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Unglaublich aber wahr

12. Februar 2010 | Mit einer pfif­fi­gen Aktion beweist “Bay­ern 3″, dass Radio auch ohne hoch­do­tierte? Gewinn­spiele breite Auf­merk­sam­keit erzie­len kann. Die­ser Bei­trag ent­stand für Hoerfunker.de — die Radio­seite der Bun­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung (bpb).

Seit eini­gen Wochen ach­tet Julia genau dar­auf, dass sie den Bus mor­gens kurz vor Sie­ben erwischt. In dem Lini­en­bus, der vor allem Schü­ler ins nahe lie­gende Rosen­heim beför­dert, läuft stets “Bay­ern 3″, die Pop­welle des Baye­ri­schen Rund­funks. Der Fah­rer des nächs­ten Bus­ses, der wenige Minu­ten spä­ter in die selbe Rich­tung abfährt, bevor­zugt dage­gen den kon­kur­rie­ren­den Pri­vat­sen­der “Antenne Bay­ern” — und der ist zur­zeit bei Julia und ihren Mit­schü­lern? über­haupt nicht “ange­sagt”. Grund für die große Zuwen­dung der Tee­nies zu dem öffentlich-rechtlichen Pro­gramm ist die Aktion “Unglaub­lich — aber wahr”.

Dabei stellt Mor­gen­mo­de­ra­to­rin Clau­dia Con­rath ihren Kol­le­gen Mar­cus Fahn und Bern­hard Fleisch­mann täg­lich eine Auf­gabe, die inner­halb von 24 Stun­den gelöst wer­den muss. In die­ser Woche soll­ten die bei­den Radio­ma­cher bei­spiels­weise einen baye­ri­schen Metz­ger aus­fin­dig machen, der selbst Vege­ta­rier ist. Tat­säch­lich hat­ten sie am Mon­tag­mor­gen einen Mün­che­ner am Tele­fon, der glaub­haft ver­si­cherte, zwar Wurst und Fleisch zu ver­ar­bei­ten, aber seit zwei Jah­ren selbst nichts mehr davon zu essen.

Die Idee zu der Radio­ak­tion hat­ten wir eigent­lich schon, als wir die Früh­sen­dung bei Bay­ern 3 im Mai 2008 über­nah­men”, sagt Mar­cus Fahn. Es dau­erte dann aller­dings doch noch knapp ein­ein­halb Jahre bis im ver­gan­ge­nen Okto­ber die erste Auf­gabe on air gestellt — und gelöst wurde. In den ers­ten Wochen nach dem Start seien die Reak­tio­nen der Hörer noch zurück­hal­tend gewe­sen, erin­nert sich Bern­hard Fleisch­mann. Doch mit zuneh­men­der Kniff­lig­keit der Auf­ga­ben stieg auch das Inter­esse an der pfif­fi­gen Aktion der baye­ri­schen Radio­ma­cher. In der ers­ten Staf­fel, die von Anfang Okto­ber bis Anfang Novem­ber lief, mel­dete sich unter ande­rem ein Bayer, der anhand von Pass­stem­peln doku­men­tie­ren konnte, bis auf zwei Län­der sämt­li­che Staa­ten der Welt bereist zu haben. Zur Lösung der Auf­gabe reich­ten die ein­drucks­vol­len Belege trotz­dem nicht, weil der Besuch aus­nahms­los aller Staa­ten der Erde nach­ge­wie­sen wer­den sollte.

Die Radio­ak­tion wird zum Gesprächsthema

Nach Beginn der zwei­ten Staf­fel im Januar hat ein regel­rech­ter Hype um die Radio­ak­tion in Bay­ern ein­ge­setzt. Die “unmög­li­che Geschichte” ist inzwi­schen regel­mä­ßi­ges Gesprächs­thema auf Schul­hö­fen, in Büros, beim Bäcker oder im Super­markt. Wenn sich die mor­gend­li­che Auf­lö­sung der Auf­gabe ein­mal ver­zö­gert, kann es schon pas­sie­ren, dass Fahr­gäste an der End­hal­te­stelle des Lini­en­bus­ses so lange sit­zen blei­ben, bis end­lich geklärt ist, ob es tat­säch­lich einen Bay­ern gibt, der zehn Zen­ti­me­ter lange Fin­ger­nä­gel hat. Dies­mal blieb die Suche erfolg­los. Macht nichts.

Es kommt den Radio­ma­chern nicht in ers­ter Linie dar­auf an, jede Auf­gabe erfolg­reich zu lösen. “Die Idee, die dahin­ter steckt ist, aus dem Sen­der Bay­ern 3 und den Hörern quasi eine Fami­lie zu machen”, sagt Clau­dia Con­rath. “Einer gibt die Auf­gabe vor und alle hel­fen mit, diese erfolg­reich zu bewäl­ti­gen.” Längst muss sich die Mode­ra­to­rin nicht mehr allein den Kopf dar­über zer­bre­chen, mit wel­chen kniff­li­gen Anfor­de­run­gen sie ihre bei­den Kol­le­gen in Ver­le­gen­heit brin­gen könnte. Inzwi­schen gehen täg­lich zahl­rei­che Vor­schläge per E-Mail und auch tele­fo­nisch für wei­tere “unglaub­li­che Geschich­ten” ein.

Auch bei den Lösun­gen der Auf­ga­ben erhal­ten Marucs Fahn und Bern­hard Fleisch­mann reich­lich Unter­stüt­zung von ihren Zuhö­rern. Mit deren Hilfe mach­ten sie bei­spiels­weise einen ehe­ma­li­gen Mus­ter­schü­ler aus­fin­dig, der wäh­rend sei­ner Schul­zeit nur “Ein­ser” mit nach Hause brachte. “Sach­dien­li­che Hin­weise” führ­ten auch zu einen Bam­ber­ger, der 16 Instru­mente beherrscht, wobei eigent­lich “nur” 15 gefor­dert waren. Zum Beweis sei­ner instru­men­ta­len Viel­falt gab der Franke gleich meh­rere Kost­pro­ben sei­nes Kön­nens über das Tele­fon in der lau­fen­den Früh­sen­dung ab. Und das, obwohl weder Hono­rare für die Teil­nahme gezahlt -, noch hor­rende Gewinne aus­ge­schüt­tet wer­den, wie beim direk­ten Kon­kur­ren­ten “Antenne Bayern”.

Den­noch glau­ben die Macher bei “Bay­ern 3″, dass sie nicht zuletzt mit der “Unglaub­li­chen Geschichte” neue Hörer errei­chen kön­nen: “Radio gewinnt immer dann Hörer, wenn es gelingt, Gesprächs­the­men zu kre­ie­ren”, glaubt Clau­dia Con­rath. Für bun­des­wei­ten Gesprächs­stoff könnte die Aktion der Bay­ern sor­gen, wenn sie sich für den “Deut­schen Radio­preis” bewer­ben, der am 17. Sep­tem­ber erst­mals von öffentlich-rechtlichen Anstal­ten und Pri­vat­sen­dern gemein­sam ver­ge­ben wird. Mar­cus Fahn ist da noch zurück­hal­tend: “Über­legt haben wir uns das schon, ob wir uns wirk­lich bewer­ben, haben wir aber noch nicht ent­schie­den.” In der Kate­go­rie “Beste Hörer­ak­tion” dürf­ten die Chan­cen für die “Bay­ern 3″-Aktion gar nicht schlecht ste­hen. In der Aus­schrei­bung wer­den von den Bewer­bern “beson­dere Ideen” gefor­dert, “mit denen Radio die Hörer zu Wort kom­men lässt, mit ihnen in Dia­log tritt und sie zum Teil des moder­nen Pro­gramms wer­den lässt.” Genau das machen Clau­dia Con­rath, Mar­cus Fahn und Bern­hard Fleisch­mann mit ihren “unglaub­li­chen Geschich­ten”. Hin­weis: “Die Früh­auf­dre­her” auf “Bay­ern 3″ , Mon­tag — Frei­tag, 5–9 Uhr. “Die unglaub­li­che Geschichte” läuft gegen 7.10 Uhr.

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