28. Novem­ber 2016 | Hunde– und Hah­nen­kämpfe sind zwar grau­sam — aber kei­nes­falls neu. Ger­rit Groß­maas von Radio Bochum hat im “Ruhr­pott” eine fast noch ekel­haf­tere Form von ille­ga­len Wett­ver­an­stal­tun­gen ent­deckt: Bei den so genann­ten “Bug­fights” wer­den ver­schie­dene Spin­nen– und Insek­ten­ar­ten auf­ein­an­der los­ge­las­sen. Für seine außer­ge­wöhn­li­che Repor­tage erhielt der Lokal­ra­dio­re­dak­teur einen Aner­ken­nungs­preis der Jury beim 25. Hör­funk­preis der Lan­des­an­stalt für Medien in Nordrhein-Westfalen (LfM).

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Gruß einer Sand­bild­künst­le­rin wäh­rend der Gala anläss­lich der Ver­lei­hung der LfM-Hörfunkpreise 2016 am 25. Novem­ber im Hyatt Regency Düsseldorf

Wer behaup­tet, dass Wort­bei­träge grund­sätz­lich Hörer ver­grau­len wür­den, sollte gele­gent­lich mal in eines der 45 NRW-Lokalradios ‘rein­hö­ren (die alle auch per Livestream im Inter­net  ver­brei­tet wer­den). Zwi­schen Höx­ter und Mön­chen­glad­bach sind immer wie­der erstaun­li­che Bei­träge und Repor­ta­gen von enga­gier­ten Lokal­re­dak­teu­ren zu hören. Und das mit Erfolg: Die Lokal­ra­dios haben im bevöl­ke­rungs­reichs­ten Bun­des­land einen durch­schnitt­li­chen Markt­an­teil von 32 Pro­zent. Damit lie­gen “Radio Kie­pen­kerl”, “Radio Nean­der­tal” und die ande­ren Lokal­fun­ker weit vor den popu­lär aus­ge­rich­te­ten WDR-Programmen “1LIVE” und “WDR2”, die gerade mal auf 18,5 bzw. 18 Pro­zent Markt­an­teil in NRW kommen.

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Ger­rit Groß­maas | Bild: Radio Bochum/LfM

Einer die­ser pfif­fi­gen loka­len Radio­ma­cher ist Ger­rit Groß­maas von Radio Bochum. Bei der Ver­lei­hung der dies­jäh­ri­gen LfM-Hörfunkpreise am ver­gan­ge­nen Frei­tag ver­blüffte er das anwe­sende Fach­pu­bli­kum mit sei­ner Repor­tage “Bug­fights”. Dafür war er in Bochum in einen Kel­ler hinab gestie­gen, wo sich rund 20 Män­ner ver­sam­melt hat­ten, um Skor­pione gegen Vogel­spin­nen oder Tau­send­füß­ler “kämp­fen” zu sehen. Orga­ni­sa­tor Chris­tian hatte die skur­ri­len Wett­kämpfe in Japan ent­deckt. Jetzt ver­sucht er im “Ruhr­pott” genü­gend Inter­es­sierte zu fin­den, die nicht nur die ekel­haf­ten Insek­ten– und Spin­nen­kämpfe mit­ver­fol­gen — son­dern auch noch Wet­ten auf ihre “rau­bei­ni­gen” Favo­ri­ten plat­zie­ren wol­len. Bei Groß­maas’ Vorort-Recherche hielt sich die Wett­be­reit­schaft aller­dings noch in Gren­zen. Ein Grund mag gewe­sen sein, dass Skor­pion und Vogel­spinne, ein­ge­sperrt in einem engen durch­sich­ti­gen Kunst­stoff­ter­ra­rium, wenig Lust ver­spür­ten, sich gegen­sei­tig zu töten. Als der Ver­an­stal­ter dann alle Tiere zusam­men in die “Mini-Arena” warf, wurde dem Repor­ter nach eige­nen Anga­ben so übel, dass er die Wett­kampf­stätte ver­las­sen musste. Am Frei­tag bei der Preis­ver­lei­hung ging’s dem sym­pa­thi­schen Radio­re­por­ter sicht­lich bes­ser, schließ­lich konnte er sich über den Aner­ken­nungs­preis der Jury freuen.

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Preis­trä­ger, Juro­ren und Spon­so­ren beim LfM-Hörfunkpreis 2016

Der erste Preis in der wich­ti­gen Kate­go­rie “Infor­ma­tion und Recher­che” ging an Alex­an­dra Wie­mer und Karin van Dyk von Radio 91.2 in Dort­mund für ihren enga­gier­ten Bei­trag “Cou­ra­giert und alleine gelas­sen”. Eine wei­tere Aus­zeich­nung für Radio Bochum gab’s in der Kate­go­rie “Unter­hal­tung”: Redak­teu­rin Anuschka Fritz­sche hatte mit Jan­nis McDa­vid einen jun­gen Mann inter­viewt, der ohne Arme und Beine gebo­ren wurde, den­noch so viel Lebens­mut und Opti­mis­mus aus­strahlt, dass er für viele Mit­men­schen ein Vor­bild sein kann.

Alle Gewin­ner des 25. LfM-Hörfunkpreises sowie die aus­ge­zeich­ne­ten Wort­bei­träge gibt’s auf dem Web­por­tal der Lan­des­an­stalt für Medien in NRW.