2. April 2010 | Richard Gut­jahr hat für einige Tage den Platz vor der Kamera im Nach­rich­ten­stu­dio des Baye­ri­schen Rund­funks mit der zur­zeit berühm­tes­ten “Line” der Welt getauscht. Vor dem Apple Flag Store in New York war­tet der TV-Moderator auf den Ver­kaufs­start des “iPad” am Sams­tag und lässt die Deut­schen unter ande­rem per Livestream daran teilhaben.

Bevor Richard Gut­jahr in Rich­tung New York star­tete, hatte er noch freund­lich bei Radio-Kollegen ange­fragt, ob sie Inter­esse an Berich­ten aus der Schlange vor dem Apple Flag Store hät­ten. Die Radio­leute wink­ten dan­kend ab. Gut­jahr flog trotz­dem und kann sich inzwi­schen vor Medi­en­an­fra­gen nicht mehr ret­ten. Ob “Sueddeutsche.de”, die Münch­ner “Abend­zei­tung”, meh­rere Regio­nal­zei­tun­gen und Radio­sen­der — alle wol­len am Sams­tag mög­lichst exklu­sive Bei­träge von dem Mann in der Schlange ver­öf­fent­li­chen. Sogar der “Stern” hat inzwi­schen bei Richard Gut­jahr zwecks Bericht­er­stat­tung angefragt.

Schließ­lich geht es um den wahr­schein­lich medi­en­wirk­sams­ten Ver­kaufs­start in der Geschichte der Kon­sum­gü­ter­in­dus­trie. Sel­ten zuvor wurde über die Ein­füh­rung eines neuen Pro­dukts so umfas­send — und nahezu auch ein­hel­lig begeis­tert — berich­tet, wie über das? “iPad” von Apple. Längst haben die gro­ßen US-TV-Networks ihre Über­tra­gungs­wa­gen vor dem berühm­tes­ten Laden des Apfel-Imperiums an der 5th Ave­nue in Man­hat­tan pos­tiert. Spä­tes­tens seit Frei­tag gehört das “Tablet” zu den Top-Themen ame­ri­ka­ni­scher Zeitungen.

Einige Jour­na­lis­ten, wie David Pogue von der “New York Times”, beka­men das “iPad” schon vor dem offi­zi­el­len Ver­kaufs­be­ginn und ver­öf­fent­lich­ten inzwi­schen Rezen­sio­nen. Pogue, der wegen sei­ner bis­lang über­wie­gend posi­ti­ven Kri­ti­ken für die Apfel-Produkte als eine Art “Apple-Guru” gilt, äußerte sich dies­mal aller­dings zurück­hal­tend: Es sei eigent­lich ein gro­ßes “iPhone”, das vor allem beim Ein­satz der neuen Appli­ka­tio­nen seine Stär­ken habe. Als Schreib­ge­rät, als Ersatz für ein Note– oder Net­book, sei das “iPad” dage­gen wenig geeig­net, beschied er in sei­ner Kolumne. Gleich­zei­tig ver­öf­fent­lichte David Pogue auf der Web­site der “New York Times” ein Video, das “Apple” pro­blem­los als eige­nen Wer­be­spot ein­set­zen könnte. Die Art, wie der Jour­na­list darin das “iPad” vor­stellt, erin­nert zumin­dest stark an die Wer­be­filme der Apfel-Firma.

“Es war Liebe auf den ers­ten Klick”

Zurück zu Richard Gut­jahr. Der macht über­haupt erst kei­nen Hehl dar­aus, dass er seit sei­ner Kind­heit ein gro­ßer Apple-Anhänger ist: “Als ich elf Jahre alt war, hat sich mein Vater einen Mac­in­tosh gekauft. Einen Com­pu­ter, den man kom­plett mit einer Maus steu­erte; es war Liebe auf den ers­ten Klick.” Die Fas­zi­na­tion für neue Apple-Produkte war auch einer der Gründe dafür, warum sich der Mode­ra­tor des “Nacht­ma­ga­zins” im Baye­ri­schen Fern­se­hen einige Tage frei nahm, um sich ab Frei­tag 24 Stun­den lang bis zum Ver­kaufs­start in die War­te­schlange vor dem New Yor­ker Apple Flag Store einzureihen.

Richard Gut­jahr ist nach eige­nen Anga­ben aber auch des­we­gen nach New York geflo­gen, weil er schon lange vor­hatte, im eige­nen “Gutjahr’s Blog” und unter Zuhil­fe­nahme von Platt­for­men wie “YouTube”, “Flickr”, “Face­book” oder “Twit­ter” mul­ti­me­dial über ein Ereig­nis zu berich­ten: “Ein Thema wie das ‘iPad’ bie­tet sich für so etwas gera­dezu an. Es gibt eine Unmenge von Tech– und Medi­en­blog­gern, die sich in die­sen Tagen Gedan­ken über diese neue Ent­wick­lung machen. Wenn ich mit mei­nen Inter­views, Videos oder Fotos aus New York zur Dis­kus­sion bei­tra­gen könnte, würde mich das freuen.”

Das Haupt­ziel sei­ner Mis­sion bezeich­net Gut­jahr aller­dings als “weni­ger altru­is­tisch”: “Ich betreibe hier Trai­ning. Ich glaube fest daran, dass Geräte wie das ‘iPad’ nicht nur die Tech­nik oder irgend­wel­che Ver­triebs­mo­delle ver­än­dern, son­dern auch den Jour­na­lis­mus.” Gut­jahr will des­we­gen mit sei­nem Ein­satz in der War­te­schlange aus­pro­bie­ren, “wie Soziale Netz­werke dabei hel­fen kön­nen, um das zu tun, was wir Jour­na­lis­ten immer getan haben: recher­chie­ren, fil­tern, und Geschich­ten erzählen.”

Zum Bei­spiel die Geschichte vom Ver­kaufs­start des “iPad” am Sams­tag, 15.00 Uhr, deut­scher Zeit. Dann will Richard Gut­jahr per Livestream dabei sein, wenn sich die Türen des Apple Flag Store öff­nen. Als Höhe­punkt sei­ner Bericht­er­stat­tung plant er, erste Bil­der vom eige­nen Tablet-Computer live zu ver­sen­den. Schließ­lich ist der erklärte Apple-Fan auch nach New York geflo­gen, um das eigene “iPad” per­sön­lich in Emp­fang zu nehmen.