Medien

CNN: Shame on you

11. Mai 2013 | Eine offen­sicht­lich „gefakte“ Satel­li­ten­schal­tung hat mein bis­lang (zu) gro­ßes Ver­trauen in den Nach­rich­ten­sen­der CNN nach­hal­tig beeinträchtigt.

„So lang­sam schäme ich mich, für die­sen Sen­der einst gear­bei­tet zu haben.“ Das ist die Reak­tion von Richard Gut­jahr bei Twit­ter auf die Infor­ma­tion, dass der Nach­rich­ten­sen­der CNN am Diens­tag offen­sicht­lich eine so genannte „Satel­li­ten­schalte“ vor­ge­täuscht hat. Dabei bezieht sich der renom­mierte deut­sche Blog­ger auf Recher­chen, die der ame­ri­ka­ni­sche Infor­ma­ti­ons­dienst Atlan­tic Wire am 7. Mai öffent­lich gemacht hatte.

Bei der Bericht­er­stat­tung über die Befrei­ung von drei Frauen, die vor neun Jah­ren  ent­führt – und seit­dem in einem Haus in Cleveland/Ohio gefan­gen gehal­ten wor­den waren, sprach CNN-Nachrichtenmoderatorin Ashl­eigh Ban­field am Diens­tag angeb­lich live via Satel­lit mit Kol­le­gin Nancy Grace. Anhand von Screen­shots wird im Atlan­tic Wire jedoch nach­ge­wie­sen, dass sich beide CNN-Frauen vom sel­ben Park­platz in Phoenix/Arizona mel­de­ten und höchs­tens 10 Meter von ein­an­der ent­fernt waren: Im geteil­ten Bild­schirm (Split­screen) sind der­selbe „Nis­san Xterra“ – und kurze Zeit spä­ter der­selbe Bus im Hin­ter­grund bei­der Repor­te­rin­nen zu sehen.

Ange­sichts vie­ler Unge­reimt­hei­ten im hek­ti­schen „Nach­rich­ten­ge­schäft“ könnte man diese Geschichte womög­lich als Lap­sus abha­ken. Für mich ist die­ser offen­sicht­li­che „Fake“ aller­dings von grö­ße­rer Bedeu­tung. CNN war schließ­lich nicht nur der erste inter­na­tio­nale Nach­rich­ten­sen­der, son­dern gehört auch heute noch – trotz wach­sen­der Kon­kur­renz – zu den ein­fluss­reichs­ten Nach­rich­ten­ka­nä­len welt­weit. Infor­ma­tio­nen des Sen­ders wer­den von vie­len Medien rund um den Glo­bus über­nom­men und ver­brei­tet, häu­fig ohne vor­he­rige Veri­fi­zie­run­gen oder gar eigene ergän­zende Recherchen.

Dass längst nicht alles, was CNN mel­det, auch der Wirk­lich­keit ent­spricht, hatte zuletzt die Bericht­er­stat­tung über die Jagd auf die mut­maß­li­chen Atten­tä­ter von Bos­ton gezeigt. Dabei wur­den von dem Nach­rich­ten­sen­der gra­vie­rende Falsch­mel­dun­gen ver­brei­tet, die aus Sicht des Schwei­zer Tages­an­zei­gers „leicht hät­ten ver­mie­den wer­den kön­nen und die für einen mas­si­ven Glaub­wür­dig­keits­ver­lust sor­gen wer­den.“ CNN hatte bereits am Mitt­woch nach den furcht­ba­ren Anschlä­gen die Ver­haf­tung eines ver­däch­ti­gen mut­maß­li­chen Bom­ben­le­gers gemel­det. Tat­säch­lich gab es zu die­sem Zeit­punkt jedoch noch keine Fest­nahme. Die Falsch­mel­dung ging den­noch zunächst um die Welt, bevor sie Stun­den spä­ter zurück­ge­nom­men wer­den musste.

Im Fall der Falsch­mel­dung aus Bos­ton kann man CNN wohl Schlam­pig­keit bei der Recher­che – sicher­lich jedoch kei­nen Vor­satz unter­stel­len. Bei der offen­sicht­lich „gefak­ten“ Satel­li­ten­schal­tung aus Pho­enix wur­den dage­gen die Zuschauer absicht­lich betro­gen. Und das hat mein bis­lang (ver­mut­lich zu) gro­ßes Ver­trauen in den Nach­rich­ten­sen­der nach­hal­tig beeinträchtigt.

Top