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Barbara und der Mainzelmann

24. Oktober 2015 | Das ZDF als PR-Schleuder: Wie die Entertainerin Barbara Schöneberger in der Sendung „Volle Kanne“ völlig ungehindert Werbung für das nach ihr benannte Magazin „Barbara“ machen konnte. Als „Schleichwerbung“ kann das wirklich nicht mehr bezeichnet werden: Das war offene Werbung, allerdings außerhalb der öffentlich-rechtlichen Reklameblöcke | Bildmaterial Titel: obs/ZDF/ZDF/ Stefan Menne| obs/Gruner+Jahr, BARBARA

Bevor der Kollege Volker Lilienthal, inzwischen Professor für Qualitätsjournalismus an der Universität Hamburg, im Sommer 2005 die TV-Produktionsfirma Bavaria der systematischen Schleichwerbung überführen konnte, musste der damalige Redakteur von epd-medien drei Jahre lang intensiv recherchieren sowie sich sage und schreibe mehr als 500 Folgen der 2011 eingestellten ARD-Seifenoper Marienhof ansehen. Nachdem ich im Januar 2007 die ZDF-Moderatorin Andrea Kiewel beim dreistsen  Schleichwerben für die Weight Watchers in der damaligen Talkshow von Johannes B. Kerner ertappt hatte, dauerte es noch ein Jahr, bevor die Mainzelmänner „Kiwi“ vorübergehend an die Luft setzten.

Bei Barbara Schöneberger ist das alles unkomplizierter: Es gibt keinen Grund sie zu „feuern“ (wer sollte das auch tun?) und „Schleichen“ ist nicht die Art, wie sich Deutschlands populärste Quasselstrippe gewöhnlich fortbewegt. Stattdessen tritt sie verbal fest auf, was ihr reichlich Sympathien bei Fernsehzuschauern und Besuchern von Galaveranstaltungen einbringt. Und sie macht auch keine Schleichwerbung – sondern sie wirbt ganz offen, auch außerhalb der dafür vorgesehenen Reklameblöcke. Zurzeit tut sie das für  „Barbara“, ein nach ihr benanntes Magazin, das am 15. Oktober zum ersten Mal an die Kioske kam. Wenige Tage später durfte sich die leibhaftige Barbara für ihre gedruckte Ausgabe mächtig ins Zeug legen. Kostenlose Werbezeit wurde ihr dafür vom beitragsfinanzierten ZDF in der Sendung „Volle Kanne“ am vergangenen Dienstag (20. Oktober) bereitwillig zur Verfügung gestellt.

Barbara Schöneberger | Bild: Horst Müller
Barbara Schöneberger | Bild: Horst Müller

In dem vom ZDF als „Informationssendung“ geführten Magazin, das werktäglich zwischen 09.05 und 10.30 Uhr ausgestrahlt wird, können die vorwiegend betagten Zuschauer zum Beispiel Berlin als „Hauptstadt der Wildtiere“ samt 5.000 frei lebenden Wildschweinen und 1.800 Füchsen bestaunen. Kultkoch Armin Roßmeier (fast so gut wie seine Kopie in „Switch Reloaded“) erklärt, wie „Hähnchenfrikassee mit Risi e Bisi “ und andere Dinge „raffiniert kombiniert“ werden. Zudem werden regelmäßig Soko-Kommissare aus den Vorabend-Krimis der Mainzer zum Interview ins „Volle Kanne“-Studio „abkommandiert“. Bei dem Sendungstitel sind journalistische Glanzleistungen kaum zu erwarten, auch nicht von Moderator Ingo Nommsen. Der übernahm am vergangenen Dienstag denn auch die Rolle des nahezu perfekten Stichwortgebers für die Schöneberger und deren verbalen Feldzug zugunsten von „Barbara“.

Schon zehn Sekunden nachdem die Blondine samt Erstausgabe „ihres“ Magazins ins Bild gerückt wurde, begann die Werbegala. In herrlich verbal unkontrollierten Sätzen erfuhren die Zuschauer, dass Frau Schöneberger zwar nicht die ganze Zeitschrift alleine macht; dafür schreibt sie „immer den Opener fürs ‚Living‘, das Editorial und auch eine kleine Sex-Geschichte und viele andere Dinge“. Deswegen wurde die Namensgeberin der von Gruner + Jahr herausgegebenen Postille auch gleich zum Editor at Large ernannt. Im Impressum des 204 Seiten dicken ersten Heftes wird sie noch vor Chefredakteurin Brigitte Huber an erster Stelle aufgeführt. Wer für das verunglückte Cover der ersten Ausgabe verantwortlich zeichnet, verriet sie allerdings nicht.

Bild: obs/Gruner+Jahr, BARBARA
Bild: obs/Gruner+Jahr, BARBARA

Minutenlang durfte Barbara Schöneberger völlig ungezügelt von sich und ihrem Magazin schwärmen. Wenn zwischendurch das Gespräch doch mal auf andere Dinge abglitt, wie das schlechte Gewissen gegenüber ihrer Familie wegen der häufigen berufsbedingten Abwesenheiten oder ihrer Abneigung gegenüber Fitness und anderen sportlichen Betätigungen, sorgte Mainzelmann Nommsen gemeinsam mit der Bildregie bereitwillig dafür, dass die gedruckte „Barbara“ wieder in den Mittelpunkt gerückt wurde: „Wie oft kommt jetzt eigentlich diese Barbara, als Zeitschrift meine ich?“ Auch das wusste Frau Editor at Large umfassend zu beantworten: „Barbara kommt zehn mal im Jahr. Also im Prinzip jeden Monat.  Zweimal machen wir eine sechswöchige Pause bis die nächste erscheint. Die nächste erscheint am 3. Dezember und dass ist dann sozusagen schon ein Dezember-Heft.“ Wer hätte das gedacht?

Immerhin – für 3,80 Euro bietet „Barbara“ aus Sicht seiner Namensgeberin so einiges, was ein „normales Frauenmagazin“ wohl nicht bieten kann: „Ich erzähle ab und zu mal ’nen Schwank aus meinem Leben oder ’ne lustige Geschichte oder ich mache mir mal zum Thema Gedanken“. In einer der nächsten Ausgaben könnte dann die „lustige Geschichte“ nachzulesen sein, wie die Autorin gegen Ende ihres Werbeauftritts bei „Volle Kanne“ Moderator Nommsen und eine Quiz-Kandidatin am Telefon vollends überrumpelte: „Wir schicken dir einfach mein Heft. Wir schicken das Heft und dann viel Spaß damit.“ Dazu hielt sie ihre „Barbara“ in die Kamera und verabschiedete sich in Richtung Köln zur Aufzeichnung der – verunglückten RTL-Show – „Die Zwei“ mit Thomas Gottschalk und Günther Jauch. Und danach? „Mache ich ein bisschen Promotion für mein Heft, diese Woche noch“, ließ sie Mainzelmann Nommsen und die ZDF-Zuschauer noch wissen.

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