Medien

Ein eher trauriger Welttag der Pressefreiheit

1. Mai 2015 | Am kom­men­den Sonn­tag ist “Welt­tag der Pres­se­frei­heit”. Warum der 3. Mai wohl eher ein trau­ri­ger Tag für Jour­na­lis­ten ist, wird in dem Film “Töd­li­che News” ein­drucks­voll dokumentiert.

Der Repor­ter eines mexi­ka­ni­schen Fern­seh­sen­ders muss in Deckung gehen. Am Rande von Reyn­osa, einer rund 900.000 Ein­woh­ner zäh­len­den Grenz­stadt zwi­schen Mexiko und dem US-Bundesstaat Texas, ist er vor lau­fen­der Kamera in eine Schie­ße­rei zwi­schen der Armee und einer kri­mi­nel­len Bande gera­ten. Die Szene stammt aus der sehens­wer­ten Doku­men­ta­tion “Töd­li­che News – Jour­na­lis­ten als Opfer”, die Ende März bei ZDF-Info gezeigt wurde und (zur­zeit noch) bei YouTube abruf­bar ist.

In dem 45 Minu­ten lan­gen Film kom­men Jour­na­lis­ten, Foto­gra­fen und Kame­ra­leute zu Wort, die über ihre gefähr­li­che Arbeit in Kriegs– und Kri­sen­ge­bie­ten wie Afgha­nis­tan, Irak und Mexiko berich­ten. Der süd­li­che Nach­bar der USA gilt inzwi­schen als einer der für Jour­na­lis­ten gefähr­lichs­ten Staa­ten welt­weit. “Seit dem Jahr 2000 wur­den in Mexiko mehr als 80 Medi­en­schaf­fende wegen ihrer Arbeit ermor­det”, regis­triert Repor­ter ohne Gren­zen. Wei­tere seien ent­führt wor­den oder sind ein­fach ver­schwun­den. Nach Erkennt­nis­sen des inter­na­tio­na­len Jour­na­lis­ten­netz­werks berich­te­ten die meis­ten Opfer über Dro­gen­han­del, Kor­rup­tion sowie die Ver­qui­ckung von Poli­tik und orga­ni­sier­tem Ver­bre­chen. Kaum einer der Täter sei jemals bestraft worden.

In der Doku­men­ta­tion wer­den auch die schlech­ten Bedin­gun­gen für kri­ti­sche Jour­na­lis­ten in Russ­land ein­drucks­voll geschil­dert. Wer sich gegen die Inter­es­sen der Mäch­ti­gen im Rie­sen­reich des Wla­di­mir Putin stellt, läuft Gefahr ermor­det – oder ver­stüm­melt zu wer­den. So wie Oleg Kaschin, der im Novem­ber 2010 vor sei­ner Woh­nung in Mos­kau von zwei Unbe­kann­ten zusam­men­ge­schla­gen und schwer ver­letzt wurde. Kaschin hatte sich immer wie­der kri­tisch mit Demo­kra­tie­män­geln in Russ­land aus­ein­an­der­ge­setzt. Vor dem bru­ta­len Über­fall berich­tete er für die unab­hän­gige Tages­zei­tung Kom­mer­sant über ein umstrit­te­nes Autobahn-Projekt für das ein Wald in der Nähe von Mos­kau abge­holzt wer­den sollte. Nach Recher­chen Kaschins waren füh­rende Köpfe der Regio­nal­ver­wal­tung Pro­fi­teure aus dem Geschäft mit einem fran­zö­si­schen Unter­neh­men. Bereits Ende 2008 war der Jour­na­list Michail Beke­tow wegen sei­nes Ein­sat­zes für das­selbe Wald­ge­biet und gegen Kor­rup­tion von Unbe­kann­ten lebens­ge­fähr­lich ver­letzt wor­den. Er ver­lor wegen sei­nes muti­gen Ein­sat­zes für die wahr­heits­ge­mäße jour­na­lis­ti­sche Bericht­er­stat­tung ein Bein, kann sich ohne fremde Hilfe nicht mehr fort­be­we­gen und kaum noch sprechen.

Es ist also kein Wun­der, dass Russ­land nur Platz 152 von ins­ge­samt erfass­ten 180 Staa­ten in der Rang­liste der Pres­se­frei­heit 2015 ein­nimmt. Die Orga­ni­sa­tion Repor­ter ohne Gren­zen sieht in Wla­di­mir Putin den größ­ten Feind der Pres­se­frei­heit, weil er seit sei­ner ers­ten Wahl zum Prä­si­den­ten im Jahr 2000 die lan­des­wei­ten Fern­seh­sen­der weit­ge­hend unter seine Kon­trolle gebracht habe. Kri­ti­sche Medien wie Radio Moskwy oder TV Doschd gerie­ten dage­gen regel­mä­ßig unter Druck, Jour­na­lis­ten müss­ten mit Gewalt oder geziel­ten Anschlä­gen rechnen.

Das sind nur wenige Bei­spiele dafür, dass der “Welt­tag der Pres­se­frei­heit” an die­sem Sonn­tag kaum Anlass zum Fei­ern bie­tet. Der 3. Mai ist viel­mehr ein trau­ri­ger Tag – wohl auch für viele Jour­na­lis­ten in Deutsch­land, weil wei­ter­hin Zei­tungs­re­dak­tio­nen per­so­nell aus­ge­dünnt oder ganz geschlos­sen wer­den. In den Online­me­dien wer­den dage­gen zu wenige publis­ti­sche Arbeit­plätze neu geschaf­fen. Zwar beschei­nigt Repor­ter ohne Gren­zen den Bericht­er­stat­tern hier­zu­lande ins­ge­samt ein gutes Arbeits­um­feld. Bemän­gelt wird aller­dings, dass Jour­na­lis­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch in Deutsch­land über­wacht wur­den, ins­be­son­dere wenn sie in der rechts­ex­tre­men Szene recher­chier­ten. Unzu­rei­chend ist aus Sicht des Jour­na­lis­ten­netz­werks auch der Zugang zu Behördeninformationen.

Deutsch­land liegt auf Platz 12 der Rang­liste der Pres­se­frei­heit. Ein Medail­li­en­platz ist also noch in eini­ger Ferne. Dort ste­hen die drei nor­di­schen Län­der Finn­land, Nor­we­gen und Dänemark.

Top