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Bauers Höhenflug im britischen Radio vorerst gestoppt

Zuerst platzte die geplante Übernahme einer Senderkette – jetzt stehen Entlassungen bei britischen Stationen des Hamburger Großverlags an.

27. Mai 2009.| In Deutschland ist Bauer eher ein Zwerg im Radiogeschäft. Als einzige Beteiligung hält der Großverlag 25 Prozent an „Radio Hamburg“, dem Marktführer in der Hansestadt. Verschiedene frühere Bemühungen um Lizenzen oder weitere Beteiligungen scheiterten unter anderem in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

In Großbritannien ist die Bauer Media Group dagegen inzwischen zweitgrößter privater Hörfunkanbieter. Insgesamt besitzt der Konzern dort 38 Programme, die über UKW, Digital, per  Satellit und im Internet verbreitet werden. Im ersten Quartal dieses Jahres erreichten die in der Bauer Radio Group zusammengefassten Sender 12,4 Millionen Hörer in der Woche und damit einen Marktanteil von über 25 Prozent unter den kommerziellen Anbietern in Großbritannien.

Das selbst unter deutschen Hörfunkexperten kaum bekannte Radio-Imperium des Hamburger Großverlags auf den britischen Inseln entstand durch die Übernahme eines Pakets aus Publikumszeitschriften wie „FHM“, „Grazia“ und „Yours“ sowie 38 Radiostationen vom britischen Medienkonzern „EMAP“ für rund 1,6 Milliarden Euro im Januar 2008. Zu der Senderkette gehören die Londoner Stationen „Magic 105.4“ und „Kiss 100“, das „Big City Network“ mit Lokalsendern in Liverpool, Leeds und Newcastle sowie schottische UKW-Stationen in Glasgow, Edinburgh und Dundee. Zudem werden mehrere Programme landesweit digital verbreitet.

Dabei kann der bislang kaum hörfunkerfahrene Medienkonzern durchaus beachtliche Erfolge vorweisen. Im ersten Quartal dieses Jahres gewannen die Bauer-Programme nach den Ergebnissen der Radio Joint Audience Research Limited (vergleichbar mit der MA-Radio in Deutschland) fast eine halbe Million Hörer dazu. In britischen Fachmedien wird Bauer bereits ehrfurchtsvoll als „German media giant“ bezeichnet, weil das Unternehmen nach der „EMAP“-Übernahme auch zum größten Zeitschriftenverlag in Großbritannien avanciert ist.

Senderübernahme geplatzt

In der vergangenen Woche wurde Bauers bisheriger Höhenflug auf dem britischen Radiomarkt allerdings vorerst gestoppt. Nach einem Bericht des Guardian hatten Bauer Manager monatelang mit „Globalradio“ über die Übernahme von fünf lukrativen Lokalstationen in Mittelengland – zeitweise sogar exklusiv – verhandelt. Den Zuschlag erhielt schließlich der britische Radiomanager Phil Riley, der die Lloyds TSB Banking Group als Kapitalgeber und Anteilseigner ins Boot holen konnte.

Doch nicht nur die verpasste Senderübernahme belastet zurzeit Bauers Radio-Engagement in Großbritannien. Inzwischen hat die nahezu europaweite Werbekrise auch den britischen Hörfunkmarkt erreicht. Bauers kommerzielle Radios, die ähnlich wie deutsche Privatsender ganz überwiegend aus Werbeeinnahmen finanziert werden, müssen Personal abbauen, um nicht in die Verlustzone zu geraten. Bei den landesweit verbreiteten Digitalstationen „Heat“ und „Q-Radio“ wurden nach Erkenntnissen des Guardian bereits 15 Mitarbeiter entlassen. Weiterer Personalabbau droht jetzt vor allem bei den Stationen des „Big City Networks“ im Norden Englands.

Gegenüber blogmedien bestätigte ein Sprecher in der Hamburger Konzernzentrale grundsätzlich die Pläne für weitere Personalfreistellungen. Nach seinen Angaben werden davon vor allem die Marketingabteilungen – und weniger die Programmbereiche – der Sender betroffen sein. ?ber den Umfang der anstehenden Entlassungen wollte man allerdings weder am Hamburger Stammsitz noch in der Londoner Dependance nähere Angaben machen. Gegenüber dem Guardian verwies ein Sprecher der Bauer Media UK auf teilweise bereits laufende Gespräche mit den Belegschaften der betroffenen Stationen: „Bevor diese Verhandlungen nicht abgeschlossen sind, geben wir keinen Kommentar mehr dazu ab.

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