weltkompakt“ in ihren Twitter-Ablegern, während Korrespondent Roth im „Ersten“ noch seine Ahnungslosigkeit inszenierte.

Entwarnung gab’s in den Tagesthemen erst um 22.31 Uhr. Da wurde Thomas Roth noch einmal aus New York live zugeschaltet und berichtete endlich, dass „alle Passagiere gerettet werden konnten.“ Für die Tagesthemen war die Notlandung auf dem Hudson dennoch eine Bruchlandung. Mal wieder.

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