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Entschuldigung im Warenkorb

Für 50 Cent gibt’s bei Spiegel Online seit zwei Jahren Aufklärung über ein eigenes Plagiat

18. Mai 2007. Dass man aus schon fast vergessen geglaubten Patzern auch noch Geld rausschlagen kann, beweist Spiegel Online. Im März 2005 machte ein Artikel über den Völkermord in Ruanda in der Bloggerszene die Runde, den Spiegel Online am 24. Februar 2005 als eigenen Hintergrundbericht veröffentlicht hatte. Peinlich war’s schon als beispielsweise DonAlphonso in seinem Blog notierte: “Der Eigenanteil am Beitrag besteht also in den ersten vier Absätzen ausschließlich in einer leichten Umgestaltung des Wikipedia-Textes. Dabei hat er auch eine deutliche Komma-Unsauberkeit übernommen, die dann auch noch die Endkontrolle übersehen hat.”

Nachdem Spiegel Online den Beitrag zunächst stillschweigend zurückgezogen hatte, entdeckte Medienrauschen am 8. März 2005 “eine Entschuldigung an die ‘Macher und Autoren’ der Wikipedia”. Ganz umsonst soll diese “Entschuldigung” allerdings nicht sein: sie kostet 50 Cent, so viel wie ein Anruf beim Abzock-Sender 9Live. 07-05-18-spon-warenkorb.jpgIrrtum ausgeschlossen. Bereits am 13. Juni 2005 hatte RecentChanges die Spiegel-Leute auf den vermeintlichen Patzer ganz freundlich aufmerksam gemacht: “Sicher keine Absicht von Spiegel Online…” Die “Entschuldigung” blieb dennoch weiterhin unbeirrt im “Warenkorb”, zumindest bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags. Hier gibt’s die “Entschuldigung” zum Nulltarif

TEXT ZUM VÖLKERMORD IN RUANDA

Bedauerlicher Fehler bei SPIEGEL ONLINE

An dieser Stelle stand ein Text, der so nicht auf SPIEGEL ONLINE hätte erscheinen dürfen. Er erläuterte die Hintergründe zum Völkermord in Ruanda und bestand in wesentlichen Teilen aus Passagen, die wörtlich dem Online-Lexikon Wikipedia entnommen wurden, ohne die Quelle zu nennen.

Selbstverständlich handelt es sich dabei um einen klaren Verstoß gegen die redaktionellen Richtlinien von SPIEGEL ONLINE. Dort, wo in Texten Informationen aus fremden Quellen verwendet werden, muss dies immer kenntlich gemacht werden.

Die Chefredaktion von SPIEGEL ONLINE bedauert diesen Vorgang und entschuldigt sich ausdrücklich bei den Machern und Autoren von Wikipedia für die fehlende Zitation.

…und dankt hoffentlich demnächst blogmedien für diesen freundlichen Hinweis.