Medien

Sie haben keinen Fernseher, kein Radio, keinen Computer?”

...dann müs­sen Sie ein­fach nur “Bild” lesen, um sich bei­spiels­weise über die “TV-Steuer” umfas­send zu informieren.

10. Juni 2010 | Die gute Nach­richt vor­weg: “Bild” hat den fal­schen Begriff “GEZ-Gebühr” aus dem Redak­ti­ons­sys­tem gelöscht und durch den — gar nicht mal so fal­schen — Begriff “TV-Steuer” ersetzt. Schließ­lich sol­len nach dem Wil­len der Minis­ter­prä­si­den­ten der Bun­des­län­der die Deut­schen ab 2013 eine pau­schale Haus­halts­ab­gabe in Höhe von vor­aus­sicht­lich 17,98 Euro pro Monat für den Emp­fang von Radio, Fern­se­hen — und alles das, was man heute noch nicht so genau defi­nie­ren kann — ent­rich­ten. Und weil sich das Zen­tral­or­gan vie­ler Deut­scher für seine Leser stets mäch­tig ins Zeug legt, fragt das Blatt am Don­ners­tag auf der Titel­seite besorgt: “Wie gerecht ist die neue TV-Steuer?”

Was für eine Frage? Natür­lich schrei­end unge­recht. “Bild” weiß auch warum: “Zah­len müs­sen künf­tig alle etwa 40 Mil­lio­nen deut­sche Haus­halte — selbst dann, wenn sie kein Fern­seh­ge­rät, Radio oder Com­pu­ter besit­zen.” Die von den der moder­nen Kom­mu­ni­ka­tion weit­ge­hend abge­schot­te­ten Mit­bür­ger haben ihren Wohn­sitz nicht etwa ins Hoch­ge­birge von Tad­schi­kis­tan ver­legt, son­dern leben nach Erkennt­nis­sen des Bou­le­vard­blatts ver­mut­lich “in einer Alm­hütte”. Aller­dings wer­den die Sen­ne­rin­nen und Sen­ner in den deut­schen Alpen wohl keine “TV-Steuer” ent­rich­ten müs­sen, wegen “ersicht­li­cher Emp­fangs­un­fä­hig­keit”, beru­higt “Bild” seine Leser im Hoch­ge­birge. Die deut­schen Alm-Öhis wer­den diese gute Nach­richt aber wohl erst nach dem Alm­ab­trieb im Herbst erfah­ren — selbst­re­dend aus “Bild”.

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