Bizarre Berichte
Am Montag ist der nächste Versuch von “Bild” gescheitert, die Berichterstattungshoheit im Fall Kachelmann zurückzuerobern.
19. Juli 2010. Mit ein wenig Fantasie kann man sich ausmalen, was gestern am Sonntag bei “Bild” möglicherweise abgelaufen ist. Nach der erneuten Schlappe in Sachen Kachelmann am Wochenende – siehe blogmedien, 18. Juli 2010, dürfte in der Redaktion eine Stimmung zwischen Resignation und Wutausbrüchen geherrscht haben. Schließlich hat das “Zentralorgan” die Berichterstattungshoheit im Fall des in Untersuchungshaft einsitzenden Wettermoderators Jörg Kachelmann längst an “Spiegel”, “Focus” und gar an kleinere Konkurrenzblätter wie dem “Express” verloren. “Bild” berichtet häufig über das, was andere – teilweise exklusiv - schon vorher veröffentlicht hatten.
Inzwischen schwinden die Chancen, dass “Bild” bis zum Prozessbeginn gegen Jörg Kachelmann am 6. September die mediale Federführung noch zurückerobern könnte. Der nächste Versuch an diesem Montag verlief zumindest ebenso kläglich, wie die bisherigen Bemühungen von BP das Bohrloch im Golf von Mexiko dichtzumachen. “Neue pikante Details” verspricht das Blatt seinen Lesern in gewohnt großen Lettern auf der Titelseite und verheißt weiter “Es geht um bizarre Sexpraktiken”. Die “Bild”-Leute beziehen ihren Aufmacher allerdings auf ein Gutachten, über das beispielsweise “Focus Online” schon am 3. Juli berichtet hatte:
- “Greuel (Anmerkung: Name der Gutachterin) geht in ihrem Gutachten davon aus, dass Kachelmann seine Partnerin in der 11-jährigen Beziehung an ein Verhältnis von Beherrschen und Unterwerfung aktiv herangeführt hat. Seit 2009 habe die damalige Lebensgefährtin ihr Verhalten gänzlich auf die antizipierte Bedürfnisstruktur Kachelmanns ausgerichtet.”
16 Tage später ist das für “Bild” – noch immer eine vermeintlich sensationelle Neuigkeit. In der Montagsausgabe schreibt das Blatt:
- “Jetzt kommt heraus, welche Vorlieben der Wetter-Moderator wirklich hatte. Kachelmann und seine Ex-Freundin (37), die ihn wegen Vergewaltigung anzeigte, bevorzugten laut Gutachten bizarre Sex-Praktiken.”
In dem bizarren Bericht bemüht “Bild” dann noch “Ermittlungsakten”, die der Redaktion nach eigenen Angaben vorliegen: “Es geht um bizarre Spiele mit Schlägen, es geht um Fessel-Sex, Handschellen und Peitschen.” In etwa, wie sich “Bild”-Leser solche Praktiken vorstellen könnten…
Autor Horst Müller, wenn im Titel nicht anders angegeben. Archiviert unter PRINT.




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