Medien

Noch ein paar Anmerkungen zu 2015

31. Dezem­ber 2015 | Um ehr­lich zu sein, wollte ich eigent­lich nur den Master-Slider in mei­nem Blog aus­pro­bie­ren. Der ver­meint­li­che Jah­res­rück­blick, der über­haupt kei­nen Anspruch auf voll­stän­dige Dar­stel­lung der Medi­en­er­eig­nisse des Jah­res 2015 erhebt, ist eigent­lich nur inhalt­li­ches Mit­tel zum tech­ni­schem tech­ni­schen Zweck. Mag sein, dass das Ergeb­nis doch noch vor­zeig­bar gewor­den ist. 

Hin­weis: Bitte kli­cken Sie auf die Pfeile (links und rechts) um Bil­der und die dazu­ ge­hö­ri­gen Texte zu wechseln.

Pan­ora­ma­f­rei­heit bedeu­tet, dass wir Big Ben, Eif­fel­turm und andere berühmte Bau­werke wei­ter­hin foto­gra­fie­ren dür­fen, ohne Gebüh­ren, Geneh­mi­gun­gen oder sons­tige büro­kra­ti­sche Hin­der­nisse. Dafür hat sich unter ande­rem Julia Breda, EU-Abgeordnete der Pira­ten­par­tei ein­ge­setzt. Mit Erfolg: Im Juli wurde im EU-Parlament mit gro­ßer Mehr­heit die Ein­schrän­kung der Pan­ora­ma­f­rei­heit abgelehnt.
Brand­heiß: Wäh­rend sich viele Deut­sche im Juli über hoch­som­mer­li­che Tem­pe­ra­tu­ren freu­ten, ver­brei­tete BILD mal wie­der Panik. Angeb­lich sol­len in der Kup­pel des Bun­des­tags 60 Grad geherrscht haben, wes­we­gen die Aus­sichts­platt­form gesperrt wer­den musste. Das Zen­tral­or­gan hatte die brand­heiße Infor­ma­tion nach eige­nen Anga­ben von einem Poli­zis­ten vor dem Bun­des­tag erhal­ten. Na wenn das so ist — haben (fast) alle ande­ren übli­chen Ver­däch­ti­gen wie FOCUS Online und Co. den­sel­ben Blöd­sinn eben­falls ver­mel­det. 20 Grad weni­ger hät­ten wohl auch gereicht, wie im offi­zi­el­len Web­por­tal der Haupt­stadt nach­zu­le­sen ist.

Head Down Syn­drom ist eine Krank­heit, die ursprüng­lich aus den USA kommt, inzwi­schen aber auch bei uns immer mehr Opfer for­dert. Wir erleb­ten die wil­des­ten Aus­wüchse die­ser Seu­che, bei der Smart­pho­nes und Tablets die mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­tion voll­stän­dig erset­zen, wäh­rend unse­rer Ferien in Flo­rida. Mit Blick auf unsere Lie­ge­stuhl­nach­barn am Swim­ming­pool frag­ten wir uns besorgt: Was haben die wohl frü­her im Urlaub gemacht? Etwa mit­ein­an­der gere­det oder gar ganz wage­mu­tig die Liegestuhl-Nachbarn angesprochen?

Radio­ma­cher spie­len mit dem Feuer, weil sie sich nicht auf gute Pro­gramme kon­zen­trie­ren, die über den kon­kur­renz­lo­sen Über­tra­gungs­weg UKW die Hörer errei­chen. Statt­des­sen wer­den Zeit, Geld und Kraft mit Expe­ri­men­ten im “Netz” ver­geu­det, bei denen Hör­fun­ker ihren Kon­kur­ren­ten von Spo­tify und Co. hoff­nungs­los unter­le­gen sind. Und immer noch wird ernst­haft über DAB fabu­liert — so wie bei der IFA in Ber­lin. Das braucht und will kei­ner (außer öffentlich-rechtlichen Radio­ma­chern, die ihren pri­va­ten Kon­kur­ren­ten damit das Leben schwer machen wollen).
Flücht­linge waren in den letz­ten Mona­ten das große Thema in deut­schen Medien, auch wenn von der viel geprie­se­nen “Will­kom­mens­kul­tur” kaum noch etwas zu sehen, hören oder lesen ist. Die meis­ten, die noch Anfang Sep­tem­ber in Mün­chen und anderswo Neu­an­kömm­linge begrüß­ten, haben sich wie­der in den All­tag zurück­ge­zo­gen. | Bild: Richard Gutjahr
Hei­ner Geiß­ler hielt aus mei­ner Sicht eine der bewe­gends­ten Reden des Jah­res. Als Lau­da­tor beim Deut­schen Radio­preis pran­gerte er zu recht an, dass sich Super­rei­che und inter­na­tio­nale Kon­zerne aus der sozia­len Ver­ant­wor­tung steh­len — auch wenn es um die Kos­ten für Flücht­linge geht.
Mer­ce­des spon­sert VW — zumin­dest könnte die­ser Ein­druck bei Betrach­tung des Screen­shots ent­ste­hen, den ich am 22. Sep­tem­ber von der Zeit Online-Hompepage gemacht habe. Zu Beginn der Bericht­er­stat­tung über den VW-Skandal erschien das Sym­bol­bild zum Arti­kel direkt unter einem Wer­be­ban­ner der ver­meint­lich unbe­schol­te­nen Kon­kur­renz. Das Arti­kel­bild wurde nach mei­nen Erkennt­nis­sen inzwi­schen entfernt.
Max Schrems ist für mich viel­leicht der “Medi­en­mensch des Jah­res”. Wäh­rend inter­na­tio­nale Medi­en­kon­zerne dem Trei­ben von Google, Face­book und ande­ren weit­ge­hend hilf­los zuse­hen, hat der Wie­ner Jurist Mark Zucker­berg und sein Impe­rium vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof (EuGH)  in die Schran­ken ver­wie­sen. Wie es zu dem so genann­ten  “Safe-Harbor-Urteil” kam, ist hin­läng­lich bekannt — wie es der Wie­ner Jurist vor vier Jah­ren in deut­sche Leit­me­dien schaffte, habe ich hier auf­ge­schrie­ben.
Schleich­wer­bung gibt’s nicht mehr im bei­trags­fi­nan­zier­ten deut­schen Fern­se­hen. Muss­ten frü­her noch in der ARD-Serie “Mari­en­hof” hor­rende Sum­men auf Umwe­gen dafür gezahlt wer­den, dass Rei­se­un­ter­neh­men, Geld­in­sti­tute oder Berufs­ver­bände halb ver­steckt erwähnt und/oder gezeigt wur­den, dür­fen heut­zu­tage Leute wie Bar­bara Schö­ne­ber­ger völ­lig unge­hin­dert Wer­bung für ihre Pro­dukte betrei­ben. Die Quas­sel­strippe tat das am 20. Okto­ber in der ZDF-Sendung “Volle Kanne” für die nach ihr benannte Zeit­schrift “Bar­bara”  aus dem Hause Gru­ner + Jahr . Von den Main­zel­män­nern gab’s dazu jede Menge kos­ten­lose Wer­be­zeit, Tech­nik und Stu­dio sowie Mode­ra­tor Ingo Nom­men­sen als Stichwortgeber.
Tagesschau-Bankrotterklärung nach den Ter­ror­an­schlä­gen von Paris am spä­ten Abend des 13. Novem­ber ist hier im Wort­laut nach­zu­le­sen.
Hel­mut Schmidt hat es zu sei­nen Leb­zei­ten den Jour­na­lis­ten längst nicht immer leicht gemacht. Trotz­dem berei­te­ten die deut­schen Medien dem Alt­kanz­ler einen wür­di­gen Abschied, nach­dem er am 10. Novem­ber im Alter von fast 97 Jah­ren ver­stor­ben war. Nur die Freie Presse aus Chem­nitz konnte (ein­mal mehr) das Niveau nicht halten.
Sau­be­res Google: Sex, Ero­tik, Porno oder gar Sado-Maso — das sind keine häu­fig genutz­ten Such­be­griffe im Netz. Das sug­ge­riert zumin­dest Google im Jah­res­rück­blick 2015. Danach such­ten die Deut­schen in den ver­gan­ge­nen Mona­ten vor allem nach “Helene Fischer”, “Jus­tin Bie­ber” oder Erklä­run­gen für “Son­nen­fins­ter­nis”.  Welt­weit wurde angeb­lich am häu­figs­ten nach “Lamar Odom” gesucht. Kennt ihr nicht? (ich bis­lang auch nicht). Das ist ein Ex-US-Basketballprofi, der laut Wiki­pe­dia im Okto­ber “bewusst­los nach Kokain und grö­ße­ren Men­gen an Potenz­mit­teln in einem Bor­dell ‘Love Ranch’ im Bun­des­staat Nevada auf­ge­fun­den und in kri­ti­schem Zustand in ein Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert wurde”. Haupt­sa­che, dass das ganze ohne Sex, Ero­tik oder gar Porno ablief.…
Für 2016 haben wir schon mal die rosa­ro­ten Bril­len auf­ge­setzt, damit wir nicht wei­ter­hin alles so kri­tisch sehen wie bis­lang. Der Schnapp­schuss mit Inge Sei­bel und Jür­gen Edel­mann ent­stand übri­gens wäh­rend  der IFA Anfang Sep­tem­ber in Ber­lin. Damit wün­sche ich einen guten Start ist neue Jahr.

0 Kommentare zu “Noch ein paar Anmerkungen zu 2015

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Top