Medien

Couragierte NDR-Journalisten stellen den eigenen Programmdirektor öffentlich an den Pranger

2. März 2013 | Ich wüsste nicht wie ich rea­gie­ren sollte, wenn Stu­den­ten der Fakul­tät Medien an der Hoch­schule Mitt­weida in einem Bei­trag auf dem von mir ver­ant­wor­te­ten­Web­por­tal  medi­en­MITT­WEIDA ver­meint­li­che Unta­ten aus mei­ner beruf­li­chen Ver­gan­gen­heit ver­öf­fent­li­chen wür­den. Ich weiß auch nicht wie Frank Beck­mann rea­giert hat, als er sich am spä­ten Mitt­woch­abend im NDR-Medienmagazin „ZAPP den Bei­trag „Fei­ern über Gebühr – Ermitt­lun­gen zu KiKA-Fest“ anse­hen musste. Zumin­dest konnte (oder wollte?) der TV-Manager die Aus­strah­lung des Berichts in eige­ner Sache nicht verhindern.

Die Staats­an­walt­schaft ermittelt

Immer­hin wird darin mit Beck­mann der heu­tige Pro­gramm­di­rek­tor des NDR offen beschul­digt, dass er bei sei­ner Ver­ab­schie­dung als Pro­gramm­ge­schäfts­füh­rer des skan­dal­ge­beu­tel­ten Kin­der­ka­nals „KiKa“ im Jahr 2008 ein opu­len­tes  Fest auf Kos­ten der Gebüh­ren­zah­ler aus­rich­ten ließ. Von der Staats­an­walt­schaft Erfurt wurde des­we­gen ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen Untreue gegen Beck­mann ein­ge­lei­tet. Nach Erkennt­nis­sen der Ermitt­ler soll die Feier etwa 30.000 Euro gekos­tet haben. Dafür wur­den laut „ZAPP“ die rund 200 gela­de­nen Gäste unter ande­rem mit „ita­lie­ni­schen und thü­rin­gi­schen Spei­sen“ bewir­tet. Außer­dem soll für 3.500 Euro von einer exter­nen Pro­duk­ti­ons­firma ein Abschieds­film für den sei­ner­zeit schei­den­den „KiKa“-Chef pro­du­ziert wor­den sein.

Zum Video „Fei­ern über Gebühr – Ermitt­lun­gen zu KiKA-Fest“ in der NDR-Mediathek”. Bitte beach­ten Sie, dass die­ser Bei­trag auf Grund der „Sieben-Tageregelung“ vor­aus­sicht­lich am Diens­tag, 5. März 2013, ent­fernt wird.

Diese – und wei­tere Anhalts­punkte, die den Ver­dacht der Untreue gegen­über dem heu­ti­gen eige­nen Pro­gramm­di­rek­tor erhär­ten, strahlte „ZAPP“ in einem knapp acht Minu­ten lan­gen Bei­trag am 27. Februar aus. Damit stell­ten cou­ra­gierte NDR-Journalisten kei­nes­falls zum ers­ten Mal den hoch­ran­gi­gen TV-Manager öffent­lich an den Pran­ger. Bereits am 10. Januar die­ses Jah­res hatte der Nord­deut­sche Rund­funk in einer Pres­se­mit­tei­lung über „ZAPP“-Recherchen in Sachen Beck­mann informiert:

Nach Recher­chen des NDR Medi­en­ma­ga­zins ZAPP gehört auch der ehe­ma­lige Kika-Programmgeschäftsführer und der­zei­tige NDR Fern­seh­di­rek­tor Frank Beck­mann zu den vier Beschul­dig­ten in dem Ermitt­lungs­ver­fah­ren, das die Staats­an­walt­schaft Erfurt wegen des Vor­wurfs der Untreue und der Bei­hilfe zur Untreue eröff­net hat. Wei­ter→

Ich kann mich nicht erin­nern, dass ein öffentlich-rechtliches Pro­gramm – und schon gar kein pri­va­ter Sen­der – jemals so scho­nungs­los über mög­li­che Ver­feh­lun­gen eige­ner Mana­ger berich­tet hätte.

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