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Bild”-Agenda im “MoMa-WM-Bus”

7. Juli 2010 | Die Ein­sätze von ARD-Sportmoderator Peter Groß­mann im “MoMa-WM-Bus” der ARD sind Tief­punkte in der ins­ge­samt ohne­hin beschei­de­nen TV-Berichterstattung aus Südafrika.

Medi­en­kri­ti­ker sind offen­bar keine Früh­auf­ste­her. Anders ist es kaum zu erklä­ren, dass ARD-Sportmoderator Peter Groß­mann für seine alber­nen mor­gend­li­chen Ein­sätze mit dem “MoMa-WM-Bus” in Süd­afrika bis­lang noch nicht nach­hal­tig “abge­watscht” wurde. Der Sport­mo­de­ra­tor beim “ARD-Morgenmagazin” darf für die Anstalt des öffent­li­chen Rechts wäh­rend der Fußball-Weltmeisterschaft ins­ge­samt zwei Wochen lang aus dem von Kin­dern der deut­schen Schule in Johan­nes­burg optisch gestal­te­ten Rei­se­bus berich­ten. Trotz Unter­stüt­zung durch den aus Süd­afrika stam­men­den Ex-Bundesligaprofi Sean Dun­dee und der in Bots­wana gebo­re­nen Fuß­ball­welt­meis­te­rin Nia Kün­zer sind die mor­gend­li­chen Ein­spiele in der Regel ent­we­der völ­lig belang­los oder ein­fach nur albern. Ob die pau­sen­los ver­mit­telte Erkennt­nis, dass es im süd­afri­ka­ni­schen Win­ter auch schon mal kalt sein könne, die gebüh­ren­fi­nan­zierte Bus­rund­reise am Kap recht­fer­tigt, scheint nun wirk­lich mehr als frag­lich zu sein.

Am Mitt­woch­mor­gen durf­ten sich bei­spiels­weise einige durch­zechte hol­län­di­sche Fuß­ball­fans — nach ent­spre­chen­der Regie­an­wei­sung — über den Ein­zug ihrer Mann­schaft ins WM-Finale grö­lend in einem Kap­städ­ter Früh­stücks­lo­kal freuen. Ansons­ten greift Groß­mann die The­men auf, die “Bild” am Abend zuvor auf die WM-Agenda setzt. Einen Tag zuvor war das der angeb­li­che “Macht­kampf Lahm gegen Bal­lack”, den “Bild” am Diens­tag auf die eigene Titel­seite gehievt — und damit auch Groß­mann und seine Leute in der Sport­re­dak­tion des Mor­gen­ma­ga­zins unter Zug­zwang gesetzt hatte. Dabei stam­men die nun­mehr skan­da­li­sier­ten Äuße­run­gen aus einem Inter­view, das Phil­ipp Lahm einem Repor­ter des Münch­ner Bou­le­vard­blat­tes “tz” — und nicht etwa Sport­mo­de­ra­tor Groß­mann — gege­ben hatte:

Frage: Geben Sie Bal­lack die Kapi­täns­binde, wenn er zurück­kehrt?
Lahm:
 Es ist doch klar, dass ich die Kapi­täns­binde gerne behal­ten möchte. Die Rolle auf dem Platz erfülle ich seit meh­re­ren Jah­ren, die habe ich im Griff. Dann will man sich auch um mehr küm­mern, mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Das habe ich jetzt hier gemacht. Warum soll ich dann das Kapi­tän­s­amt wie­der frei­wil­lig zur Ver­fü­gung stel­len?
Frage:
 Sie über­rei­chen also Bal­lack nicht fei­er­lich die Binde?
Lahm:
 Frei­wil­lig werde ich sie ganz sicher nicht abge­ben. Aber das wird die Ent­schei­dung des Bun­des­trai­ners sein. (Quelle: tz-online.de)

Wer sagt es denn. End­lich ein ver­meint­li­cher Skan­dal um die deut­sche Natio­nal­mann­schaft in Süd­afrika. Auch wenn sich Bal­lack zum kecken Vor­stoß sei­nes Mann­schafts­kol­le­gen bis­lang nicht äußerte und Trai­ner Jogi Löw die Ent­schei­dung über den künf­ti­gen Mannschaftskapit?n auf die Zeit nach der WM ver­tagt hat — Groß­mann und seine Kol­le­gen nah­men sich am Mitt­woch­mor­gen der Sache noch ein­mal an. Schließ­lich kön­nen sie in so auf­wen­di­gen Live-Einspielen aus Süd­afrika nicht nur über­mü­dete hol­län­di­sche Schlach­ten­bumm­ler grö­len las­sen oder andere Albern­hei­ten zeigen.

Zudem hatte “Bild” in der Mitt­wochs­aus­gabe die Frage auf­ge­wor­fen “Macht der Ballack-Zoff die Mann­schaft sogar stär­ker?” So ganz genau konn­ten die Morgenmagazin-Leute in ihrer Bericht­er­stat­tung die Frage des Zen­tral­or­gans nicht beant­wor­ten. Zumin­dest gaben sie Phil­ipp Lahm den guten Rat­schlag, dass er “sei­nen Ego­is­mus” doch bitte hin­ten anstel­len möge. Schließ­lich ginge es im Halb­fi­nale gegen Spa­nien um den Ein­zug in das End­spiel bei die­ser Fußball-Weltmeisterschaft. Und wenn das tat­säch­lich gelingt, muss Peter Groß­mann im “MoMa-WM-Bus” am Don­ners­tag­mor­gen drin­gend wechseln.

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