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„Einmal Rampensau, immer Rampensau“

Radio-Legende Rik de Lisle heuerte beim sächsischen Privatsender „R.SA“ an

07-03-20-rikdelisle.jpg20. März 2007. Es gibt nicht allzu viel Radiomacher in Deutschland, die auf der Straße erkannt – und sogar um Autogramme gebeten werden. Zu den wenigen Stars im Äther gehört bis heute Rik de Lisle (Bild Radioszene), obwohl er lange Zeit selbst kaum noch zu hören war. Rund zehn Jahre lang hatte der „Alte Ami“ als Europa-Chef des amerikanischen Radio-Consultants Alan Burns & Associates Stationen zwischen Kiel und München mit guten Ratschlägen versorgt. Seit Montag ist der inzwischen 60jährige beim sächsischen Sender R.SA wieder am Mikrofon.

Eigentlich sind „Böttcher & Fischer“ die Stars bei R.SA. Auch wenn sie nicht selbst senden, läuft rund um die Uhr etwa alle 10 Minuten ein Spot mit den vermeintlich lustigsten Sprüchen aus der Morgensendung. Seit Montag müssen die beiden Frühmoderatoren auf einen noch Größeren am Mikrofon verweisen: Rik de Lisle legt beim sächsischen Privatsender nachmittags „geile Arschwackelmusik“ auf. Das sei eine „Sensation“ frohlockten die beiden Radiomacher am Dienstagmorgen. Immerhin – der „Alte Ami“ gehört seit Mitte der 80er Jahre, als er die Frühsendung bei RIAS 2 in Berlin präsentierte, zu den bekanntesten Stimmen im deutschen Hörfunk.

…dann muss der “Alte Ami” ran

Inzwischen hat Rik de Lisle fast 40 Jahre lang beruflich mit dem Radio zu tun. In den 70er Jahren war er beim US-Soldatensender AFN als Discjockey, Musik- und Nachrichtenchef an verschiedenen Standorten im Einsatz. Nach seiner RIAS-Zeit sendete er weiter in seinem berlinerisch-amerikanischem Sprachenmix für RTL-Berlin und rs.2, den privaten RIAS-Nachfolger, wo er auch Programmdirektor war. Seit 1997 krempelte er als Europachef des amerikanischen Radioberatungsunternehmens Alan Burns & Associates deutsche Privatradios um. „Wenn der Sender nicht mehr weiter kann, muss der ‚Alte Ami’ ran“, war seinerzeit ein verbreiteter Spruch in der Radiobranche.

Tatsächlich galt Rik de Lisle bei vielen Radiomanagern und Gesellschaftern von Sendern zeitweise als Garant für die Steigerung von Hörerzahlen. Nach ersten Erfolgen, beispielsweise bei Radio Schleswig-Holstein, rissen sich Privatsender bald um den „Alten Ami“ und zahlten bereitwillig horrende Honorare für dessen gute Ratschläge. Unter seiner Regie wurden journalistische Beiträge in den Programmen vielfach durch Gewinnaktionen und fröhlich plappernde Moderatoren ersetzt. Als jedoch die Quoten der so reformierten Programme sanken, war auch der vermeintliche Radioguru nicht mehr gefragt. Von ehedem einem Dutzend deutscher Stationen sind heute nur noch wenige auf der Referenzliste des Radio-Consultants Alan Burns im Internet zu finden.

Ans Mikrofon ging de Lisle erstmals wieder vor drei Jahren beim öffentlich-rechtlichen „88acht“ in Berlin, wo er Samstagsabends Oldies auflegte. „Einmal Rampensau, immer Rampensau“, begründete er jetzt in einem Interview mit dem Internetportal Radioszene sein neues Engagement für das sächsische Privatradio R.SA. Vermutlich wäre es für die Qualität des Radios in Deutschland besser gewesen, wenn Rik de Lisle immer „Rampensau“ geblieben wäre.