Medien

„Auf den Hundt gekommen“

Weil über die berufliche Vergangenheit von Karl-Theodor zu Guttenberg kaum etwas bekannt ist, bastelten deutsche Leitmedien eigene Biografien für den neuen Bundeswirtschaftsminister zusammen. Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ ging erfolgreich auf „Entenjagd“.

12. Februar 2009. Wenn Journalisten – häufig unter Zeitdruck – ihre Artikel schreiben, greifen sie schon mal auf Wikipedia als Recherchequelle zurück. Im Zusammenhang mit den Vornamen des neuen Bundeswirtschaftsministers ging das in dieser Woche gründlich schief, weil ein vermeintlicher Spaßvogel im Eintrag über Guttenberg einen falschen „Wilhelm“ den neun richtigen Vornamen (Karl-Theodor als ein Vorname gezählt) hinzugefügt hatte. Aber auch als zuverlässig angesehene Quellen wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) lassen schon mal „Enten fliegen“, wenn gründliche Recherche mit allzu großem Zeitdruck kollidiert.

Wie das NDR-Medienmagazin „Zapp“ in seiner Ausgabe am 11. Februar enthüllte, hatte dpa mangels fundierter Kenntnisse über die berufliche Vergangenheit des neuen Bundeswirtschaftsministers am Dienstag kurzerhand vermeldet, dass zu Guttenberg ehemals Geschäftsführer der „von Guttenberg GmbH“ gewesen sei. Eine „Ente“, die von vielen Medien übernommen wurde, wie die „Zapp“-Redakteure nachwiesen. Auf der Website des Großhandelsunternehmens für Baustoffe und Isoliertechnik in Ascheim bei München fand sich zeitweise dieser Hinweis:

„Aufgrund nicht zutreffender Informationen (u. a. FOCUS, Tagesspiegel, Spiegel, Wikipedia u. a. basierend auf einer dpa-Mitteilung) werde das Unternehmen mit dem neuen Bundeswirtschaftsminister „in Verbindung gebracht. Hiermit informieren wir Sie darüber, dass es sich hierbei um Fehlinformationen handelt.“

Medien, die die „dpa-Ente“ nicht übernahmen, bastelten irgendwie eigene Biografien zusammen. So wie die „Tagesthemen“ am Montagabend. In einem Hintergrundbeitrag zum neuen Bundeswirtschaftsminister hieß es da:

„Guttenberg, seit 2002 Bundestagsabgeordneter, sammelte seine wirtschaftlichen Erfahrungen vor seiner Politkarriere als Geschäftsführender Gesellschafter im eigenen Beteiligungsunternehmen. Jetzt soll er die gesamte deutsche Wirtschaft retten.“

Immerhin konnte Redakteur Christoph Arnowski in seinem weitgehend inhaltsfreien Beitrag eine Aussage von Dieter Hundt vorweisen. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände begrüßte die Ernennung von Guttenbergs zum Minister und sagte den ARD-Aktuell-Leuten ins Mikrofon:

„Ich bin überzeugt, dass Herr zu Guttenberg die Interessen der Wirtschaft und insbesondere auch des Mittelstands, aus dem er ja selbst kommt, nachhaltig vertreten wird.“

Auf „den Hundt gekommen“ sind im Falle zu Guttenberg indes nahezu viele so genannte Leitmedien. Wie „Zapp“ per Anfrage über die Auskunftei „Creditreform“ herausfand „trat Karl-Theodor zu Guttenberg in der Münchener Guttenberg GmbH in Erscheinung. Sie hatte ‚ca. drei Beschäftigte‘, hatte den Unternehmenszweck ‚Verwaltung eigenen Vermögens‘ und wurde 2004 aufgelöst.“ Im Eintrag des Abgeordneten „Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, CDU/CSU“ auf der Internetplattform des Deutschen Bundestags liest sich die berufliche Vita des neuen Wirtschaftsministers dagegen deutlich weltmännischer:

„Leitung des Familienbetriebes in München und Berlin, berufliche Stationen in Frankfurt und New York. Geschäftsführender Gesellschafter der Guttenberg GmbH, München. U. a. Freier Journalist bei der Tageszeitung DIE WELT.“

Vielleicht findet „Zapp“ bis zur nächsten Sendung auch noch heraus, welche „beruflichen Stationen“ zu Guttenberg „in Frankfurt und New York“ genau durchlaufen hat. Interessant wär’s allemal, schließlich soll aus Sicht der „Tagesthemen“ der neue Mann in Merkels Kabinett „die gesamte deutsche Wirtschaft retten.“

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