Medien

Angriff per E-Mail

Wie Stern.de über die Piratenattacke auf das Kreuzfahrtschiff „MS Melody“ berichtet.

26. April 2009. Eigentlich schade, dass die diesjährigen Pulitzer Preise für herausragende journalistische Leistungen schon vergeben sind. Stern.de hätte sonst mit dem Beitrag „Schüsse nach dem Konzert“ vermutlich ganz gute Chancen auf eine Nominierung, zumindest in der Kategorie „Fiction“.

In dem Online-Artikel geht es um die Piratenattacke am Samstagabend auf das Kreuzfahrtschiff „MS Melody“ im Indischen Ozean. Da auch einige deutsche Passagiere an Bord sind, ändert Stern.de kurzerhand die internationale Registrierung. Aus dem unter panamesischer Flagge fahrenden Schiff der italienischen Mediterranean Shipping Company (MSC) wird „das deutsch-italienische Kreuzfahrtschiff ‚MS Melody'“. Und weil Konkurrent Spiegel Online mal wieder schneller war, dazu auch noch exklusive Informationen von einem deutschen Passagier an Bord hat, philosophiert Stern.de lieber über den wahren Sinn von Kreuzfahrten. Das liest sich inklusive Rechtschreibfehler so:

Schließlich sind diejenigen, die sich eine kostspielige Seereeise auf den Weltmeeren gönnen, in der Regel mehr an Erholung, gemütlichem Bordleben und geführten Landgängen interessiert, als in den entlegensten Gebieten der Welt unter Waffengewalt Land und Leute näher kennenzulernen.

Höhepunkt des journalistischen Vorzeigestücks ist dann die von Stern.de eigenwillig interpretierte Schilderung des Piratenüberfalls:

Der Passagier Rolf R. berichtete „Spiegel Online“ nach dem Angriff per E-Mail, er habe rund 50 Schüsse gehört, und dann eine Durchsage des Kapitäns.

Ende gut – alles gut. Zum Glück konnten bewaffnete Sicherheitskräfte den „Angriff per E-Mail“ abwehren, „unter anderem mit dem Einsatz von Feuerlöschern.“

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