Medien

Eine Mischung aus Leichtsinn und Naivität

5. Juli 2010 | Wegen Neben­tä­tig­kei­ten für eine Groß­mol­ke­rei sorgt ZDF-Sportmoderatorin Kat­rin Müller-Hohenstein mit­ten in der hei­ßen Phase der Fußball-WM für Schlag­zei­len in eige­ner Sache. Nach dümm­li­chen Erklä­rungs­ver­su­chen bekommt die pein­li­che Ange­le­gen­heit auch noch einen wei­te­ren bit­te­ren Beigeschmack.

Kat­rin Müller-Hohenstein könnte deut­sche TV-Geschichte mit­schrei­ben. Immer­hin mode­rierte die bald 45jährige die Sen­dung mit dem — laut Medi­en­dienst “turi2” — “höchs­ten jemals gemes­se­nen Markt­an­teil im deut­schen Fern­se­hen.” Zu “Spit­zen­zei­ten” sol­len am ver­gan­ge­nen Sams­tag­nach­mit­tag 28,36 Mil­lio­nen Zuschauer das ZDF ein­ge­schal­tet haben, wobei Mil­lio­nen “Public View­ings” nicht ein­mal mit­ge­rech­net wur­den. Die Main­zel­män­ner durf­ten sich über einen Markt­an­teil von bis zu 89,2 Pro­zent freuen. Zuge­ge­ben, nicht alle hat­ten wegen Frau Müller-Hohenstein das ZDF gewählt, einige woll­ten wohl auch das WM-Viertelfinale zwi­schen Argen­ti­nien und Deutsch­land sehen.

Den­noch — Kat­rin Müller-Hohenstein, die seit 2006 als freie Mit­ar­bei­te­rin das “ZDF-Sportstudio” mode­riert, gehört inzwi­schen zur deut­schen TV-Elite. Sicht­bar wird das nicht nur durch die häu­fi­gen Ein­sätze im Pro­gramm der Main­zel­män­ner — wie zur­zeit bei der Fußball-WM in Süd­afrika, wo sie gemein­sam mit Ex-Nationaltorwart Oli­ver Kahn end­lose Sen­destre­cken vor, zwi­schen und nach den Spie­len zu über­brü­cken hat. Immer häu­fi­ger taucht “KMH” auch als Mode­ra­to­rin oder Mit­wir­kende bei Gala­ver­an­stal­tun­gen, Unter­neh­mens­ju­bi­läen oder Pres­se­kon­fe­ren­zen auf. Auf ihrer Web­site wer­den allein für das ver­gan­gene Jahr 39 “Galas und Events” als “Refe­ren­zen” auf­ge­lis­tet: Vom “ADAC Ball 2009″ über die Eröff­nung des Mag­de­bur­ger Fuß­ball­sta­di­ons bis zu meh­re­ren BMW-Veranstaltungen — Kat­rin Müller-Hohenstein kann sich über man­gelnde Neben­be­schäf­ti­gun­gen wohl nicht bekla­gen. Die frü­here Antenne-Bayern-Moderatorin ist inzwi­schen so gut im Geschäft, dass sie gar ein eige­nes “Manage­ment” benö­tigt, um bei den vie­len Ver­pflich­tun­gen nicht den Über­blick zu verlieren.

Kat­rin Müller-Hohensteins kom­bi­nier­tes Erlös­mo­dell aus gebüh­ren­fi­nan­zier­ten ZDF-Honoraren und Gagen aus ihren Neben­tä­tig­kei­ten könnte eigent­lich so wei­ter­lau­fen, wenn nicht das “Medium Maga­zin” aus­ge­rech­net wäh­rend der Fußball-WM Aus­züge aus einem Inter­view mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey vorab im Inter­net ver­öf­fent­licht hätte. Darin kri­ti­siert der Brender-Nachfolger das Enga­ge­ment sei­ner Mode­ra­to­rin als “Schirm­her­rin des Weihenstephan-Qualitätsbeirats”: “Ihr Internet-Auftritt auf den Sei­ten von Wei­hen­ste­phan ist nicht glück­lich und kann so nicht blei­ben.” In dem Inter­view ging Frey noch davon aus, dass “die­ser Internet-Auftritt schon bald Geschichte ist.”

Von wegen — zumin­dest bis zur Ver­öf­fent­li­chung die­ses Blog­ein­trags (Mon­tag, 5. Juli, 12.30 Uhr) war Kat­rin Müller-Hohenstein auf der Weihenstephan-Website [Hin­weis: Die Seite steht inzwi­schen nicht mehr zur Ver­fü­gung]  immer noch im Ein­satz. Dort begrün­det sie auch bereit­wil­lig ihr Enga­ge­ment für die Molkerei:

Der Qua­li­täts­bei­rat der Mol­ke­rei Wei­hen­ste­phan sorgt für Trans­pa­renz gegen­über dem Ver­brau­cher und gibt mir das Gefühl, wirk­lich zu wis­sen, wie meine Mol­ke­rei­pro­dukte her­ge­stellt wor­den sind.”

Das liest sich wie Wer­bung — ist es auch, wie sogar Frau Müller-Hohenstein inzwi­schen selbst erkannt hat. Nach Berich­ten von “Spie­gel Online” und “Sueddeutsche.de” hat sich die Sport­mo­de­ra­to­rin inzwi­schen bei ihrem Chef­re­dak­teur für den nicht geneh­mig­ten Wer­be­ein­satz ent­schul­digt: “Es war nie meine Absicht zu wer­ben. Ich beende die Arbeit als Schirm­her­rin des Bei­rats”, wird sie vom “Spie­gel” zitiert.

Nach solch dümm­li­chen Erklä­rungs­ver­su­chen könnte die ohne­hin schon pein­li­che Sache jetzt auch noch einen bit­te­ren Beige­schmack bekom­men, zumal die Rücken­de­ckung von ZDF-Chefredakteur Peter Frey alles andere als über­zeu­gend aus­fällt: “Ich unter­stelle ihr, dass sie uns nicht bewusst getäuscht hat, son­dern aus einer Mischung aus Leicht­sinn und Nai­vi­tät gehan­delt hat”, sagte er der “Süd­deut­schen Zei­tung”. Das braucht man also, um bei den Main­zel­män­nern Kar­riere als Vor­zei­ge­mo­de­ra­to­rin zu machen: Eine Mischung aus Leicht­sinn und Naivität.

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