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Noch viel Luft in der Lunge

13. April 2010 | Die bri­ti­sche Sän­ge­rin Flo­rence Welch zählt schon nach ihrem ers­ten Album zu den bes­ten “Röh­ren” der Pop­mu­sik. In Deutsch­land fin­det sie bis­lang aller­dings nur wenig Beachtung.

Auf den Videos, die unter ande­rem bei YouTube von ihr abruf­bar sind, wirkt Flo­rence Welch fast ein wenig unbe­hol­fen, wenn sie bei­spiels­weise zu Beginn des Songs “You’ve Got the Love” ihre Arme in Rich­tung Büh­nen­de­cke streckt oder spä­ter auf irgend einem halb­mondar­ti­gen Requi­sit durch das Stu­dio schwebt. Die her­vor­ste­chen­den Merk­male der 23jährigen sind nicht etwa unend­lich lange Beine, Knack­hin­tern und Super­bu­sen. Nein, “Flo­rence and the Machine”, unter die­sem Pseud­onym ver­öf­fent­licht die “Singer-Songwriterin” ihre Titel, hat eine unglaub­li­che “Röhre”, die sofort an Grace Slick vor 40 Jah­ren erin­nert. Wer mit der legen­dä­ren S?ngerin von Jef­fer­son Air­plane ver­gli­chen wird, gehört zwangs­läu­fig zu den Bes­ten in der Pop– und Rockszene.

Wäh­rend Flo­rence bei uns in Deutsch­land bis­lang kaum beach­tet wird, hat sie in Groß­bri­tan­nien schon erste große Erfolge erlangt: Mit “You’ve Got the Love” schaffte sie es im ver­gan­ge­nen Som­mer auf Platz 5 der bri­ti­schen Single-Charts, die dazu­ge­hö­rige CD “The Lung” klet­terte sogar an die Spitze der Album-Charts. Dazu kamen einige Nach­wuchs­preise, unter ande­rem vom renom­mier­ten Fach­blatt “New Musi­cal Express”.

Ihren bis­lang größ­ten Erfolg hatte “Flo­rence and the Machine” aller­dings im Februar die­ses Jah­res, als ihr Debut-Album “Lungs” bei den “Brit Awards” zum bes­ten natio­na­len Album des Jah­res gekürt wurde. Zudem war sie auch noch in den Kate­go­rien “Auf­stei­ger des Jah­res” und “beste bri­ti­sche S?ngerin” nomi­niert, zu der dann schließ­lich Lily Allen gewählt wurde. Gemein­sam mit dem Rap­per Dizzee Ras­cal, der als bes­ter bri­ti­scher Sän­ger aus­ge­zeich­net wurde, führte sie wäh­rend der Musik­gala eine Cover-Version der eige­nen Erfolgs­sin­gle unter dem abge­wan­del­ten Titel “You’ve Got that Dir­tee Love” auf. Die reiz­volle Kom­bi­na­tion aus Dizzees ver­meint­lich “schmut­zi­gem” Rap und der unglaub­li­chen Röhre von Flo­rence wird seit Wochen von vie­len bri­ti­schen Radio­sta­tio­nen in der “Heavy Rota­tion” ein­ge­setzt, in der offi­zi­el­len Hit­pa­rade stieg das Stück bis auf Platz 2.

Deut­sche Radio­ma­cher hal­ten sich aller­dings mit Ein­set­zen von “Flo­rence and the Machine” bis­lang zurück. Ver­mut­lich, weil die Musik alles andere als unauf­fäl­lig dahin­plät­schert, son­dern gera­dezu zum Zuhö­ren her­aus­for­dert. Flo­rence passt ein­fach nicht in den Ein­heits­brei, den deut­sche Dudel­wel­len ihren “Neben­bei­hö­rern” als “das Beste von heute” ver­kau­fen wollen.

Bei den Radio­kol­le­gen auf der Insel wird Flo­rence dage­gen wohl eher ein Dau­er­thema wer­den, zumin­dest gehen davon ein­fluss­rei­che Musik­kri­ti­ker längst aus. Ihr wei­te­rer Auf­stieg sei gera­dezu unauf­halt­sam, schrieb der Kri­ti­ker John Har­ris im renom­mier­ten “Guar­dian”. Und in Anspie­lung auf den Titel ihres Erfolg­s­al­bums “The Lung”, fol­gerte der “New Musi­cal Express”, dass Flo­rence noch viel Luft in der Lunge für wei­tere her­aus­ra­gende Alben habe.

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