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Kompetenz, Pflichtbewusstsein und Engagement

19. Februar 2011 | Wozu noch die ganze Auf­re­gung um den Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter? Das Zen­tral­or­gan hat längst ent­schie­den: “Gut­ten­berg bleibt!”

Haben diese Leute wirk­lich nichts Bes­se­res zu tun, als seit Tagen nach Zitie­rungs­män­geln in der Doktor-Arbeit des Karl Theo­dor zu Gut­ten­berg zu fahn­den? Ist es wirk­lich not­wen­dig, die paar Feh­ler der “in mühe­volls­ter Klein­ar­beit ent­stan­de­nen” Dis­ser­ta­tion in einem Wiki vir­tu­ell zur Schau zu stel­len? Warum sollte sich eigent­lich die vier­köp­fige “Kom­mis­sion für Selbst­kon­trolle in der Wis­sen­schaft” an der ohne­hin bereits gebeu­tel­ten Uni­ver­si­tät Bay­reuth über­haupt noch mit der wis­sen­schaft­li­chen Arbeit des Minis­ters befas­sen und sich — wie auch immer ihr Votum aus­fällt — in dicke Nes­seln setzen?

Nein, die ganze Mühe und Auf­re­gung ist ver­geb­lich. Schließ­lich hat “Bild” längst ent­schie­den: “Gut­ten­berg bleibt!” Ver­meint­li­che Gründe dafür lie­fert Kom­men­ta­to­rin Ste­pha­nie Jung­holt in der Sams­tags­aus­gabe des Zentralorgans:

Viele Deut­sche sind der Mei­nung, wir hät­ten andere Pro­bleme — sie haben recht!

Sicher hat Gut­ten­bergs bei­nahe per­fek­tes Image einen Krat­zer erlit­ten. Er macht Feh­ler, wie andere Men­schen auch. Und wenn die Vor­würfe stim­men, muss er den Titel natür­lich abgeben.

Aber wer Gut­ten­berg als Poli­ti­ker beur­teilt, darf nicht nur das schlam­pige Zitie­ren aus sei­ner Dok­tor­ar­beit her­an­zie­hen. Zu bewer­ten sind auch Kom­pe­tenz, Pflicht­be­wusst­sein und das große Enga­ge­ment z.B. bei der Bundeswehrreform.

Dem­nach müs­sen die Begriffe “Kom­pe­tenz”, “Pflicht­be­wusst­sein” und “Enga­ge­ment” neu defi­niert wer­den, auch wis­sen­schaft­lich. Mög­li­cher­weise ist das ein geeig­ne­tes Thema für Karl Theo­dor zu Gut­ten­berg — bei sei­nem zwei­ten Ver­such, eine Dok­tor­ar­beit zu verfassen.

Übri­gens: 300 Jour­na­lis­ten der größ­ten ägyp­ti­schen Tages­zei­tung “Al-Ahram” hat­ten sich nach dem Sturz Muba­raks Mitte Februar bei ihren Lesern ent­schul­digt. Nach einem Bericht des öster­rei­chi­schen “Stan­dard” gaben Sie unter ande­rem an, “die Füh­rung des Blat­tes habe ver­hin­dert, dass die Lage im Land von den Repor­tern und Redak­teu­ren des Blat­tes rea­lis­tisch dar­ge­stellt wurde.

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