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BILD will volle GEZ-Gebühren fürs Handy zahlen

8. Januar 2010 | Um die geplante „Tagesschau-App“ zu vehindern, veröffentlichte das Zentralorgan vieler Deutscher jetzt eine „Horrormeldung“ in eigener Sache.

Kennen Sie jemanden, der zwar kein Radio- oder Fernsehgerät besitzt, dafür allerdings ein internetfähiges Handy hat? Den/die sollten sie jetzt umgehend davor warnen, dass das unter Umständen, eventuell, möglicherweise und vielleicht ab 2013 ziemlich teuer werden könnte. Gefahr ist im Verzug. Schließlich fragt Bild.de heute „Muss ich für mein Handy bald volle GEZ-Gebühren zahlen?“ Vermutlich meinen die Bild-Leute damit „Rundfunkgebühren“.

Was so ziemlich absurd klingt, ist für „Bild.de“ eine reale „Horrormeldung für alle Computer- und Handynutzer!“Aus gutem Grund. Seit ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke kurz vor Weihnachten im Gespräch mit dpa eine kostenlose „Tagesschau-App“ für iPhones angekündigt hatte, schießen die Springer-Publikationen mit kräftiger Unterstützung von „Spiegel Online“ und anderen aus allen Rohren gegen den geplanten neuen Verbreitungsweg gebührenfinanzierter öffentlich-rechtlicher Inhalte. Schließlich hat Springer mit der Bild App erst vor einigen Wochen als erstes deutsches Medienunternehmen eine kostenpflichtige Applikation für Smartphones auf den Markt gebracht. Dafür hat das Fachmagazin „Werben und Verkaufen“ den Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner in der aktuellen Ausgabe zum „wichtigsten Macher der Kommunikationsbranche“ gekürt: „Bei Bild, Welt, Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost führte er jetzt Paid-Content-Modelle fürs Internet ein. Damit ist der Springer-Chef Vorreiter, wieder einmal“, heißt es zur Begründung für die merkwürdige Auszeichnung.

Das geplante ARD-Angebot k?nnte allerdings zu einer unliebsamen Konkurrenz für solche „Geschäftsmodelle“ werden – und die muss verhindert werden. Zum Beispiel mit einer Kampagne von Bild und Co. gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt. Bereits am 29. Dezember erschien das Zentralorgan vieler Deutscher mit der Schlagzeile „Der Irrsinn mit unseren TV-Gebühren“. Bemängelt wird darin vor allem das vermeintliche „Überangebot“ an Fernseh- und Hörfunkkanälen, die angeblich keiner braucht. Doch darum gehe es den Verlagen im Grunde nicht, stellte Thomas Lückerath, Chefredakteur des Mediendienstes „DWDL“, in einem am gleichen Tag veröffentlichten Kommentar zutreffend fest. „Weil es sie im Grunde überhaupt nicht interessiert, was die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren Gebührengeldern machen und wie sie sie erhalten – solange sie nicht kostenlose Programme für das iPhone anbieten.“

Springer und andere Verlage interessiert wohl auch nicht, ob mobile Empfangsgeräte irgendwann einmal mit dem vollen Gebührensatz belegt werden, wenn nicht ohnehin schon Rundfunkgeräte angemeldet sind. Es geht allein um die Verhinderung unliebsamer Konkurrenz – mit allen Mitteln. Diesmal mit einer „Horrormeldung“ in eigener Sache.

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