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Menschen machen Fehler

blogmedien-Nachlese für die Woche vom 28. Mai bis 3. Juni 2007 mit Michel Friedmann im Glashaus +++ einer moderaten Bedarfsanmeldung +++ zielgruppengerechter Werbung im ZDF +++ gebührenfinanzierter Singlebörse bei 1LIVE

3. Juni 2007. Radlfahrer (hochdeutsch: Fahrradfahrer), die das für Geld tun, werden auf der Straße umjubelt, so wie “Heuler” Erik Zabel während der Bayern-Rundfahrt in dieser Woche – oder sie werden kräftig beschimpft. 07-06-03-friedmann.jpgFür Watch Berlin hat sich Michel Friedmann ins Glashaus gestellt und kräftig mit Steinen geworfen: “Es widert mich an. Erik Zabel und Aldag, der Sportdirektor von T-Mobile, sie machen weiter, als wäre nichts geschehen. Es widert mich an. Jan Ulrich schweigt, schweigt und schweigt….” Der Auftritt wirkt durchaus überzeugend, schließlich verfügt der Moralapostel über einschlägige Erfahrungen in Sachen Drogen, Schweigen und Weitermachen.

Als Friedmann vor vier Jahren bei Ermittlungen wegen Menschenhandels im Rotlichtmilieu in das Blickfeld der Staatsanwaltschaft geriet, war er zunächst untergetaucht. Auf einer Pressekonferenz bat er dann – Zabel gleich – um Verständnis: “Menschen machen Fehler, Menschen irren sich. Auch ich habe Fehler gemacht, auch ich habe mich geirrt.” Zabel, Aldag und Co. wohl ebenso. (Danke an Mario Fürderer für den Hinweis)

Seit damals steht Friedmann – soweit bekannt – nicht mehr auf den Honorarlisten der öffentlich-rechtlichen Sender. Was allerdings nicht bedeutet, dass der Finanzbedarf der Anstalten seitdem geringer geworden wäre. Nachdem die ARD für die nächste Gebührenrunde schon mal 95 Cent mehr angekündigt hatte, ließ am Freitag ZDF-Intendant Markus Schächter seine “moderate Bedarfsanmeldung” verbreiten: Ab 2009 brauchen die Mainzelmänner angeblich 44 Cent mehr, um ihrem öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftrag mit Kerner, Kiwi & Co. weiterhin nachkommen zu können. Weil zudem das Deutschlandradio 4,5 Cent mehr fordert, sollen Deutsche Fernsehzuschauer nach den Vorstellungen der Anstaltsleitungen künftig 1,44 mehr löhnen, also 18,47 Euro im Monat.

Dazu wird es wohl nicht kommen, beruhigt zumindest der Mediendienst DWDL. Die Gebührenkommission KEF hatte beim letzten Mal die überzogenen Forderungen schon mal um 40 Prozent gekürzt. Und vielleicht zücken ja auch die Landesfürsten am Ende der kommenden Gebührenrunde erneut ihre Rotstifte. Die Ministerpräsidenten der Länder hatten vor Inkrafttreten der aktuellen Rundfunkgebühren im Jahr 2005 sogar den KEF-Vorschlag noch einmal um 20 Cent reduziert, weswegen die Anstalten vor das Verfassungsgericht zogen. Die Erfolgsaussichten der Anstalten sind aus Sicht der meisten Beobachter allerdings eher gering.

Der Gebührenwunsch aus Mainz wurde am selben Tag publik an dem bekannt wurde, dass das ZDF inzwischen nahezu unter Ausschluss jüngerer Zuschauer sendet. Mit einem Marktanteil von 5,7% bei den 14-49jährigen liegen die Mainzelmänner noch hinter privaten Winzlingen wie RTL II und VOX – und auf dem selben Niveau wie Kabel 1. Kein Wunder, dass in den ZDF-Werbeblöcken am Vorabend fast jeder Spot mit dem Hinweis endet: “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.” So was nennt man wohl zielgruppengerechte Werbung.

Das “Erste” kommt übrigens auch nur auf einen Marktanteil von 7,6% in der so genannten “werberelevanten Zielgruppe” und die Hörer der WDR-Jugendwelle 1LIVE sind im Durchschnitt weit über 30 Jahre alt. Wer da noch als Single durch die Welt läuft, bekommt leicht Torschlusspanik. Deswegen wurde auf der 1 LIVE-Website wohl auch eine gebührenfinanzierte Single-Börse eingerichtet. “Läuft die auch unter Grundversorgung?’‘, fragt Andreas Szabo zu recht in seinem MW-Blog.