Medien

50-50-Chance nicht genutzt

12. September 2011 | Nach Günther Jauchs Premiere in der ARD gab’s pflichtgemäßes Lob in den Springer-Portalen – schließlich war der eigene Vorstandschef Gast der Talkrunde über die Folgen des 11. Septembers. | Titelbild: ARD/Das Erste

Es war sicherlich eine gute Idee, dass Günther Jauch zur Premiere der nach ihm benannten Talkrunde am Sonntagabend den Springer Vorstandschef Mathias Döpfner in das Berliner Gasometer eingeladen hatte. So konnte der neue Superstar der „ARD“ davon ausgehen, dass „Bild“ und Co. die Sendung zum Thema „Zehn Jahre 11. September – war es richtig in den Krieg zu ziehen?“ wohlwollend begleiten und kommentieren. Welcher Kommentator käme schon auf die Idee, eine Sendung zu „verreißen“, in der der eigene Chef mitwirkt?

„Bild.de“-Redakteure jedenfalls nicht. „Souverän, engagiert, wie man ihn kennt“, sei die „TV-Allzweckwaffe“ am Sonntagabend gewesen – vermutlich wohl deswegen, weil Jauch einen „dunkelblauen Anzug“ mit „hellblauer Krawatte“ trug. Weitere Argumente für die vermeintlich gelungene Premiere konnten die „Bild“-Leute jedenfalls nicht anführen. Trotzdem kam auch der Kollege Arne Wilander bei „Welt Online“ zu dem Ergebnis „Beim ersten Mal hat Jauch alles richtig gemacht“. Dass der „ARD“-Talk-Novize „Deutschlands Freiheit am Hindukusch verteidigen“ lassen wollte, hat der Springer-Mitarbeiter großzügig überhört. Ex-Verteidigungsminister Peter Struck musste den „ARD“-Talk-Novizen gleich zweimal belehren, dass es beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan um Deutschlands Sicherheit gehe.

In Jauchs Millionenquiz bei „RTL“ wäre der Kandidat wohl ausgeschieden, weil er die 50-50-Chance nicht genutzt hätte. Jauch darf logischerweise weitermachen – dann aber bitte nicht so „hölzern“ wie „Stern.de“-Kolumnistin Sophie Albers in ihrer Kritik zutreffend anmerkt, die mit dem zutreffenden Fazit „Da ist noch viel Luft nach oben“ überschrieben ist. Das gilt wohl auch für die Einschaltquote. Mit 5,1 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 18,6 Prozent sei Jauchs Einstand im „Ersten“ zwar „erwartungsgemäß sehr gut ausgefallen, allerdings auch nicht besser als bei Wills Sonntags-Einstand vor fast genau vier Jahren“, urteilt das Medienmagazin „DWDL“.