Medien

Andrea und die Leitmedien

20. Dezember 2007 | Vor elf Monaten machte Moderatorin Kiewel beim Kollegen „Kerner“ hemmungslos Schleichwerbung für die Weight Watchers. Jetzt haben auch Spiegel Online, FAZ und Co. die Geschichte für sich entdeckt.

Manchmal dauert es halt etwas länger, bis deutsche Leitmedien sich dem Thema „Schleichwerbung“ mit ganzer Hingabe widmen. So im Fall der Andrea Kiewel. Die „ZDF-Fernsehgarten“-Moderatorin hatte bei „Kerner“ am 23. Januar dieses Jahres so häufig die Weight Watchers gelobt und konkurrierende Abspeckprogramme niedergemacht, dass nicht nur Zuschauer der Plauderrunde stutzten. Selbst Johannes B. Kerner wurde misstrauisch angesichts des verbalen Großeinsatzes der ZDF-Kollegin: „Moment, Moment. Ich hake einmal ein. Weil jetzt hast du es vier- oder fünfmal gesagt. Jetzt kommen die ersten sicherlich auf den Gedanken – Moment, die hat doch einen Werbevertrag, die ist doch von denen bezahlt. Nur, dass wir das mal geklärt haben. Du bist da normal Mitglied, du zahlst alles selbst, keine Vergünstigungen.“ Andrea Kiewel antwortete postwendend: „Jede Woche, die ich mich auf die Waage stelle, muss ich bezahlen. Keine Werbeverträge, natürlich nicht.“

Blödsinn – blogmedienTV wies bereits in der Ausgabe vom 28. Januar 2007 nach, dass die zeitweise sichtbar übergewichtige Fernsehfrau Kiewel keinesfalls eine gewöhnliche Kundin des internationalen Abspeckkonzerns war: „In den vergangenen Jahren war sie wiederholt für das Unternehmen im Einsatz. Am 26. Januar 2004 präsentierte sie in Hamburg die Weight Watchers Gala ‚Celebrate Yourself‘. Ein Jahr später – am 1. Februar 2005 – moderierte sie für das Unternehmen eine Diskussionsrunde. Thema: ‚Wie besiege ich den berühmten inneren Schweinehund?‘ Zeitnah zu ihrem Auftritt bei Kerner verbreitete die Pressestelle von Weight Watchers jetzt ein Interview mit Andrea Kiewel in dem sie unverhohlen für die Aktion Power Start wirbt.“

Das war nur peinlich, meinte zumindest das – vom Verfasser sehr geschätzte – Medienmagazin DWDL. Nach Rücksprache mit ZDF-Sprecher Peter Bogenschütz gelangte der Internetdienst am 31. Januar 2007 zu der Erkenntnis: „Sicherlich ist das kein neuer Fall von Schleichwerbung?“. Also kein Grund zur Panik. Die Kollegen bei den Leitmedien waren offenbar gleicher Meinung. Auf den Medienseiten von Spiegel, FAZ und Co. erschien kein Wort über die offensichtliche Schleichwerberei im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Was ist schon dabei, wenn eine aus Gebühren honorierte Moderatorin Kerner und vor allem die Zuschauer rotzfrech belügt?

Nun gibt’s doch noch einen Skandal, weil Spiegel Online das so will. Der Meinungsführer im deutschsprachigen Internet hat genau wie die Süddeutsche und DWDL ein Papier zugespielt bekommen, in dem Kiewels Schleichwerberei vertraglich fixiert ist: „Gelingt es Andrea Kiewel, das Thema ‚Power Start‘ und ihre Abnahme mit dem Weight-Watchers-Konzept ausführlich in einem besonders erwünschten Format zu plazieren, wird ein Sonderhonorar vereinbart.“

Dabei hatten doch alle geglaubt, dass Frau Kiewel die Weight Watcher nur vor lauter Begeisterung über verlorene Speckrollen nachhaltig bei Kerner ins Gespräch brachte, dazu gleich auch noch Galas und Diskussionsrunden für den Abspeckverein zum Nulltarif moderierte. Das wäre tatsächlich keine Schleichwerbung gewesen.

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