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Bankrotterklärung des Doktorvaters

1. März 2011 | Jura-Professor Peter Häberle, der die zusammengeklaubte Doktorarbeit des Karl Theodor zu Guttenberg mit der Bestnote auszeichnete, drückt sich vor der Verantwortung.

Zu Recht wurden die Schummeleien des Karl Theodor zu Guttenberg bei seiner zusammengeklaubten Doktorarbeit mannigfach thematisiert und kritisiert. Zu Unrecht wurden bislang dagegen die Verantwortlichen von Kritik verschont, die diese Schummeleien mit der wissenschaftlichen Bestnote summa cum laude auszeichneten, allen voran zu Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle.

Der „hochangesehene Staatsrechtler“ (Kommentar von BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb in den „Tagesthemen“ am 16. Februar) meldete sich am Montag mit einer vom „Tagesspiegel“ veröffentlichten Erklärung zu Guttenbergs Doktorarbeit öffentlich zu Wort: „Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel“, schwadronierte Häberle unter anderem und kommt zum Schluss, dass „die Aberkennung des Doktortitels die notwendige Folge“ gewesen sei.

Wie geht das? Zunächst belobigte der Jura-Professor seinen damaligen Doktoranden mit der Bestnote um ihn vier Jahre später mit derselben Arbeit durchfallen zu lassen? Erklärt hat Häberle den pötzlichen Sinneswandel in seiner vermeintlichen „Erklärung“ zumindest nicht. Stattdessen wiederholt er sinngemäß seine schleierhaften Ausführungen, die er bereits kurz nach der Entdeckung der adeligen Mauscheleien über „Bild“ verbreitet hatte: „Ich habe den Werdegang seiner Arbeit, wie bei all meinen Doktoranden ohne jede äußere Beeinflussung nach besten Kräften betreut.“

Und was heißt das im Klartext? War es etwa so – wie Dirk Matten, Professor an der York University in Toronto, in einem Gastbeitrag bei „Spiegel Online“ vermutet, „dass seine Gutachter die Arbeit nicht wirklich gelesen haben“? Von der Hand zu weisen ist diese Vermutung zumindest nicht. Wie ist es schließlich anders zu erklären, dass Häberle und Co. bei Prüfung der guttenbergschen Kopierarbeit die Stilbrüche in den Textpassagen nicht bemerkten und auch keine der klammheimlich genutzten Quellen erkannten? Die waren – beginnend mit der teilweise aus der „FAZ“ übernommenen Einleitung – schließlich reichlich vorhanden.

Beantwortet hat Häberle diese – und weitere Fragen in seiner „Erklärung“ vom Montag – jedenfalls nicht. Damit drückt sich der hoch dekorierte Akademiker nur vor der Verantwortung für die von ihm zu Unrecht erteilte Bestnote. Seine Ausführungen sind nichts anderes als eine Bankrotterklärung des Doktorvaters – und kein weiterer Grund für zu Guttenberg als Verteidigungsminister zurückzutreten. Die gibt’s schon zur Genüge.