Medien

„Bild“ hat tatsächlich England geschlagen

28. Juni 2010 | Wer konnte an unserer Fußball-Nationalmannschaft jemals zweifeln? Schließlich hatte das „Zentralorgan“ den Sieg in der „WM-Schlacht“ gegen England vorausgesagt.

Sonntagnachmittag feierte nicht nur die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit dem 4:1 gegen England einen ihrer größten Erfolge der letzten Jahre – auch in der „Bild“-Redaktion dürfte man endlich wieder einmal Grund zur Freude haben: Nach herben Auflageverlusten, weitgehend ausgebliebener Schweinegrippe und dem Totalausfall der vom Springer-Blatt herbei geschriebenen Schwarz-Gelben-Wunschkoalition, trat endlich mal wieder eine Prognose des „Zentralorgans“ ein. „England, wir schlagen euch“, hatte sich „Bild“ am Freitag in riesigen Lettern bereits festgelegt. Jogis Jungs haben’s in die Tat umgesetzt, auch wenn sie sich nicht akkurat an das vorgegebene Drehbuch des Blattes hielten.

Weil Rooney nichts trifft! – Stimmt, Wayne Rooney, der Superstar von Manchester United, hat in einem WM-Spiel noch nie ein Tor geschossen, auch am Sonntag gegen Deutschland nicht. „Hat der überhaupt mitgespielt?“, fragte lästernd ein Kommentator der BBC.

Weil Ihr über den Ball jammert! – Nun ja, über den Ball hat in den britischen Onlinemedien – soweit erkennbar – eigentlich niemand gejammert, zumindest nach der Niederlage nicht. Thema Nummer 1 war dagegen das vermeintliche 2:2 in der 39. Minute, das von Linienrichter Mauricio Espinosa (Uruguay) übersehen wurde. „Ich bin sicher, dass uns Frank Lamberts Lampards Tor noch zum Sieg geführt hätte“, meinte der frühere britische Nationalspieler Rio Ferdinand im Onlineableger der britischen „Sun“. In Deutschland wurde das vermeintliche Geschenk dagegen dankbar angenommen: „In Baku (Aserbaidschan) gibt es zu Ehren des Linienrichters von Wembley ein Tofik-Bakhramov-Stadion. Ich schlage vor, das Nationalstadion von Montevideo in Mauricio-Espinosa-Stadion umzubenennen“, meinte ein Nutzer im „Fußball-Forum“ auf der ZDF-Website.

Weil wir Elfmeterschießen immer gewinnen! – Haben „wir“ bekanntermaßen diesmal gar nicht gebraucht. Aber „wir“ merken uns das schon mal vor für das Viertelfinale gegen Argentinien vor.

Weil wir einen Torwart haben! – „Manuel Neuer: Hatte seine besten Aktionen im Offensivspiel. Leitete das 1:0 von Klose durch einen weiten Abschlag ein“, schreibt die Augsburger Allgemeine in der Einzelkritik. Schwamm drüber, dass der Schalker bei der Flanke vor dem 2:1 daneben griff und bei einem Latten-Kracher von Frank Lambert so tat, als wenn er überhaupt nicht mitspielt.

Weil wir Özil haben! – „Wirkte nicht zum ersten Mal oft melancholisch am Ball, verlor ihn daher auch gelegentlich oder brachte ihn nicht zum Mitspieler“, heißt es in der Spielerkritik bei „Zeit-Online“. Allerdings – sein langer Sprint zur Vorbereitung des 4:1 durch Thomas Müller war schon klasse.

Und was war eigentlich mit dem zweifachen Torschützen Thomas Müller? Den Jungstar vom FC Bayern hatte das „Zentralorgan“ bei der Prognose für die „WM-Schlacht“ einfach übersehen, genau wie dessen Mannschaftskollegen Sebastian Schweinsteiger. Macht nichts – schließlich hat „Bild“ trotzdem England geschlagen.

Top