Medien

Vermutungsjournalismus in Sachen Mubarak

16. Februar 2011 | “Stern.de” und “Spie­gel Online” wett­ei­fern um den Auf­ent­halts­ort des ägyp­ti­schen Ex-Diktators Husni Muba­rak — mit merk­wür­di­gen jour­na­lis­ti­schen Mitteln.

Seit­dem Husni Muba­rak am ver­gan­ge­nen Frei­tag “abdankte”, wird in vie­len Medien über den Auf­ent­halt des ägyp­ti­schen Ex-Diktators spe­ku­liert. Da woll­ten auch “Stern.de” und “Spie­gel Online” nicht außenvorstehen.

Zunächst hatte “Stern.de” Muba­rak noch “exklu­siv” in das Emi­rat Schard­scha aus­ge­flo­gen. In einer am Sonn­tag­abend ver­brei­te­ten Pres­se­mit­tei­lung hieß es dazu:

stern.de: Muba­rak fin­det Zuflucht im Emi­rat Schard­scha
Ham­burg (ots) — Der zurück­ge­tre­tene ägyp­ti­sche Prä­si­dent Husni Muba­rak hat das Land bereits am Frei­tag ver­las­sen und Zuflucht in dem Emi­rat Schard­scha gefun­den. Das berich­tet das Online-Magazin stern.de. Danach bestä­tig­ten meh­rere Quel­len, dass eine Maschine der pri­va­ten Flug­li­nie Air Ara­bia den 82-Jährigen am Frei­tag im Feri­en­ort Scharm-el-Scheich auf­ge­nom­men und außer Lan­des gebracht hat. Schard­scha am Per­si­schen Golf ist Teil der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­rate. Eine Eskorte von 19 Fahr­zeu­gen habe Muba­rak dort am Flug­ha­fen emp­fan­gen haben, berich­tet stern.de.
Seine Fami­lie inklu­sive sei­ner Frau hatte Ägyp­ten laut stern.de bereits am Diens­tag Rich­tung Schard­scha ver­las­sen. Muba­raks Fami­lie soll in dem Emi­rat in einem Palast des Herr­schers unter­ge­kom­men sein.

Merk­wür­dig — bei “Stern.de” ist der ursprüng­li­che Bericht von Chris­toph Reu­ter nicht mehr auf­zu­fin­den. In der am Mon­tag­mor­gen ver­öf­fent­lich­ten Fas­sung sind sich die “Stern”-Leute nicht mehr ganz so sicher. Aus den Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen vom Vor­abend wur­den nun Spekulationen:

Ver­schie­dene Quel­len bestä­ti­gen stern.de, dass Husni Muba­rak den Feri­en­ort [Anmer­kung bm: Scharm al-Scheich] bereits am Frei­tag ver­las­sen hat. Eine Maschine der pri­va­ten Air­line Air Ara­bia soll ihn außer Lan­des gebracht haben. Sein Ziel war Shar­jah (Schard­scha). Das Emi­rat am Per­si­schen Golf ist Teil der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­rate. Eine Eskorte von 19 Fahr­zeu­gen soll Muba­rak dort am Flug­ha­fen emp­fan­gen haben.

Wo ist also Muba­rak? Viel­leicht doch noch im ägyp­ti­schen Bade­ort Scharm-el-Scheich, wie “Spie­gel Online”–Mit­ar­bei­ter Mat­thias Gebauer in sei­nem am 15. Februar ver­öf­fent­lich­ten Bei­trag behaup­tet. Zumin­dest heißt es dort in der Überschrift:

Klar, dass Gebauer den Ex-Diktator in Scharm al-Scheich nicht selbst gese­hen hat. Statt­des­sen führt er merk­wür­dige “Indi­zien” an, um die Behaup­tung aus der Über­schrift zu sei­nem Arti­kel doch noch recht­fer­ti­gen zu können:

Ob der “Pha­rao” wirk­lich hier ist, weiß mit abso­lu­ter Sicher­heit nie­mand. Doch meh­rere Check­points auf dem Weg zur Villa, Tag und Nacht mit schwer bewaff­ne­ten Poli­zis­ten und einer Hand­voll Geheim­po­li­zis­ten in Zivil gesi­chert, sind ein deut­li­ches Zei­chen. Kof­fer wer­den ein­ge­hend kon­trol­liert, Pässe geprüft, jeder Aus­län­der wird nach sei­nem Beruf befragt.

Wozu der ganze Auf­wand, wenn es sich Muba­rak doch längst im Emi­rat Schard­scha gut­ge­hen lässt, wie “Stern”-Kollege Reu­ter her­aus­ge­fun­den haben will.

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