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Wie ein schlimmes Déjà-vu

12. Dezem­ber 2014 | Der in die­ser Woche ver­öf­fent­lichte Bericht des US-Senats über die Fol­ter­me­tho­den des Geheim­diens­tes CIA war meh­rere Tage “Auf­ma­cher” in deut­schen Leit­me­dien. Schon vor zehn­ein­halb Jah­ren war die “ganze Welt” über den “Fol­ter­skan­dal von Abu Ghraib” scho­ckiert. In der Medi­en­be­richt­er­stat­tung sind durch­aus Par­al­le­len erkenn­bar.

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Es war ein rei­ner Zufall. Als ich am Diens­tag die­ser Woche in mei­nen Semi­na­ren zum Thema “Gezielte Inter­net­re­cher­che” das Pro­jekt “Fol­ter frei — Abu Ghraib in den Medien” behan­delte, waren unsere Leit­me­dien “voll” mit Nach­rich­ten, Hin­ter­grün­den und Kom­men­ta­ren zu den — angeb­lich erst jetzt in ihrem gan­zen Aus­maß bekannt gewor­de­nen — Fol­ter­me­tho­den des US-Geheimdienstes CIA. Anlass war die Ver­öf­fent­li­chung der Zusam­men­fas­sung eines Berichts des US-Senats in der auf ins­ge­samt 525 Sei­ten grau­same Ver­hör­me­tho­den “auf­ge­lis­tet” werden.

Für mich ist diese geballte “Folter-Berichterstattung” so etwas wie ein schlim­mes Déjà-vu: Nach­dem vor zehn­ein­halb Jah­ren das US-TV-Network CBS am 28. April 2004 in sei­ner Maga­zin­sen­dung “60 Minu­tes II” erst­mals über Abu Ghraib berich­tet hatte, stürz­ten sich die Medien sofort auf die grau­sa­men Fol­ter­bil­der, die men­schen­ver­ach­tende Miss­hand­lun­gen ira­ki­scher Insas­sen durch us-amerikanische Sol­da­ten zeig­ten. Dabei waren diese bru­ta­len Über­griffe der Besat­zer in dem ehe­ma­li­gen Fol­ter­ge­fäng­nis des ira­ki­schen Dik­ta­tors Hus­sein schon Monate vor­her bekannt gewor­den. Nur — die Leit­me­dien igno­rier­ten lange Zeit Aus­sa­gen von ent­las­se­nen Gefan­ge­nen oder Berichte der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tion Amnesty Inter­na­tio­nal. Erst nach­dem Bil­der und Videos von geschun­de­nen Men­schen zur Ver­fü­gung stan­den, die auch noch von den Fol­te­rern selbst auf­ge­nom­men wor­den waren, hieß es “Fol­ter frei” — auch in deut­schen Redak­tio­nen. Unter die­sem absicht­lich pro­vo­kan­ten Titel habe ich vor zehn Jah­ren gemein­sam mit 20 Mitt­weidaer Medi­en­stu­den­ten eine Doku­men­tion über die sei­ner­zeit ver­säumte Bericht­er­stat­tung erstellt, die im Herbst des Jah­res 2004 bun­des­weit für Auf­merk­sam­keit sorgte.

Auch jetzt — nach Ver­öf­fent­li­chung des “Fol­ter­be­richts” durch den US-Senat — habe ich den Ein­druck, dass Medien die bru­ta­len Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen durch US-Geheimdienste in den ver­gan­ge­nen Jah­ren unzu­rei­chend the­ma­ti­sier­ten. Schließ­lich waren Fol­ter­me­tho­den, die jetzt in dem Senats­be­richt doku­men­tiert wer­den, auch schon vor­her weit­ge­hend bekannt. Selbst hin­sicht­lich des erschre­cken­den Umfangs konn­ten die jet­zi­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen wohl kaum über­ra­schen — zumin­dest nicht die Jour­na­lis­ten, die sich zuvor schon mit den grau­sa­men Machen­schaf­ten der CIA beschäf­tigt hat­ten. Bei Tagesschau.de ist zum Aus­maß der Miss­hand­lun­gen nach­zu­le­sen: “Dem­nach wur­den zudem mehr Gefan­gene in gehei­men CIA-Gefängnissen fest­ge­hal­ten als bis­her bekannt. Statt 98 Gefan­ge­nen ist in dem Bericht nun von 119 Men­schen die Rede.”

Immer­hin — wenn die Bericht­er­stat­tung über die CIA-Verhörmethoden sach­lich erfolgt, sind Nach­rich­ten, Hin­ter­gründe und Mei­nungs­äu­ße­run­gen auch zu die­sem — spä­ten — Zeit­punkt zwin­gend not­wen­dig. Aller­dings ist es schon erschre­ckend, dass es in man­chen Redak­tio­nen am not­wen­di­gen Gespür zur Ver­mitt­lung sol­cher bri­san­ten The­men man­gelt. Bei FOCUS Online zum Bei­spiel. Dort ist eine Art Ran­kung der “10 schreck­lichs­ten Fol­ter­me­tho­den der CIA nachzulesen.[/fusion_text]

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