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ZEIT ONLINE ist doch noch für einen Lacher gut

Titel­bild: Screen­shot aus dem Trai­ler  für “Snowden”/Open Road Films | 1. Mai 2016 | Im Herbst die­ses Jah­res soll Oli­ver Sto­nes Ver­fil­mung über Edward Snow­den in die Kinos kom­men. Eine Kri­tik — oder sowas ähn­li­ches — ist aller­dings jetzt schon bei ZEIT Online nach­zu­le­sen. Grund­lage dafür sind aller­dings nur ein paar Filmschnipsel. 

Wenn das Bei­spiel von ZEIT ONLINE Schule macht, wer­den wir wohl bald Buch­re­zen­sio­nen auf Grund­lage von Pres­se­mit­tei­lun­gen der Ver­lage zu lesen bekom­men. Musik­kri­ti­ker könn­ten sich das lang­wie­rige Abhö­ren kom­plet­ter Alben gleich erspa­ren und es statt­des­sen beim weni­gen Sekun­den kur­zen  Schnell­durch­lauf belas­sen, um sich bei­spiels­weise ein Urteil über die neue CD von Udo Lin­den­berg zu bil­den — schließ­lich kennt man den ja schon.

ZEIT ONLINE Redak­teur Eike Kühl glaubt den legen­dä­ren US-Regisseur Oli­ver Stone ein­schät­zen — und des­sen neuen Film “Snow­den” beur­tei­len zu kön­nen. Das Drama um den Whist­leb­lo­wer ist zwar noch nicht fer­tig und soll erst am 16. Sep­tem­ber die­ses Jah­res in die US-Kinos kom­men. Fer­tige Filme braucht der ver­meint­li­che Kino­kri­ti­ker offen­bar auch gar nicht, son­dern nur ein paar Film­schnip­sel, um zu der Erkennt­nis zu gelan­gen: “Der erste Trai­ler lässt nichts Gutes erwar­ten, ist aber immer­hin für einige Lacher gut.” Dabei ist nicht ein­mal ganz klar, ob sich die Kri­tik auf den gan­zen Trai­ler mit einer Länge von 2:38 Minu­ten bezieht oder ledig­lich auf die im eige­nen Bericht ein­ge­bun­dene Kurz­ver­sion der Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters, die nur knapp halb so lang ist und von einer kind­lich klin­gen­den deutsch­spra­chi­gen Kom­men­ta­to­rin ver­un­stal­tet wird.

Es wäre ohne­hin ver­tane Zeit, wenn ich mich hier ernst­haft mit einer Film­kri­tik ohne vor­lie­gen­den Film aus­ein­an­der­set­zen würde. Wich­ti­ger erscheint mir die Frage, warum bei ZEIT ONLINE am 28. April so ein Blöd­sinn ver­öf­fent­licht wurde? Bei bewuss­ter Weg­las­sung aller jour­na­lis­ti­schen Sorg­falts­pflich­ten — wie Rück­fra­gen beim Ver­fas­ser und/oder in der Redak­ti­ons­lei­tung — komme ich am Ende mei­ner durch reine Ver­mu­tun­gen ersetz­ten Recher­chen zu fol­gen­den Ergebnissen:

Natür­lich wollte ZEIT ONLINE den “Snowden”-Film redak­tio­nell “mit­neh­men”, weil Geschich­ten um den Whist­leb­lo­wer Edward Snow­den regel­mä­ßig die Zugriffs­zah­len auf News­por­ta­len stei­gern. Dazu stand dies­mal auch noch attrak­ti­ves Bild­ma­te­rial über die Pro­duk­ti­ons­firma Open Road Films kos­ten­frei zur Ver­fü­gung und der jour­na­lis­ti­sche Arbeits­auf­wand zur Umset­zung die­ser ZEIT ONLINE-“Story” dürfte deut­lich unter einer Stunde gele­gen haben — es sei denn, dass der Autor beson­ders lang­sam arbei­tete, was ich nicht beur­tei­len kann.

Macht nichts: Ver­gleich­bar nich­tige Gründe hatte ich am Sonn­tag­nach­mit­tag eben­falls, um den Snowden-Film bei blog­me­dien plat­zie­ren zu kön­nen. Des­we­gen ist ZEIT ONLINE viel­leicht doch noch für einen Lacher gut.

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