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Deppen der Woche

Das ZDF ist einer der eifrigsten Auftraggeber für “Schleichwerbung” im Radio. Als “Frontal 21″ am Dienstag das Thema aufgriff, war davon allerdings keine Rede. Wie aus einem vermeintlichen Radioskandal ein handfester öffentlich-rechtlicher TV-Skandal wird
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19. Juli 2007. Für den “Medienblogger” aus Dessau ist Ricky Breitengraser (Bild oben: Screenshot “Frontal 21″, ZDF, 17. Juli 2007) “der Depp der Woche”. Der Programmkoordinator des Berliner Privatsenders Jam FM war am Dienstagabend im ZDF-Magazin “Frontal 21″ als vermeintlicher Beschmutzer des “journalistischen Ethos” bloßgestellt worden. Gegenüber den investigativ ermittelnden Gesandten der Mainzelmänner hatte der Diplom-Journalist durchblicken lassen, dass er wohl bereit wäre, PR-Beiträge gegen ein Honorar von 15.000 Euro in seinem Programm einzusetzen. Natürlich ist das völliger Blödsinn.

Keine PR-Agentur würde ernsthaft auf die Idee kommen, Breitengaser für die Ausstrahlung eines solchen Stückes mit integrierten Werbebotschaften einen ähnlich hohen Betrag anzubieten. Das auf Black Music spezialisierte Jam FM erreicht in Berlin und Brandenburg gerade mal 13.000 Hörer pro Durchschnittsstunde und kann für einen 30-Sekunden langen Werbespot durchschnittlich nur 203 Euro verlangen.

“Frontal 21″ ist selbst Auftraggeber für “Schleichwerbung”

Die ZDF-Leute hätten es eigentlich besser wissen müssen. Schließlich bedienen sich die Mainzelmänner regelmäßig der Agenturen, die fertig produzierte PR-Beiträge bei Radiosendern platzieren. Zu den Auftraggebern der Esslinger Orgeldinger Media Group gehört – kaum zu glauben – auch “Frontal 21″, wie auf der Website all4radio nachzulesen ist:
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Screenshot all4radio, 18. Juli 2007

Natürlich wurden solche Erkenntnisse in der An-Moderation von Theo Koll (Bild: Screenshot “Frontal 21″, ZDF, 17. Juli 2007) genau so verschwiegen, wie in dem Beitrag der 07-07-19-zdf-radio-koll.jpgAutoren Andreas Halbach und Eike Petering unter dem Titel “Gekaufte Beiträge – PR als Information gesendet.” Und es gab weitere Ungereimtheiten: Moderator Koll behauptete in seiner Einleitung, dass “mehrere hundert Radiosender, die immerhin täglich von der halben Nation gehört werden” für die durchaus beklagenswerten PR-Praktiken besonders empfänglich seien. Erstens gibt es weder “mehrere hundert” private Radiostationen in Deutschland und zweitens senden gebührenfinanzierte Hörfunkprogramme der ARD ebenfalls von externen Agenturen bereitgestellte PR-Beiträge, wie der Medienwissenschaftler Helmut Volpers in seiner Studie “Public Relations und werbliche Erscheinungsformen im Radio” herausfand.

Auch die von “Frontal 21″ aufgestellte Behauptung, dass die Ausstrahlung von PR-Beiträgen grundsätzlich mit Schleichwerbung gleichzusetzen und demnach illegal sei, ist so nicht richtig. Professor Volpers, der in dem ZDF-Beitrag ebenfalls kurz zu Wort kommt, bemängelt im Fazit seiner Studie die “legale Grauzone”: “Sowohl die Regelungen des Rundfunkstaatsvertrags als auch die Werberichtlinien der Landesmedienanstalten und der ARD lassen Spielraum für Interpretationen.” In blogmedienTV 14 hatte Volpers deswegen gefordert, dass zumindest eine Kennzeichnungspflicht für PR-Beiträge im Radio eingeführt werden müsse.

Die Deppen-Auswahl

Nun muss noch geklärt werden, wer in den Kreis der “Deppen der Woche” aufzunehmen ist. Hier die Kandidaten:

  1. Jam FM-Chefredakteur Ricky Breitengraser, der vielleicht nur stolz war, auch einmal im Fernsehen zu erscheinen und Mutti womöglich heimlich zugewunken hat.
  2. Der “Medienblogger” aus Dessau, der einfach das übernahm, was “A-Blogger” Thomas Knüwer für ihn vorgeschrieben hatte.
  3. Handelsblatt-Redakteur Knüwer, der ohne eigene Recherche die selbst gestellte Frage beantworten konnte: “Warum wir auf Jam FM & Co verzichten können – und sollten.”
  4. Frontal-Moderator Theo Koll, der allen ernstes behauptete, dass “bei großen Fernsehsendern äußerst kritisch und berechtigt hingeschaut wird, ob es Schleichwerbung gibt und wie es um die journalistische Unabhängigkeit steht.”
  5. Die Autoren Andreas Halbach und Eike Petering, denen es immerhin gelang, einen kaum recherchierten Beitrag mit Halb- und Unwahrheiten und unter Weglassung wesentlicher Erkenntnisse ins Hauptabendprogramm einer gebührenfinanzierten Anstalt zu hieven.
  6. Klaus Richter, Redaktionsleiter von “Frontal 21″, der den ganzen Blödsinn einfach zugelassen hat. – Bitte wählen Sie jetzt….