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So viel “Bild” muss nun wirklich nicht sein

15. Juni 2013 | Sprin­ger hat in die­ser Woche für alle digi­ta­len Ange­bote sei­nes Bou­le­vard­blatts eine Bezahl­schranke auf­ge­baut. Ich halte “BILD­plus” für einen gewag­ten “Paradigmenwechsel”.

Die Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe ist seit knapp zwei Wochen ein Top-Thema in der gedruck­ten „Bild“ und ihren digi­ta­len Able­gern. Zum Null­ta­rif sind die Berichte aus den über­flu­te­ten Regio­nen seit Diens­tag die­ser Woche aller­dings nur noch begrenzt zu haben. Sprin­ger hat die seit län­ge­rer Zeit ange­kün­digte Bezahl­schranke aufgebaut.

Wer bei­spiels­weise wis­sen will, warum Michael Quitzsch, der „tage­lang mit sei­ner Fami­lie gegen das Chaos der Flut kämpfte“ und „trotz Krank­schrei­bung sei­nen Job ver­lor“, muss ein Abon­ne­ment für „BILD­plus“ abschlie­ßen. Das kos­tet zwi­schen 4,99 Euro pro Monat für den digi­ta­len Zugang mit PC, Smart­phone und Tablet und 14,99 Euro, wenn man „Bild“ dazu auch noch als digi­tale Zei­tung sowie am Kiosk in gedruck­ter Form erhal­ten möchte. Wer ein sol­ches Abo über den PC  bestellt, zahlt im ers­ten Monat für den „unver­bind­li­chen Test“ ledig­lich 99 Cent. Erstaun­lich – auf mobi­len End­ge­rä­ten wird die­ser Ein­stiegs­ta­rif nicht angeboten.

Alle Abon­ne­ments sind nach Anga­ben bei „BILD.de“ monat­lich künd­bar. Wer genauer nach­liest stellt jedoch fest, dass dabei eine Kün­di­gungs­frist von „7 Tagen vor Ende der lau­fen­den Ver­trags­pe­riode“ ein­zu­hal­ten ist. Dafür – so ver­spricht es die Axel Sprin­ger AG – „haben Sie mit Ihrem BILDplus-Abo unbe­schränk­ten Zugriff auf alle BILD-Inhalte, immer und über­all“. Nur – wer will das schon?

Argu­mente gegen das Bezahl­mo­dell BILDplus

Grund­sätz­lich halte ich es für rich­tig, dass sich deut­sche Medi­en­un­ter­neh­men nach­hal­tig bemü­hen, end­lich spür­bare Erlöse aus ihren Online-Aktivitäten zu erzie­len. Wenn kein Geld her­ein­kommt, so die logi­sche Über­le­gung, wird es künf­tig weni­ger Jour­na­lis­mus – und vor allem weni­ger Qua­li­tät – im Inter­net geben. Aller­dings bezwei­fele ich, dass ich die nun­mehr von Sprin­ger ein­ge­führte Bezahl­va­ri­ante in mei­nen Lehr­ver­an­stal­tun­gen an der Fakul­tät Medien der Hoch­schule Mitt­weida künf­tig als erfolg­rei­ches „Geschäfts­mo­dell der Online­me­dien“ vor­stel­len kann. Aus mei­ner Sicht gibt es einige Argu­mente, die gegen „BILD­plus“ stehen:

  • Die vor­ge­stellte Hand­ha­bung ist viel zu kom­pli­ziert und auch zu undurch­sich­tig, um „Mas­sen“ von Inter­net­nut­zern als Abon­nen­ten zu gewin­nen. So ist die Hand­ha­bung der Abo-Kündigung alles andere als zeitgemäß.
  • Die gefor­der­ten Abo-Gebühren zwi­schen 4,99 und 14,99 Euro pro Monat sind deut­lich zu hoch. Soweit bekannt, hat Sprin­ger mit der bis­lang deut­lich güns­ti­ge­ren Smartphone-App in Höhe von 2,99 bzw. 3,99 Euro (mit PDF der „Bild“-Ausgabe) zu wenige zah­lende Nut­zer erreicht. Es ist für mich nicht erkenn­bar, warum sich jetzt „Mas­sen“ auf eines der „BILD­plus“ stür­zen sollten.
  • Es wird wei­ter­hin zahl­rei­che kos­ten­lose Alter­na­ti­ven von Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­ten im Inter­net sowie für mobile End­ge­räte geben, die wie „Tages­schau“ und „Heute“ vor allem wesent­lich mehr – und in der Regel auch qua­li­ta­tiv bes­sere – Bewegt­bil­der zu bie­ten haben oder – wie Spie­gel Online und Zeit Online – jour­na­lis­tisch ein wesent­lich höhe­res Niveau aufweisen.

BILD­plus ist ein Para­dig­men­wech­sel hin zu einer Bezahl­kul­tur für jour­na­lis­ti­sche Inhalte im Inter­net“ sagte Donata Hop­fen, Geschäfts­füh­re­rin BILD­di­gi­tal, bei Vor­stel­lung des neuen Modells am 27. Mai. Für die Axel Sprin­ger AG mag das zutref­fen. Ob’s auch bei den Nut­zern so ankommt? Da habe ich ernst­hafte Zweifel.