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So sieht „Bild“ einen tödlichen Unfall

7. August 2012 | Mit einer eigen­wil­li­gen Illus­tra­tion gibt „Bild.de“ eine töd­lich ver­un­glückte Haus­frau der Lächer­lich­keit preis.

Ereig­net hatte sich der tra­gi­sche Unfall mit töd­li­chem Aus­gang am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag (2. August). Wie die Poli­zei Mün­chen drei Tage spä­ter – am Sonn­tag – mit­teilte, war eine 53jährige Haus­frau auf dem Rasen vor einer Wohn­an­lage im  Stadt­teil Neu­per­lach leb­los auf­ge­fun­den worden:

Die Frau hatte sich bei geöff­ne­tem Fens­ter auf einen Schreib­tisch­dreh­stuhl gestellt, um die Gar­di­nen vom Fens­ter abzu­neh­men. In unmit­tel­ba­rer Nähe des Fens­ters stan­den auch Uten­si­lien zum Fens­ter­put­zen bereit. Offen­sicht­lich ver­lor die Frau den Halt und stürzte etwa 16 Meter in die Tiefe.

Auf Grund­lage der Poli­zei­mel­dung berich­te­ten zahl­rei­che Medien wie „Sueddeutsche.de“, „Antenne Bay­ern“ oder das Bou­le­vard­blatt „tz“ in ihren Web­por­ta­len ange­mes­sen zurück­hal­tend über den tra­gi­schen Unfall. „Bild“ dage­gen gab sich – wie gewohnt – mit der sach­li­chen Dar­stel­lung des schlim­men Ereig­nis­ses kei­nes­falls zufrie­den. Damit die bei „Bild.de“ und „Bild mobil“ am frü­hen Mon­tag­mor­gen ver­öf­fent­lichte geschmack­lose „Home­story“ um die Tote auch optisch in Szene gesetzt wer­den konnte, wurde nicht nur ein Foto der Ver­un­glück­ten ver­öf­fent­licht, son­dern das tra­gi­sche Ereig­nis oben­drauf noch illus­triert. Mit der Bild­un­ter­schrift „So sah der BILD-Zeichner den Unfall“ erschien eine Illus­tra­tion, die mich unwei­ger­lich an Abbil­dun­gen in mei­nem Struwelpeter-Buch aus der Kind­heit erinnerten.

Die tra­gisch ver­un­glückte Haus­frau wurde nicht nur durch ein Foto in die Öffent­lich­keit gezerrt, sie wurde mit­tels der despek­tier­li­chen Zeich­nung nach ihrem Tod durch “Bild” auch noch der Lächer­lich­keit preis­ge­ge­ben. Und das ist widerlich.

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