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Schleichwerber werden immer dreister

17. Januar 2016 | Es gibt offen­sicht­lich nicht viel Bei­trags­zah­ler, die daran Anstoß neh­men, dass in dem von ihnen groß­zü­gig finan­zier­ten Rund­funk­sys­tem Schleich­wer­bung und PR-Schleuderei inzwi­schen zur Gewohn­heit gewor­den sind. Ich will das zumin­dest nicht hin­neh­men und werde mit mei­nen Mit­teln wei­ter gegen diese Miss­ach­tung vor allem der Fern­seh­zu­schauer ange­hen: Mit Jour­na­lis­mus, dies­mal auch unter­stützt von beweg­ten Bildern.

Für die Vor­le­sung zu Ethik im Jour­na­lis­mus in die­ser Woche an der Hoch­schule Mitt­weida habe ich das kleine Video zusam­men­ge­stellt, in dem drei Etap­pen der Schleich­wer­be­rei im öffentlich-rechtlichen Fern­se­hen zu sehen sind: Der “Mari­en­hof” mit gekauf­ten Dia­lo­gen, Andrea Kie­wel im Ein­satz für die Weight Wat­chers und schließ­lich Bar­bara Schö­ne­ber­ger als wort­ge­wal­tige PR-Schleuder für die nach ihr benannte Gazette aus dem Hause Gru­ner + Jahr.

Vol­ker Lili­en­thal musste — damals als lei­ten­der Redak­teur des epd-Mediendienstes — noch drei Jahre lang hart­nä­ckig, teil­weise sogar ver­deckt, recher­chie­ren und sich nach eige­nen Anga­ben sage und schreibe rund 500 Fol­gen der inzwi­schen ein­ge­stell­ten ARD-Vorabendserie “Mari­en­hof” anse­hen, um schließ­lich im Jahr 2005 Schleich­wer­bung nach­wei­sen zu kön­nen. Heute muss man sich nur Sen­dun­gen wie “Volle Kanne” (ZDF) anschauen, um Schleich­wer­ber und PR-Schleudern in Aktion zu erle­ben. Und nie­man­den — am wenigs­ten die ZDF-Führungsriege — scheint es zu stö­ren, wenn bei­spiels­weise Bar­bara Schö­ne­ber­ger für die Frau­en­zeit­schrift “Bar­bara” minu­ten­lang die Wer­be­trom­mel rührt.

Auf mei­nen — am 24. Okto­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res ver­öf­fent­lich­ten Blog­post mit dem Titel Bar­bara und der Main­zel­mann” — erhielt ich von der ZDF-Pressestelle allen erns­tes die Aus­kunft: “Soweit die Zeit­schrift Gegen­stand der Sen­dung war, war dies mit­hin redak­tio­nell gerecht­fer­tigt und zuläs­sig.” Immer­hin räumte der ZDF-Sprecher ein, dass die Main­zel­män­ner von der Schö­ne­ber­ger düpiert wur­den, als diese spon­tan eine Aus­gabe der “Bar­bara” als “Trost­preis” aus­ge­lobt — und sekun­den­lang in die Kamera gestreckt hatte: “Da die ‘Volle Kanne’ live aus­ge­strahlt wird, war es jedoch nicht mehr mög­lich, an die­ser Stelle ein­zu­grei­fen.”  Und wenn ihr schon die Fern­seh­ge­wal­ti­gen nicht den Mund  ver­bie­ten kön­nen, müs­sen das halt die Zuschauer tun: Ab– oder Umschal­ten, wenn die Quas­sel­strippe als PR-Schleuder auf dem Bild­schirm erscheint.

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