Zorniger Kollege
Die internationale Finanzkrise geht an die Nerven. Nach Bankmanagern und Börsianern zeigen jetzt auch Berichterstatter Emotionen. In diesem Fall völlig zu Recht.
18. Oktober 2008. Im heute-Journal am Freitagabend verlor der sonst eher moderate ZDF-Börsenexperte Franz Zink kurzzeitig die verbale Contenance als er von Moderator Claus Kleber auf den Boni-Verzicht des Vorstands der Deutschen Bank angesprochen wurde. Bevor der “zornige Kollege” aus der ZDF-Mediathek verschwindet, haben wir die lohenswerte Passage hier vorsichtshalber dokumentiert.
Kleber: Nun haben wir heute Meldungen bekommen, dass der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und sein gesamter Vorstand und Aufsichtsrat dieses Jahr auf ihre Boni verzichten. Das geht um Millionen – heißt es. Was ist davon zu halten?
Zink: Also egal Klaus, mit wem man spricht, nur blankes Entsetzen, Beschämung, Fassungslosigkeit. Offenbar haben die Deutsche Bank-Manager jegliche Bodenhaftung verloren. Während Deutschlands Steuerzahler in einem nie gekannten Ausmaß für die Fehlleistungen der Banken bluten müssen, glauben diese Herren mit der Verteilung von ein paar ihrer Prämien-Millionen an verdiente Mitarbeiter den Beifall der Nation verdient zu haben. Was Ackermann und Kollegen uns als Zeichen der Solidarität verkaufen wollen, ist nichts weiter als eine billige PR-Masche. Billig, weil es sie nicht viel kostet. Billig, weil sie nicht wirklich verzichten. Weil Aktiengewinne im Keller sind, kriegen sie sowieso viel weniger. Ein bisschen Geld jetzt also für Mitarbeiter. Aber – eine Beleidigung für alle, die wegen der Finanzkrise um ihre Existenz bangen müssen.
Kleber: Und so sind wir im Kommentar. Die Auffassung von Franz Zink. Dankeschön und ein ruhiges Wochenende.
Dem Dank schließt sich blogmedien gern an.
Autor Horst Müller, wenn im Titel nicht anders angegeben. Archiviert unter TV.



