Medien

Déjà-vu in Kairo

1. Februar 2011 | Bei der Bericht­er­stat­tung der öffentlich-rechtlichen Anstal­ten aus Ägyp­ten fehlt es mit­un­ter an der not­wen­di­gen Transparenz.

Vor­weg der not­wen­dige Hin­weis: Ich habe Hoch­ach­tung vor Kor­re­spon­den­ten, die in Kri­sen– oder gar Kriegs­si­tua­tio­nen vom Ort des Gesche­hens berich­ten — so wie es zahl­rei­che Jour­na­lis­ten in die­sen Tagen in Kairo und ande­ren ägyp­ti­schen Städ­ten machen. Neben den Gefah­ren auf den Stra­ßen, haben es Repor­ter, Kame­ra­leute und Foto­gra­fen auch noch mit den hei­mi­schen Redak­tio­nen zu tun, die drin­gend auf “News” und mög­lichst exklu­sive Bil­der aus dem Kri­sen­ge­biet warten.

Aller­dings soll­ten die TV-Zuschauer auch wis­sen, woher die Bil­der stam­men, die in Kor­re­spon­den­ten­be­rich­ten gezeigt wer­den. Schließ­lich ist Trans­pa­renz ein wesent­li­ches Merk­mal für jour­na­lis­ti­sche Qua­li­tät und sollte gerade im gebüh­ren­fi­nan­zier­ten Fern­se­hen eine Selbst­ver­ständ­lich­keit sein, auch — und gerade in Kri­sen­si­tua­tio­nen. Wer am Mon­tag­abend die aktu­elle Bericht­er­stat­tung aus Ägyp­ten in ARD und ZDF ver­folgte, dürfte aller­dings Zwei­fel an der Authen­ti­zi­tät der Kor­re­spon­den­ten­bei­träge haben.

Diet­mar Ossen­berg, Lei­ter des ZDF-Studios in Kairo, begann sei­nen Bericht im ‘heute-Journal’ über das Tages­ge­sche­hen in der ägyp­ti­schen Haupt­stadt mit Sze­nen, die die Rück­kehr der Poli­zei auf Kai­ros Stra­ßen zei­gen. Beson­ders auf­fal­lend war ein jun­ger Mann, der die ver­meint­li­chen Ord­nungs­üt­ter wütend beschimpfte.

Gut 30 Minu­ten spä­ter ein Déjà-vu im “Ers­ten”. Auch ARD-Korrespondent Alex­an­der Sten­zel eröff­nete seine Bericht­er­stat­tung aus Kairo mit den­sel­ben Bil­dern von dem toben­den jun­gen Ägyp­ter. Dafür unter­schied sich seine Über­set­zung der Schimpf­ti­rade deut­lich von der des Kol­le­gen Ossen­berg. Was hat der junge Ägyp­ter nun wirk­lich gesagt? Beide Kor­re­spon­den­ten ver­rie­ten ihren Zuschau­ern auch nicht, woher sie die Bil­der hat­ten: Zeit­gleich — und dann auch noch aus der­sel­ben Per­spek­tive — auf­ge­nom­men von Kame­ra­teams der ARD und des ZDF? Ein Freund­schafts­dienst unter Kol­le­gen “an der Front”, die sich gegen­sei­tig auch schon mal mit Video­ma­te­rial aus­hel­fen? Ein­ge­kauft bei “Al Jazeera”, “CNN”, “BBC” — oder gar bei irgend­ei­nem Pro­duk­ti­ons­team? Zumin­dest lief die Szene mit dem stink­sau­ren jun­gen Ägyp­ter bereits am Mon­tag­nach­mit­tag wie­der­holt im eng­li­schen Pro­gramm des ara­bi­schen Nach­rich­ten­ka­nals “Al Jazeera”. Kön­nen Ossen­berg, Sten­zel und andere, die sich der Sze­nen bedien­ten eigent­lich mit Sicher­heit aus­schlie­ßen, dass es sich nicht um einen Fake gehan­delt hat, auf den sie selbst hereinfielen?

Die Lösung für sol­che Situa­tio­nen ist so ein­fach wie not­wen­dig: Wenn Kor­re­spon­den­ten in ihren Bei­trä­gen Fremd­ma­te­rial ver­wen­den, dann muss es auch für die Zuschauer deut­lich erkenn­bar sein: Durch Hin­weise im Bild und/oder im Begleit­kom­men­tar. Schließ­lich berich­ten sie von Kri­sen­schau­plät­zen und nicht aus dem Dschungelcamp.

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