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Guardian dokumentiert Polizeigewalt

Update: 2. Januar 2016 | In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ver­lo­ren im ver­gan­ge­nen Jahr 1.134  Men­schen bei Poli­zei­ein­sät­zen ihr Leben. Der Guar­dian hat alle Todes­fälle ein­zeln doku­men­tiert und ausgewertet. 

Sheriff
Sheriff-Fahrzeug im Süden von Texas

Wer als Tou­rist oder Geschäfts­rei­sen­der in den USA schon ein­mal in eine Poli­zei­kon­trolle gera­ten ist, kann ver­mut­lich bestä­ti­gen, dass ame­ri­ka­ni­sche Geset­zes­hü­ter sel­ten zu Scher­zen auf­ge­legt sind. Gele­gent­lich erfährt man hier­zu­lande auch von Über­grif­fen der Poli­zei in New York, Los Ange­les oder anderswo, zumal wenn Zeu­gen die Sze­ne­rie auf dem Smart­phone fest­ge­hal­ten — und an Medien wei­ter­ge­ge­ben haben. Fern­seh­zu­schauer in den Staa­ten kom­men auch schon mal in den zwei­fel­haf­ten “Genuss” von Ver­fol­gungs­jag­den, die — so wie in Los Ange­les — regel­mä­ßig von loka­len News-Stationen live über­tra­gen wer­den. Bei YouTube errei­chen sol­che “Police Cha­ses” regel­mä­ßig ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum. Nicht sel­ten enden Ver­fol­gungs­jag­den mit der Poli­zei töd­lich — für die Ver­folg­ten. Wer sich in den USA Geset­zes­hü­tern ent­ge­gen­stellt, muss damit rech­nen, sein Leben zu verlieren.

Eine Verfolgungsjagd endete im März 2015 in einer Schießerei | Bild: Screenshot YouTube/wwwy2000
Eine Ver­fol­gungs­jagd endete im März 2015 in einer Schie­ße­rei | Bild: Screen­shot YouTube/wwwy2000

Der bri­ti­sche Guar­dian ver­öf­fent­lichte zum Jah­res­be­ginn 2016 eine Doku­men­ta­tion aus der her­vor geht, dass in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten im ver­gan­ge­nen Jahr 1.134 Men­schen bei Poli­zei­ein­sät­zen den Tod fan­den. Viele die­ser akri­bisch doku­men­tier­ten Fälle las­sen die Ver­mu­tung zu, dass vor allem Schuss­waf­fen leicht­fer­tig oder gar unnö­tig zum Ein­satz kamen. Der Guar­dian belegt wei­ter­hin, dass auch Unschul­dige und völ­lig Unbe­tei­ligte Opfer bei Poli­zei­ein­sät­zen wur­den: So traf es am 28. August in New York Felix Kumi. Bei einem Undercover-Einsatz der Poli­zei gegen Waf­fen­händ­ler wurde der 61jährige “ver­se­hent­lich” von töd­li­chen Kugeln getrof­fen. Im Nach­hin­ein musste die Poli­zei­füh­rung ein­räu­men, dass Kumi nichts mit den gesuch­ten Gangs­tern zu tun hatte.

Die Doku­men­ta­tion des Guar­dian belegt wei­ter­hin, dass Far­bige rund zwei­ein­halb mal  so häu­fig Opfer bei Poli­zei­ein­sät­zen wer­den, wie ihre Lands­leute mit wei­ßer Haut­farbe: Auf 1 Mil­lion US-Bürger mit afri­ka­ni­scher Abstam­mung kamen sta­tis­tisch 7,13 Tote in die­sem Jahr. Im Gegen­satz dazu waren Weiße 2,91 mal betrof­fen. Unter den 1.134 Getö­te­ten waren 53 Frauen sowie 19 Kin­der und Jugend­li­che unter 18 Jah­ren. Das jüngste Opfer war der erst sechs Jahre alte Jeremy Mar­dis. Der autis­ti­sche Junge war im Novem­ber in der Klein­stadt Marks­ville im US-Bundesstaat Loui­siana von meh­re­ren Poli­zei­ku­geln im Auto sei­nes Vaters getrof­fen wor­den. Die Beam­ten hat­ten das Feuer eröff­net, weil sich der unbe­waff­nete Mann angeb­lich einer Poli­zei­kon­trolle ent­zie­hen wollte. Inzwi­schen wur­den gegen zwei der vier  am Ein­satz betei­lig­ten Poli­zis­ten Mord­an­klage erhoben.

Aus den Daten über die Poli­zei­ge­walt in den USA, die der Guar­dian den Nut­zern auf sei­ner Web­site zu wei­te­ren Aus­wer­tun­gen auch als CSV-Datei zur Ver­fü­gung stellt, geht wei­ter­hin her­vor, dass ledig­lich 18 Tage im Jahr 2015 gab, an denen in den USA kein Bür­ger von Ord­nungs­hü­tern getö­tet wurde.

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