Medien

Mikrofonhalter für Röttgers

22. Februar 2010 | Wie Main­zel­mann Peter Hahne eine jour­na­lis­ti­sche Chance kläg­lich vergab.

Da gäbe es wohl noch “eini­gen Gesprächs­be­darf”, meinte Anja Heyde, Mode­ra­to­rin des “ZDF-Morgenmagazins”, am Mon­tag zu der aktu­el­len Affäre um den nordrhein-westfälischen Minis­ter­prä­si­den­ten Jür­gen Rött­gers. Kol­lege Peter Hahne sieht das offen­bar völ­lig anders. Am Abend zuvor hatte der stell­ver­tre­tende Lei­ter des ZDF-Hauptstadtstudios in der Sen­dung “Ber­lin direkt” die Chance kläg­lich ver­tan, dem CDU-Mann kri­ti­sche Fra­gen im Zusam­men­hang mit “gekauf­ten Gesprä­chen” zu stel­len. Wie “Spie­gel Online” bereits am Sams­tag berich­tete, hatte die nordrhein-westfälische CDU zah­lungs­kräf­ti­gen Spon­so­ren exklu­sive Gesprächs­ter­mine mit dem Minis­ter­prä­si­den­ten ange­bo­ten. Die skan­da­löse Geschichte ent­wi­ckelte sich am Wochen­ende zu einem Top­thema in den deut­schen Medien.

Auch das ZDF ging in sei­nen “heute”-Sendungen wie­der­holt auf den “Fall Rött­gers” ein, zumal den Main­zern nach eige­nen Anga­ben eben­falls Exem­plare der bri­san­ten Wer­be­briefe der nordrhein-westfälischen CDU an m?gliche Spon­so­ren für den Lan­des­par­tei­tag im März vor­lie­gen. Peter Hahne hätte bei sei­nem Live-Interview am Sonn­tag­abend in der Sen­dung “Ber­lin direkt” also allen Grund gehabt, Rött­gers kri­ti­sche Fra­gen zu stel­len. Immer­hin ist der auch Lan­des­vor­sit­zen­der der CDU in Nordrhein-Westfalen — und damit für die win­dige Wer­be­ak­tion sei­ner Par­tei direkt ver­ant­wort­lich. Doch statt dem Uni­ons­po­li­ti­ker auf den Zahn zu füh­len, betä­tigte sich der Main­zel­mann als “Mikro­fon­hal­ter” für den Uni­ons­po­li­ti­ker, wie der nach­fol­gende Aus­zug aus dem Inter­view zeigt:

Hahne: Zunächst muss ich Wert dar­auf legen, dass wir für die­ses Inter­view nicht bezahlt haben. Man kann ja heute über­all lesen: Rött­gers gibt es nur noch gegen Bares. Hat da die SPD-Generalsekretärin Andrea Nah­les nicht Recht, wenn sie von Käuf­lich­keit spricht?

Rött­gers: Wis­sen Sie, die­ser Wahl­kampf­vor­wurf ist absurd. Er ist auch unver­schämt, er stimmt auch nicht. Ich habe diese Briefe nicht gekannt. Es hat auch keine sol­chen Gesprä­che gege­ben. Die Briefe sind aus dem Ver­kehr gezogen.

Hahne: Das heißt, wer Sie ein­lädt, muss nicht bezah­len, auch Unter­neh­mer nicht?

Rött­gers: Ich habe jede Woche Hun­derte von Men­schen, mit denen ich spre­che. Das alleine zeigt schon, dass das wirk­lich nur Unsinn ist.

Das war’s auch schon zu dem bri­san­ten Thema. Rött­gers durfte unwi­der­spro­chen erklä­ren, dass es “unver­schämt” sei, wenn Jour­na­lis­ten Anstoß daran neh­men, dass eine Lan­des­par­tei Gesprächs­ter­mine mit dem Minis­ter­prä­si­den­ten ver­hö­kert. Und Peter Hahne? Der grinste nur.

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