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Gleich auf NICK: Money Express

Private TV-Anbieter können inzwischen offenbar senden, was sie wollen. Im Kinderprogramm NICK läuft jede Nacht die Call-In-Show “Money Express” – mit dem Segen der zuständigen Medienwächter

07-06-19-nick2.jpg19. Juni 2007. Die Macher von NICK scheinen wirklich ein Herz für ihre kleinen Zuschauer zu haben. Zumindest erhält man diesen Eindruck auf der Internetseite des privaten Kinderkanals aus dem Hause MTV: “NICK zaubert keine lieblos produzierte Unterhaltungsware für Kids aus dem Hut, sondern bietet ein selektives Programm aus dem Besten, was internationales Kinderfernsehen zu bieten hat.” Mama und Papa dürfen den Spaß für ihre Kleinen gleich mitfinanzieren – durch fleißiges Anrufen bei der Call-In-Show “Money Express”.

Zu den Stars bei NICK gehören Comic-Figuren wie “Danny Phantom”, “Jimmy Neutron” und vor allem “SpongeBob – der Schwammkopf”. Diese – nach eigener Darstellung des Senders – “verantwortungsvollen Inhalte, die faszinieren, aber auch ein hohes Niveau und vielerorts einen gewissen Bildungsanspruch erfüllen”, laufen 21 Stunden am Tag auf dem Kindersender. Nur zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens müssen die putzigen Figuren den Bildschirm räumen, damit Mama und Papa zur Finanzierung des “neuen guten Freundes” ihrer Kinder einen angemessenen Beitrag leisten können. Die Zahlungsmodalitäten sind denkbar einfach: Jeder Anruf während der Call-In-Show “Money Express”, die von der klagefreudigen Endemol-Tochterfirma “Callactive” produziert wird, kostet 50 Cent. Wie viel davon beim Sender hängen bleibt und warum der “Kinderfeund” NICK überhaupt solche Abzockersendungen ausstrahlt, ist nicht bekannt. Mehrere telefonische Anfragen bei der Pressestelle waren erfolglos.

Der Jugendschutz greift nicht

Dafür gab Thomas Voss bereitwillig Auskunft. Er ist Bereichsleiter Programm bei der erst kürzlich fusionierten Landesmedienanstalt von Hamburg und Schleswig-Holstein, die sich abgekürzt MA-HSH nennt, was nicht mit “Mash” (Brei) verwechselt werden sollte. Bei MA-HSH sei man zwar über die Programmkonstellation nicht besonders glücklich, sagt der Medienwächter. Allerdings habe man auch keine Handhabe, weil zwischen 23.00 und 06.00 Uhr der Jugendschutz nicht greife. Außerdem, so Voss, würde in dieser Zeit durch ein verändertes Logo und den Hinweis “Teilnahme ab 18 Jahre” deutlich gemacht, dass in diesem Zeitraum kein Kinderprogramm ausgestrahlt werde. 07-06-19-nick.jpgIn der Programmübersicht auf der Website des Senders wird die Call-In-Show allerdings eindeutig als NICK-Sendung ausgewiesen (Screenshot Nick.de) und zusätzlich mit rotierenden Bannern auffällig beworben: “Gleich auf NICK: Money Express” (siehe Bild oben).

Dabei wirken die Quizfragen in der Call-In-Show durchaus kindisch: “5 Ochsen geben in 5 Minuten 5 Liter Milch. Wie viel Milch geben dann 10 Ochsen in 10 Minuten?” Hilft nichts. Schlafgestörte Kids dürfen erst wieder um 03.05 Uhr zuschauen, wenn bei NICK die “Gnoufs” unsere Erde entdecken. Das sind “Ballon-ähnlicher Gestalten, die eigentlich aus dem All stammen, es auf der Erde aber viel spannender finden”, heißt es in der Beschreibung zur Sendung. Ähnlichkeiten mit dem “Money Express” sind tatsächlich kaum erkennbar.