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Antjes verbale Scharmützel

5. Mai 2010 | Im ZDF-Morgenmagazin wird angeb­lich “sehr, sehr ernst­zu­neh­men­der Jour­na­lis­mus” betrie­ben — so wie bei einem Kor­re­spon­den­ten­ge­spräch am Mitt­woch­mor­gen.

Redak­teure, Repor­ter und Tech­ni­ker sind 24 Stun­den im Ein­satz, damit die Mode­ra­to­ren mor­gens die neus­ten Infor­ma­tio­nen prä­sen­tie­ren kön­nen.” So stel­len sich die Macher des ZDF-Morgenmagazins auf der beglei­ten­den Web­site selbst dar. Per Video ver­si­chert Redak­ti­ons­lei­ter Ulf-Jensen Röl­ler zudem: “Wir sind da, wo die Ent­schei­dun­gen fal­len.” Schließ­lich, so Mode­ra­tor Wulf Schmiese, betreibe man einen “sehr, sehr ernst zu neh­men­den Jour­na­lis­mus, der Spaß macht — und hof­fent­lich den Zuschau­ern auch.”

 

Manch­mal bin ich mir aller­dings nicht ganz sicher, was die Main­zel­män­ner als “sehr, sehr ernst­zu­neh­men­den Jour­na­lis­mus” ein­stu­fen oder ein­fach als “Spaß” ver­bu­chen. So wie am Mitt­woch­mor­gen, als Antje Pie­per aus Athen (ver­mut­lich live) zuge­schal­tet wurde. Im Gespräch mit Mode­ra­to­rin Anja Heyde ging’s um Demons­tra­tio­nen und Streiks im Zusam­men­hang mit den von der grie­chi­schen Regie­rung ange­kün­dig­ten Sparmaßnahmen:

  • Anja Heyde: Antje Pie­per in Athen — wie groß ist denn die Sorge, dass sich die Demons­tra­tio­nen zu rich­ti­gen sozia­len Unru­hen auswachsen?
  • Antje Pie­per: Also es gibt natür­lich die Sorge, dass hier heute auch der Streik -, dass es da zu ein­zel­nen Schar­müt­zeln kommt. Aber der Gene­ral­streik hat ja heute früh erst mal rela­tiv ruhig begon­nen: Also der Flug­ha­fen steht still, der Hafen steht still. Da geht keine Fähre mehr. Auch die Metro geht nicht mehr. Die beginnt erst wie­der um 10 Uhr zu fah­ren, damit die Demons­tran­ten eben zur Demo fah­ren kön­nen. Aber zu die­sem Gene­ral­streik — er ist ja bereits seit Tagen ange­kün­digt — konn­ten sich die Grie­chen ja schon seit Tagen vor­be­rei­ten. Und die Grie­chen sind auch schon seit Jah­ren sol­che Streiks gewohnt, der fin­det ja alle paar Monate statt. Also — jetzt gene­rell der Gene­ral­streik sagt jetzt noch nichts, dass es zu wei­te­ren sozia­len Unru­hen füh­ren wird. Es wird dar­auf ankom­men, inwie­fern es die Regie­rung in Zukunft schafft, dass sie auch ver­mit­telt, dass diese Sozi­al­maß­nahme wirk­lich gerecht zugeht. Dann wird es zwar zu ein­zel­nen Schar­müt­zeln und Unru­hen kom­men, aber nicht zu die­sen gro­ßen sozia­len Unru­hen, die man viel­leicht befürch­ten kann.
  • Anja Heyde (die inzwi­schen schon ziem­lich “ver­knif­fen” wirkt…): Wie ver­hält sich denn die Regie­rung der­zeit, wie ver­hält sich denn der Minis­ter­prä­si­dent Papandreu?
  • Antje Pie­per: Ja, Gior­gos Papan­d­reu hat ja auch vor eini­gen Tagen bereits gesagt, dass im Volk die Ansicht weit ver­brei­tet ist, dass die gro­ßen Steu­er­sün­der eben unbe­straft davon kom­men. Und da ver­sucht er jetzt eben alles auch klar­zu­ma­chen, dass eben auch die Gro­ßen zur Kasse gebe­ten wer­den. Das sind ja viele Rei­che, die hier oft viele Jahre lang keine Steu­ern gezahlt haben — oder sehr wenige. Und erst, wenn es die Regie­rung wirk­lich schafft, dass auch die zur Kasse gebe­ten wer­den, dass Kleine nicht nur das Gefühl haben, dass die gan­zen Las­ten auf ihren Rücken getra­gen wird, dann wird es eben diese breite Akzep­tanz in der Regie­rung — äh in der Bevöl­ke­rung geben. Papan­d­reu hat aber sel­ber auch gesagt, er wird kei­nen Schritt zurück­wei­chen. Das Spar­maß­nah­men­pa­ket wird ange­nom­men wer­den, das ist ja noch diese Woche im Par­la­ment. Am Don­ners­tag soll die Abstim­mung sein. Es rech­net hier aber kei­ner, dass es nicht durch­kommt. Er hat ja sel­ber eine deut­li­che Mehr­heit und die größte Oppo­si­ti­ons­par­tei war ja jah­re­lang sel­ber an der Macht und hat diese Schul­den­po­li­tik ja teil­weise sel­ber mit zu ver­ant­wor­ten. Und die wird sehr froh sein, dass es nicht sie sind, die die­ses Reform­pa­ket durch­bo­xen muss. Von die­ser Seite wird es — denke ich — keine Pro­bleme geben.

Hin­weis: Die zahl­rei­chen “Ähs” und “Ems” wur­den bei Mit­schrift des Gesprächs der bei­den Main­zel­frauen nicht berück­sich­tigt, weil sonst der Text­um­fang beträcht­lich län­ger aus­ge­fal­len wäre.

Mag sein, dass Frau Pie­per am Mitt­woch einen ganz beson­ders schlech­ten Mor­gen erwischt hat. Aller­dings ist es kaum nach­voll­zieh­bar, dass diese weit­ge­hend inhalt­lo­sen Dumm­schwät­ze­reien aus­zugs­weise sogar mehr­fach in die Nach­rich­ten gelang­ten und dazu auch noch in die ZDF-Mediathek auf­ge­nom­men wur­den. Antje Pie­per ist übri­gens nicht Prak­ti­kan­tin im ers­ten Aus­lands­ein­satz, son­dern seit fünf Jah­ren Lei­te­rin des ZDF-Studios in Rom. Zu ihren Berichts­ge­bie­ten gehö­ren neben Ita­lien ein­schließ­lich Vati­kan­stadt auch Malta und Grie­chen­land. Wenn die Macher der “heute-Show” gut auf­ge­passt haben, bekommt die Fern­seh­frau mög­li­cher­weise bald auch noch eine feste Rubrik in der wöchent­li­chen Sati­re­sen­dung der Main­zel­män­ner. Titel: “Ant­jes ver­bale Scharmützel”.

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