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Jetzt fliegt er wieder

Johannes B. Kerner strahlt wieder auf Werbeplakaten der Fluggesellschaft Air Berlin und der Chef des Deutschen Journalisten Verbandes ist stinksauer

07-03-22-kerner-air-berlin.jpg22. März 2007. “Die klassische People-Talkshow, die es mal gegeben hat, funktioniert heute nicht mehr”, verriet Johannes B. Kerner in einem Interview dem Medienmagazin DWDL. Künftig wolle er verstärkt auf “Nutzwert” in seiner ZDF-Plauderrunde setzen. Er selbst hat längst reichlich “Nutzwert” aus seinem Schaffen für die Mainzelmänner gezogen. Trotz massiver Kritik für seinen “werbalen” Einsatz beim nicht ganz so geglückten Börsengang von Air Berlin vor einem Jahr, strahlt der TV-Tausendsassa jetzt wieder von den Plakaten der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. (Bild: Air Berlin PLC & Co Luftverkehrs KG)

Freundschaft rostet nicht, besonders die zwischen Johannes B. Kerner und Joachim Hunold nicht. Der ist Chef der Fluglinie Air Berlin wurde im November 2005 in der ZDF-Plauderrunde vom Talkmaster als vorbildlicher Unternehmer präsentiert. Das kam gut an – vor allem bei Hunold, der Kerner mit einem Werbevertrag unter anderem für den Börsengang seiner Fluglinie im Mai 2006 anheuerte. Obwohl der ZDF-Star wochenlang von Plakaten in ganz Deutschland strahlte und in Werbespots die Air-Berlin-Aktie wärmstens empfahl, verlief der Börsengang mehr als holprig. Weil Analysten und Aktienschützer Bedenken wegen hoher Risiken äußerten und auch in der Presse wiederholt vor der “Kerner-Aktie” gewarnt wurde, musste der Börsengang verschoben und der Ausgabekurs schließlich gesenkt werden.

Kerners Bauchlandung

Auch für Kerner selbst wurde der Einsatz für seinen “Freund” Joachim Hunold zur Bauchlandung, nicht nur, weil er sich Hohn und Spott vor allem in Medienkolumnen gefallen lassen musste. Bei der Verlängerung seines Vertrags bis zum Jahr 2009 wurde festgeschrieben, dass der umtriebige Moderator seine einträglichen Nebengeschäfte künftig von den ZDF-Oberen genehmigen lassen muss.

Umso mehr könnte man erstaunt darüber sein, dass sich Kerner jetzt erneut auf Werbefeldzug für Air Berlin befindet. Die Mainzelmänner haben nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau damit offenbar keine Probleme: ‘Die PR-Aktivität des Moderators sei Teil des Alt-Vertrages mit dem Fluganbieter, und Programmdirektor Thomas Bellut habe das gebilligt’, zitiert FR-Online den ZDF-Sprecher Alexander Stock. Kein Wunder – das ZDF kooperiert gerade bestens mit dem Billigflieger. Zur Außenproduktion von “Wetten, dass” am 23. Juni soll Air Berlin rund 2.000 Gottschalk-Fans nach Mallorca fliegen. Die Mainzelmänner rühren seit geraumer Zeit kräftig die Werbetrommel für die Aktion mit Spots im Fernsehen und direkten Links von der “Wetten, dass”-Seite im Internet zur Fluggesellschaft.

Ganz so locker wie die ZDF-Oberen sieht Michael Konken nicht erneuten Werbeeinsatz für Air Berlin indes nicht. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) forderte ein totales Werbeverbot für prominente Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Kanäle: “Die gebührenfinanzierten Sender müssen die notwendige Trennung von Werbung und Journalismus besonders sensibel praktizieren.” Sauer ist Konken auf die ZDF-Verantwortlichen, weil die Kerners Werbeauftritte erneut nicht beanstandet hätten: “Hier fehlt offenbar das nötige Fingerspitzengefühl.”