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At „The End“: 16,5 Millionen Dollar für den Tod einer dreifachen Mutter

Ein kalifornisches Gericht hat den Radiosender „KDND-FM“ aus Sacramento zu umgerechnet 11,2 Millionen Euro Schadensersatz verurteilt, weil eine 28jährige nach der Teilnahme an einem Wettbewerb der Popstation gestorben war.

31. Oktober 2009. Der Radiosender „KDND-FM“ in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento ist unter dem Namen „The End“ bekannt, weil er am Ende der UKW-Skala auf der Frequenz 107,9 zu hören ist. Der Programmname hat seit dem Januar 2007 eine schreckliche zweite Bedeutung: Nach einem absurden und unverantwortlichen Wasserwetttrinken, das in der „Morning Rave“ Sendung veranstaltet wurde, starb damals Jennifer Lea Strange. Die dreifache Mutter wollte für ihre Kinder eine Nintendo-Spielkonsole „Wii“ im Wert von seinerzeit rund 250 US-Dollar gewinnen.

Nachdem die 28jährige über mehrere Stunden insgesamt etwa sieben Liter Wasser getrunken hatte, gab sie auf und erhielt als zweiten Preis Eintrittskarten für ein Konzert des US-Popstars Justin Timberlake. Wenige Stunden später wurde die Leiche der Frau in ihrem Haus gefunden. Ein Arzt diagnostizierte eine Form von Wasservergiftung als Todesursache. Dabei gerät der Elektrolythaushalt durcheinander, weil zu wenig Natrium im Körper vorhanden ist.

Jennifer Strange starb nur deshalb, weil sie an einem unverantwortlichen Radiospiel teilgenommen hatte. Unmittelbar nach bekannt werden des Todesfalls hatte im Januar 2007 der US-weit bekannte Anwalt Roger Dreyer die Vertretung der Familie der Verstorbenen übernommen. Statt der ursprünglichen Forderung in Höhe von 34 Millionen Dollar, sprach die Jury eines Gerichts im Bezirk Sacramento am Donnerstag dieser Woche der Familie lediglich einen Schadensersatz in Höhe von 16,5 Millionen Dollar zu. Dennoch geht Anwalt Dreyer nach einem Bericht von KCRA.com davon aus, dass „keine Radiostation so etwas noch einmal machen werde“.

Discjockeys lästerten – Warnungen wurden ignoriert

Das Management des Senders und die beteiligten damaligen Mitarbeiter haben indes keine strafrechtlichen Konsequenzen zu erwarten, obwohl Mitschnitte der Frühsendung vom 12. Januar 2007 zumindest eine Mitschuld der beteiligten Radiomacher nahelegen. In Originalaufnahmen, die seinerzeit auf der Website der Tageszeitung „Sacramento Bee“ veröffentlicht wurden sind, warnt unter anderem ein Anrufer, dass die Aktion lebensgefährlich sei. „Oh ja, das ist uns klar“, antwortet einer der Moderatoren und ein weiterer fügt hinzu: „Die haben dafür unterschrieben, wir sind nicht verantwortlich, wir sind okay.“

Auch das spätere Todesopfer ist auf dem Mitschnitt zu hören: „Die wollen mir hier immer wieder erzählen, dass es das Wasser ist. Das macht mir Kopfschmerzen und mir wird übel“. Wenig später gab Jennifer Strange auf und akzeptierte die Timberlake-Karten. „Oh meine Güte, schaut euch diesen Bauch an“, ist dann noch einer der Discjockeys lästernd zu hören.

Die unmittelbar beteiligten drei Moderatoren und sieben weitere Mitarbeiter von „KDND-FM“ wurden im Januar 2007 fristlos entlassen. Zudem hatte das Sheriff-Büro von Sacramento zunächst Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen, diese jedoch bald wieder eingestellt. Gründe für diese Entscheidung wurden nicht bekannt. So bleiben am Ende 16,5 Millionen Dollar Schadensersatz für den Tod von Jennifer Strange, einer dreifachen Mutter, die für ihre Kinder eine Spielkonsole bei einem Radiowettbewerb gewinnen wollte.

Dieser Beitrag entstand auf Hinweis von Udo Seiwert-Fauti

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