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In Bayern darf jetzt laut gelacht werden

25. Januar 2006. Jahrzehntelang galt Kritik an Landesfürsten in Bayern als Majestätsbeleidigung. Spätestens seit Edmund Stoiber bei der Regierungsbildung im vergangenen Herbst auf dem Berliner Parkett böse ausrutschte, ist sogar öffentlich verbreitete Häme selbst im Freistaat erlaubt. Zurzeit sorgt „Stoibers Transrapid“ für viel Gelächter.

Seit Jahresbeginn hat Bayerns Ministerpräsident Stoiber bundesweit ungeahnte Popularität erlangt – als unfreiwillige Comedy-Figur. Nachdem er am 4. Januar im Internet „dieses lustige Sprachungetüm aus dem Munde Edmund Stoibers“ publiziert habe, sei er von Anfragen geradezu überhäuft worden, berichtet der Düsseldorfer Journalist Mario Sixtus in seinem Weblog: „Angerufen haben mich bislang die Redaktionen von Fakt (MDR), Panorama (NDR), Frontal 21 (ZDF), Nachtjournal (RTL), ein halbes Dutzend Radiosender, sowie etliche Tageszeitungen und Stadtmagazine.“

Eigenwillige Stammeleien

06-01-25-Stoiber-TransrapidTatsächlich kann man den eigenwilligen Stammeleien des bayerischen Ministerpräsidenten, die inzwischen als „Stoibers Transrapid“ die Runde machen, gekonnte Komik kaum absprechen, wie schon ein Auszug erkennen lässt: „Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München mit zehn Minuten ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen am am Hauptbahnhof in München, starten Sie ihren Flug – zehn Minuten schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an..“

Dabei ist das, was in den letzten Tagen von Radiostationen bundesweit in den Morgensendungen ausgestrahlt – und vom „Spiegel“ gar im Wortlaut abgedruckt wurde, keinesfalls neu. Das Münchener „Radio Charivari“ reklamiert auf der eigenen Internetseite für sich, Stoibers verbale Attacken bereits vor vier Jahren während des Neujahrsempfangs der CSU in der bayerischen Metropole aufgenommen zu haben. Gesendet wurden die Stottereien des Ministerpräsidenten seinerzeit freilich nicht.
“Da wären ganz bestimmt Köpfe gerollt”

Wie auch? Damals – im Bundestagswahlkampfjahr 2002 – waren die meisten heimischen Medien in Bayern noch strikt auf Stoiber-Kurs. „Wenn wir das seinerzeit gesendet hätten, wäre uns das Lachen schnell vergangen. Da wären ganz bestimmt Köpfe gerollt“, mutmaßt ein ehemaliger Charivari-Mitarbeiter, wohl nicht zu unrecht. Immerhin ist der Münchner Zeitungsverlag mit 38% einflussreichster Gesellschafter des Lokalsenders. Verleger Dirk Ippen, der in Bayern unter anderem die Regionalzeitung „Münchner Merkur“ und das Boulevardblatt „tz“ herausgibt, hielt der CSU und deren Vorsitzenden Edmund Stoiber stets die Stange. Lästereien über die verbalen Ausfälle des damaligen Kanzlerkandidaten – wie sein legendärer Auftritt bei Sabine Christiansen, als er die Fernsehmoderatorin mit „Frau Merkel“ ansprach – waren für die Ippen-Blätter tabu.
Stimmungswandel nach Stoibers Debakel in Berlin

Die Stimmung hat sich spätestens nach Stoibers Debakel bei den Koalitionsverhandlungen im vergangenen Herbst merklich gewandelt. Selbst Parteigänger warfen dem CSU-Vorsitzenden vor, dass er sich vor der Regierungsverantwortung in Berlin gedrückt habe. Kritiker trauten sich in der Folge immer häufiger aus der Deckung. Auch Ippen ist inzwischen offensichtlich merklich auf Distanz zum strauchelnden Landesfürsten gegangen. Immerhin berichtete die „tz“ als eine der ersten Tageszeitungen über Stoibers vier Jahre alten Transrapid-Ausraster. „Radio Charivari“ in München wirbt sogar inzwischen mit dem unfreiwilligen Comedy-Helden: „Nur bei uns die vollen drei Minuten, die volle Wahrheit ungekürzt!“

Mag sein, dass der Ministerpräsident jetzt ähnliche Pläne verfolgt wie Parteifreund Peter Ramsauer. Nach einem Bericht des Mediendienstes „Trüffeljäger“ hat sich der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag eine seiner Verbalattacken sogar beim Münchner Marken- und Patentamt gegen eine Gebühr von 300 Euro schützen lassen: „Die Landschaft ist ein Geschenk des Himmels, der Rest ist harte Arbeit“. In Bayern darf jetzt häufiger laut gelacht werden.